Nach Angriff auf Synagoge in Halle erhöhte Sicherheitsvorkehrungen in Dresden

Halle/Dresden - Mehrere Männer haben eine Synagoge in Halle angegriffen, dabei haben sie zwei Menschen getötet. Ein Verdächtiger konnte auf der Autobahn gefasst werden, ein oder mehrere Täter sind noch auf der Flucht. Auch in Dresden stockt die Polizei auf, die Lage ist jedoch vorerst ruhig. 

+++ Update 16:56/Halle +++

Einer der beiden Täter ist schwer verletzt und wird gerade operiert. Es handelt sich nach LVZ-Informationen um einen Deutschen. Der zweite bzw. die weiteren befinden sich weiterhin auf der Flucht. Die Polizei bittet derweil über Twitter um Fotos und Videos der Taten, die bei den Ermittlungen helfen könnten. Von einer öffentlichen Verbreitung sollten Zeugen aber absehen, dafür sei ein Hinweisportal des BKA eingerichtet worden.

+++ Update 16:40/Gollma Uhr +++

Der Verdacht in Gollma konnte sich nicht bestätigen. Bei den Personen im Kleinbus handelt es sich nicht um die Tatverdächtigen. Diese befinden sich weiter auf der Flucht und werden im Raum Leipzig in Autobahnnähe vermutet. In Halle würden sich nun vermehrt Einsatzkräfte um die angegriffene Synagoge versammeln, berichtet die LVZ. Nach dem Angriff seien offenbar immer noch Gemeindemitglieder in der Synagoge. Auch in Landsberg sammeln sich Einsatzkräfte der Polizei und Rettungskräfte. Das Lichtfest in Leipzig soll trotz des Amokalarms in Halle wie geplant stattfinden. Das Sicherheitskonzept sei auch auf Geschehnisse wie in Halle vorbereitet, teilte die Polizei via Twitter mit. Die Zahl der Einsatzkräfte sei erhöht worden, auch aus Dresden kommt Verstärkung. Es gebe aktuell aber keine Bedrohungslage. 

+++ Update 16:26 Uhr/Landsberg +++

Es befinden sich weiterhin zwei oder mehr Täter auf der Flucht. Die LVZ berichtet nun, dass die Polizei in Gollma bei Landsberg einen Kleinbus umstellt hat. Wie das Portal weiter berichtet, könnte es sich bei dem Bus möglicherweise um ein Fluchtfahrzeug handeln. Eine Bestätigung der Polizei steht noch aus. Durch die Amoklage kommt es zu größeren Einschränkungen im Bahnverkehr in Halle und Leipzig. Inzwischen hat sich auch Sachsens Innenminister Roland Wöller (CDU) zu den Taten geäußert: "Es sind schreckliche Nachrichten, die uns an diesem Tag aus Halle erreichen. Ganz gleich, welchen Hintergrund eine solch grausame Tat auch hat, ich verurteile sie auf das Schärfste. Mein Mitgefühl gilt den Angehörigen der Opfer. Zur Gewährleistung der Sicherheit sind im gesamten Freistaat Sachsen die Polizeidienststellen in erhöhte Alarmbereitschaft versetzt worden. Zudem haben wir den Schutz jüdischer Einrichtungen ausgeweitet. Die notwendigen operativen Maßnahmen werden von einem eigens einberufenen Einsatzstab der Polizei in Leipzig aus geleitet. Die Polizei Sachsen unterstützt darüber hinaus die Polizei in Sachsen-Anhalt mit Einsatzkräften und Technik."

Am höchsten jüdischen Feiertag Jom Kippur haben mehrere Täter in Halle einen Mann in der Humboldtstraße und eine Frau in der Nähe des jüdischen Friedhofs erschossen. Sie sollen zudem versucht haben, in die Synagoge einzudringen. Glücklicherweise hielten jedoch die Sicherheitsvorkehrungen am Eingang den Angriffen stand. Es befanden sich rund 70 - 80 Menschen in der Synagoge. Augenzeugen berichten, dass einer der Täter in militärisch anmutender Kleidung und Helm mit einer Maschinenpistole um sich feuerte und eine Granate auf den jüdischen Friedhof warf. Auch ein Dönerladen im Paulusviertel soll angegriffen worden sein, der genaue Ablauf der Ereignisse ist aber noch unklar. Die Polizei konnte einen der Verdächtigen bei seiner Flucht in einem entführten Taxi auf die Autobahn festnehmen und fahndet mit Hochdruck nach den weiteren Tätern. Die Stadt Halle hat offiziell eine Amoklage ausgerufen und Bürger dringend gewarnt, sich bis zur Klärung der Situation in Sicherheit zu begeben. Mittlerweile hat die Bundesanwaltschaft die Ermittlungen wegen Mordes von besonderer Bedeutung aufgenommen.

Im rund 15 Kilometer entfernten Landsberg fielen kurze Zeit später ebenfalls Schüsse. Ob ein Zusammenhang zu den Taten in Halle besteht, ist noch ungeklärt. In Dresden und Leipzig herrscht nun erhöhte Alarmbereitschaft, die Polizei hat zusätzliche Sicherheitskräfte an den Synagogen bereitgestellt.

© Roland Halkasch