Stanislaw Tillich überreicht Sächsischen Verdienstorden in Dresden

Zehn Sachsen sind am Donnerstag für ihre außergewöhnliche Leistungen und besonderes Engagement geehrt worden. Unter ihnen auch eine ehemalige “First Lady“. Mehr dazu hier unter www.dresden-fernsehen.de +++

Dresden (18.08.2010) – Ministerpräsident Stanislaw Tillich hat am Donnerstag 10 Bürgerinnen und Bürgern den Sächsischen Verdienstorden überreicht. Mit dieser Auszeichnung ehrt der Freistaat Sachsen Menschen, die sich in Politik, Wirtschaft, Kultur, Sozialem, Gesellschaft oder Ehrenamt in herausragendem Maße engagiert haben.

Der Sächsische Verdienstorden wurde 1996 gestiftet und am 27. Oktober 1997 erstmals verliehen. Ihn können in- und ausländische Persönlichkeiten erhalten, die sich um den Freistaat Sachsen und seine Bevölkerung besonders verdient gemacht haben. Außerordentliche Leistungen über einen längeren Zeitraum oder eine ganz außergewöhnliche Einzeltat sind Kriterien für eine Verleihung. Insgesamt darf die Zahl der lebenden Ordensträger 500 nicht überschreiten. Bisher wurde der Sächsische Verdienstorden 209 Mal verliehen.

Die Geehrten im Einzelnen sind:

Ingrid Biedenkopf (Dresden):

An der Seite ihres Mannes, der im Oktober 1990 Ministerpräsident des Freistaates Sachsen wurde, leistete sie ihren eigenen Beitrag zum Wiederaufbau Sachsens. In einer Vielzahl von Ehrenämtern setzte sie sich dafür ein, soziale und kulturelle Projekte zu fördern. Stets hatte sie auch ein offenes Ohr für die Anliegen von sächsischen Bürgerinnen und Bürgern und kümmerte sich um diese. Sie engagierte sich für Sklerodermie-Patienten und Schädel-Hirn-Verletzte. Für herausragende Bauprojekte wie z. B. die Dresdner Frauenkirche oder die Kirche St. Egidien in Oschatz warb sie um Hilfe und sucht nach Sponsoren. Mit der Gründung der „Ingrid Biedenkopf – Multiple Sklerose-Stiftung“, deren Stiftungskapital sie aus ihrem Privatvermögen und Spenden einbrachte, rundete sie ihr hohes soziales Engagement ab. Und so ist Ingrid Biedenkopf viel mehr als die „Landesmutter“, wie sie liebevoll von den Sächsinnen und Sachsen genannt wurde. Denn ihr Engagement endete nicht, als ihr Mann aus dem Amt des Ministerpräsidenten schied. Ihr Zuspruch, ihre Fürsorge, ihre helfende Hand werden noch immer gebraucht und sind bis heute erwünscht.

Prof. Dr. Dr. Peter-Klaus Budig (Chemnitz)

Er ist Wissenschaftler, Forscher, Techniker und Lehrer in einem. Als Universitätsprofessor und Leiter des Lehrstuhls für elektrische Antriebstechnik und Antriebsmittel setzte er sich bedingungslos zum Wohle der Technischen Universität Chemnitz und ihrer Studenten ein. Mit dem von ihm entwickelten Prototyp des „Elektrobarkas“, der heute im Industriemuseum Chemnitz steht, war er der Zeit und Praxis weit voraus. Unter den wechselnden gesellschaftlichen Bedingungen setzte er über Jahrzehnte kontinuierlich seinen Erfindergeist, seine Motivation und Freude an der technischen Entwicklung in Ergebnisse um und machte diese für die junge Generation und praktische Anwendung nutzbar. Nach seiner Emeritierung im Alter von 65 Jahren gründete Professor Budig das Unternehmen Elektrische Automatisierungs- und Antriebstechnik GmbH Chemnitz. Ganz maßgeblich trug er als erfolgreicher Unternehmer und Nachwuchsförderer zum guten Ruf des heutigen Industrie- und Technikstandortes Chemnitz bei.

