„TdJW“ zeigt „tierische Aufarbeitung“ der Vergangenheit

Leipzig - Das Theater der Jungen Welt zeigt erstmals "Was das Nashorn sah, als es auf die andere Seite des Zauns schaute". Es schafft einen Kindgerechten Blick auf die nationalsozialistische Zeit Deutschlands.

Das Stück basiert auf wahrer Geschischte. Neben dem Konzentrationslager Buchenwald gab es tatsächlich einen Zoo. Die Tiere des Theaterstücks haben jedoch mehr menschliche als tierische Züge. Jedes Tier hat je nach Charakter seine eigene sicht auf die Geschehnisse auf der anderen Seite. Der Bär und das Nashorn hinterfragen die Ereignisse nebenan. Während die anderen Tiere eher die Augen verschließen und leichtgläubig verdrängen. Für die Tiere sind die Menschen hinter dem Zaun "Gestiefelte" und "Gestreifte". Der Zuschauer selbst, kann nicht hinüber sehen. Allein durch die subjektiven Erzählungen der Tiere, kann er sich ein Bild von den Geschehnissen hinter dem Zaun machen. Die Phantasie der Zuschauer ist gefordert. Durch diese Herangehensweise wird das Stück schon für Kinder ab 10 Jahren zugänglich gemacht und versteht sich aufklärerisch.

Auch die reduzierten Kostüme der menschlichen Tiere fordern die Phantasie. Fünf Darsteller schlüpfen mit wenigen Accessoirs in die verschiedenen Rollen. Der Pavian wird zum Beispiel durch ein interssantes Kissen verkörpert. Im Bühnenbild wird der Zoo ähnlich einem Zirkus dargestellt. Er mutet an wie eine Arena, die zur Zurschaustellung dient.
Dieses Stück wurde 2014 mit dem deutschen Kindertheaterpreis ausgezeichnet und gewinnt immer mehr an Brisanz. Gerade in der heutigen Zeit, in der die Verbrechen der nationalsozialistischen Vergangenheit Deutschlands als Fliegenschiss der Geschichte abgetan werden.

© Leipzig Fernsehen

Am Samstag um 17 Uhr zeigt das Theater der Jungen Welt "Was das Nashorn sah, als es auf die andere Seite des Zauns schaute" im Kleinen Saal.