Strafanzeige gegen Hausbesetzer gestellt

Dresden - Die Hausbesetzer auf dem Putzi-Gelände an der Königsbrücker Straße müssen sich wegen Hausfriedensbruchs und Sachbeschädigung verantworten. Der Besitzer, die Argenta KG, hat Strafanzeige gestellt. Die Besetzer wollen trotzdem weitermachen. Die Gebäude sind Bestandteil eines Industriegeländes. Dort wird die bekannte Kinderzahnpasta Putzi hergestellt. Das könnte durch heutige Vorschriften auch einer Entwicklung als Wohnstandort entgegenstehen, so Argenta.

Schriftlich teilte Argenta mit: 

Die Gebäude an der Königsbrücker Straße sind Bestandteil eines Industriegeländes, das erheblichem Anlagenlärm durch den für die Belieferung des Betriebs mit den erforderlichen Rohstoffen und Verpackungsmaterialien und den Abtransport der fertigen Produkte notwendigen Lastwagenverkehr ausgesetzt ist. Die Gebäude erfüllen in keiner Weise die heutigen öffentlich rechtlichen Vorschriften bezüglich Lärm, Brand, Energieeffizienz usw. und sind derzeit unbewohnbar. Es kann nicht sichergestellt werden, dass von den einsturzgefährdeten Häusern keine Gefahr für Leib und Leben ausgeht. Auch eine Asbestbelastung ist nicht auszuschließen. Sollte die Landeshauptstadt Dresden langfristig eine städtebauliche Neubauplanung auf diesem Industriegelände anstreben, wäre im Zuge einer solchen Planung für das gesamte Gelände auch zu überlegen, wie mit den Häusern an der Königsbrücker Straße im Einzelnen zu verfahren ist. In diesem Zusammenhang wird gutachterlich zu untersuchen sein, inwieweit Sanierungsfähigkeit besteht, d.h. sich die Gebäude mit wirtschaftlich vertretbaren Mitteln von Grund auf so sanieren lassen, dass sie den dann aktuell geltenden öffentlich rechtlichen Vorschriften bezüglich Lärm, Brand, Energieeffizienz usw. für Wohn- bzw. Gewerbenutzung angepasst werden können. Die Firma plant in den nächsten Monaten mit der Stadt Dresden Kontakt in dieser Angelegenheit aufzunehmen. Unabdingbares Ziel muss auf jeden Fall sein, das erfolgreiche Weiterbestehen des im Jahr 1907 gegründeten Dresdner Traditionsunternehmens Denatl-Kosmetik (früher Chlorodont) mit ihren 120 Arbeitsplätzen langfristig sicherzustellen.

Die Initiative "Wir besetzen Dresden" teilte mit:

Wir von Wir besetzen Dresden danken zwar recht herzlich für das Interesse an unserem körperlichen Wohl, jedoch ist offensichtlich, dass Kapitalinteressen eine größere Rolle spielen. Für eine nutzerorientierte „Revitalisierung“ braucht es Nutzer, die revitalisieren und auf diesen Versuch wurde leider nicht eingegangen. Wir haben versucht, die Argenta Group mehrfach zu kontaktieren, ihnen unsere Nutzungskonzepte vorzustellen. Darüber hinaus haben wir einen offenen Raum geschaffen, um allen Menschen zu ermöglichen, sich an der Nutzung dieses Geländes zu beteiligen und für die Menschen hier im Viertel einen
Begegnungsort zu schaffen. Dass der Industrielärm hinter dem Gebäude bisher kein Problem war, zeigen Nachbarinnen, die ebenso angrenzend wohnen, sowie die Anwesenheit von vielen Menschen in den letzten Tagen, die sich solidarisch gezeigt haben und ein ähnliches Interesse an der Aneignung von Wohnraum hatten, die als Spekulationsobjekt dienen.

© Sachsen Fernsehen
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