Marion Bühler-Brockhaus und Dr. Hans-Peter Bühler (Setúbal, Portugal)

Die Liebe zur Kunst ist den aus Verleger-, Kunst- und Buchhändlerfamilien entstammenden Eheleuten in die Wiege gelegt worden. So knüpften sie an die bereits seit dem 19. Jahrhundert bestehenden Familien- und Stiftertraditionen an, als ihnen nach dem Fall der Mauer dazu wieder Gelegenheit gegeben war. Zunächst gab es im Museum der bildenden Künste Leipzig die Ausstellung „Corot bis Monet“ mit einem Teil ihrer bedeutenden Privatsammlung der französischen Malerei, Plastiken und Skulpturen. Anlässlich der Eröffnung des Museumsneubaus vermachten sie diesem 41 Kunstwerke, darunter 29 Gemälde der französischen Malerei-Schule von Barbizon. Später folgte die umfangreiche Schenkung von 434 Bänden für die kunstwissenschaftliche Bibliothek. Nur ganz wenige deutsche Museen verfügen heute über vergleichbare Sammlerbestände, die der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden können. Darin liegt das besondere Verdienst des Ehepaares Bühler-Brockhaus.

Prof. Hans Franke (Leipzig)

Sein Herz hat nie aufgehört, für seine Heimatstadt Leipzig zu schlagen. Der in Leipzig geborene und nach der Wiedervereinigung ins elterliche Anwesen zurückgekehrte emeritierte Professor blickt auf eine langjährige Tätigkeit in Wissenschaft, Technik und Wirtschaft zurück. In bewundernswerter Weise und mit viel privatem Engagement nutzte er seine guten Kontakte in höchste Wirtschaftskreise zugunsten einer gezielten Nachwuchsförderung in ingenieurtechnischen Berufen. Mit der „GaraGe“ gründete er in Leipzig ein Kommunikations- und Kompetenzzentrum, in dem Kinder und Jugendliche gemeinsam die Grundlagen und Zusammenhänge von moderner Technik, Wirtschaft und Arbeit erfahren und erleben können. Sein außerordentliches Engagement rundet er ab mit von ihm organisierten europäischen Jugendtreffen für Luft-, Raumfahrt und Verkehr und den Fliegertreffen

Manfred Gäbler (Klingenthal)

Klingenthal – allein der Name ist ihm Berufung für sein Tun und Handeln in seiner Heimatstadt. Sein zielstrebiges Wirken bereits vor, während und nach der friedlichen Revolution diente dem Ansehen seiner Stadt, dem Erhalt des „Internationalen Akkordeonwettbewerbs Klingenthal“, dessen Weiterführung und -entwicklung. Er knüpfte enge und dauerhafte Kontakte zu bedeutenden Akkordeonisten in vielen Ländern der Welt. Er genießt in der internationalen Fachwelt hohes Ansehen, das ihm bereits verschiedene internationale Preise einbrachte. Geschickt verbindet er die Interessen der traditionsreichen Handzuginstrumentenmacherei mit den jährlichen Musiktagen. Als Mitgründer des Heimatmuseums Klingenthal setzt er sich für die Pflege der Geschichte seiner Stadt ein, bei der es nicht allein um den Musikinstrumentenbau, sondern auch um den sehr erfolgreichen Wintersport geht.

Horst Hilbig (Mülsen / St. Niclas)

Tief im christlichen Glauben verwurzelt ging er geradlinig und ungebeugt seinen Weg. Den landwirtschaftlichen Betrieb seiner Familie hat er nach dem zweiten Weltkrieg trotz Bodenreform verteidigt und wieder aufgebaut. In den sechziger Jahren konnte er dem Beitritt seines Bauernhofes in die Landwirtschaftliche Produktionsgenossenschaft nicht mehr entkommen. Die Bürgerinnen und Bürger der Gemeinde Mülsen vertrauten ihm und seinem Engagement, sich für ihr Wohl einzusetzen. So wählten sie ihn von 1961 bis 2009 ununterbrochen als ihren Volksvertreter in den Gemeinde- bzw. Ortschaftsrat. Mit hohem ehrenamtlichen Engagement hat Horst Hilbig seit 1989 in seiner Heimatgemeinde zudem Benefizbälle für die Aktion „Brot für die Welt“ organisiert. In zwanzig Jahren gelang es ihm eine Spendensumme von insgesamt 145.000 Euro dafür einzusammeln.

