Tillich gedenkt der Opfer des Nationalsozialismus

Dresden – Bei der Gedenkstunde im sächsischen Landtag hat Ministerpräsident Stanislaw Tillich dazu aufgerufen, die Erinnerung an den Holocaust wachzuhalten.

„Das Sprechen über Auschwitz ist schwer und notwendig zugleich“, sagte Tillich am Freitag bei einer Gedenkstunde im Sächsischen Landtag in Dresden am Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus. „Gedenken und Erinnerung sind wichtig und dürfen nicht aufhören. Das ist unser Auftrag, das ist unsere Verantwortung, die wir als Deutsche in besonderer Weise aus unserer Geschichte auferlegt bekommen. Daran darf es keine Abstriche geben.“ Tillich äußerte sich zugleich besorgt über verblassendes historisches Wissen. „Das Erinnern bekommt Lücken. Diese Lücken schleichen sich auch in Sachsen in unseren Alltag. Am Anfang sind es oft Wissenslücken. Achten wir darauf, dass aus ihnen keine Lücken der Menschlichkeit werden“, forderte er. „Das ist gefährlich. Dem müssen wir entschieden entgegentreten. Wir brauchen die Auseinandersetzung mit der eigenen Geschichte – nach wie vor. Wir brauchen in jeder Generation das Wissen um die eigene Geschichte.“

Der Ministerpräsident mahnte einen verantwortlichen Umgang mit Geschichte an und betonte, ein sensibles Messinstrument hierfür sei unsere Sprache. „Wer Begriffe aus der NS-Zeit benutzt, überschreitet eine rote Linie. Jeder einzelne Vergleich ist ein Schlag ins Gesicht der Opfer. Wer so spricht, postet oder kommentiert, der bedient sich einer Sprache, die spaltet und verunglimpft, die ausgrenzt und diffamiert, die abwertet und demütigt, die polarisiert und ausschließt, die abspricht und entrechtet.“ Tillich fügte hinzu: „All das ist mehr als eine Entgleisung, ist mehr als eine gezielte Provokation. Es ist mehr als nur Populismus. Es ist eine neue Sprache des Hasses. Widersprechen wir, indem wir eine andere Sprache sprechen: Die Sprache des Grundgesetzes, der Freiheit und der Menschenrechte, der Demokratie und des Rechtsstaats – oder schlicht der Mitmenschlichkeit.“ Der 27. Januar könne dabei helfen.

Quelle: Sächsische Staatskanzlei