Ingeborg Handschick (Zittau)

Über Jahrzehnte hat sie sich konsequent für die Erhaltung und Förderung des Kulturgutes in der Oberlausitz eingesetzt. Zunächst lehrte sie Deutsch an Zittauer Schulen. In den Zirkeln „Schreibende Schüler“ und „Geschriebenes Wort“ vermittelte sie den ganz besonders am Schreiben Interessierten ihr Wissen und Können. Ihr eigenes Wirken als Schriftstellerin und Autorin widmete sie den Menschen ihrer Heimat, ihrer Lebensweise und Mundart, aber auch der Schönheit der Natur und deren Erhaltenswürdigkeit. Mit ihren Werken zählt sie zu den führenden Vertretern der Oberlausitzer Belletristik. Seit 1993 gibt Ingeborg Handschick gemeinsam mit einem 100-köpfigen Autorenteam jedes Jahr ihr „Oberlausitzer Familienkalenderbuch“ heraus. Darin beleuchtet sie eindrucksvoll das breite Spektrum des Lebens in der Oberlausitz Gestern und Heute.

Dr. Johannes Just (Dresden)

Aus einem katholischen Elternhaus stammend, war es ihm nur über Umwege möglich, seinen beruflichen Weg in Richtung Kunst einzuschlagen. Die Hürden des SED-Regimes überwand er mit seiner Intelligenz, Geschick und integrer Persönlichkeit. Und so gelang es ihm, sein langjähriges berufliches und ehrenamtliches Wirken als Direktor des Museums für Sächsische Volkskunst Dresden und stellvertretender Vorsitzender des Landesvereins Sächsischer Heimatschutz e. V. der volkstümlichen Kunst und Heimatgeschichte nachhaltig zu widmen. Mit seinem Wirken vermittelte er seinen Mitmenschen den Zugang zu den Traditionen dieser Art von Kunst und Geschichte. Auch das Wiedererscheinen der legendären „Grünen Hefte“ des Landesvereins Sächsischer Heimatschutz nach 50-jähriger Unterbrechung ist ihm zu verdanken. Rückblickend kann heute gesagt werden: Die sächsische Volkskunst und der sächsische Heimatschutz ist das Lebenswerk von Dr. Johannes Just.

Karl Noltze (Chemnitz)
 
Voller Erwartungen kam er 1993 in den Freistaat Sachsen, um sich den neuen Herausforderungen zu stellen. Diese sah er nicht allein in seinen beruflichen Aufgaben. Mit Geschick gelang es ihm, als Vize- und Regierungspräsident von Leipzig und Chemnitz Beruf und Ehrenamt zum Wohle der Regionen zu verbinden. Als Präsident der Initiative Südwestsachsen e. V. bewies er Weitblick und Glauben an die zukunftsorientierte Wachstumsregion im Herzen Europas. Seine kreativen Ideen und die Schaffung interner Netzwerke führten die verschiedenen Partner zusammen, die heute an die einst so erfolg- und traditionsreiche sächsische Wirtschaft anknüpfen können. Sein Wirken im Industrieverein Sachsen 1828 e. V., als Vorsitzender des Kuratoriums im Elternverein krebskranker Kinder e. V. Chemnitz, für den ambulanten Kinderhospizdienst in der Region Chemnitz und für die Stiftung „Universitätskirche St. Pauli zu Leipzig“ komplettieren seinen außerordentlichen Einsatz für die Menschen hierzulande.

Quelle: Sächsische Staatskanzlei
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