Tötungsdelikten von Groitzsch: Staatsanwaltschaft erhebt Anklage

Die Staatsanwaltschaft Leipzig hat gegen Guido N. (41) wegen des Tatverdachts des Mordes in zwei Fällen und der Körperverletzung und des Raubes mit Todesfolge in einem Fall Anklage zur Schwurgerichtskammer des Landgerichts Leipzig erhoben.

Dem zuletzt in Cham (Oberpfalz) wohnhaften Angeschuldigten liegt zur Last, am Abend des 20.04.2009 in der Nähe der Brösener Straße in Groitzsch auf einer Wiese von dem damals 27-jährien Tino L. die Herausgabe von dessen Fahrrad verlangt zu haben, um in den Besitz des Fahrrades zu kommen. Als Tino L. die Herausgabe verweigerte schoss der Angeschuldigte mit seinem Revolver Kaliber .357 Magnum mehrfach auf den Geschädigten und verletzte diesen lebensbedrohlich. Danach verließ der Angeschuldigte mit dem Fahrrad des Geschädigten zunächst den Tatort bevor er dies in einiger Entfernung wieder fallen ließ und flüchtete.

Der Geschädigte verstarb trotz der sofort eingeleiteten intensivmedizinischen Maßnahmen am 23.04.2009 an den Folgen der erlittenen Schussverletzungen. Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass der Angeschuldigte den Tod des Geschädigten bei Abgabe der Schüsse billigend in Kauf genommen hat, jedoch von dem Versuch eines Tötungsdelikts strafbefreiend zurückgetreten ist. Der Angeschuldigte hat sich deshalb der Körperverletzung und des Raubes mit Todesfolge schuldig gemacht hat.

Dem Angeschuldigten liegt weiterhin zur Last, am Abend des 28.08.2010 in einer Lagerhalle auf seinem Grundstück in der Langendorfer Straße in Groitzsch mit seinem Revolver Kaliber .357 Magnum mehrfach auf die dort durch ihn festgestellten und zu diesem Zeitpunkt hiervon überraschten und ahnungslosen Patrick B. (19) und Denis H. (23) ohne Vorankündigung und mit Tötungsvorsatz mehrere Schüsse abgegeben und diese lebensgefährlich verletzt zu haben. Denis H. konnte trotz der erlittenen schweren Verletzungen zunächst aus der Lagerhalle und von dort mit seinem Pkw flüchten. Er wurde an einem nahegelegenen Bahnübergang neben seinem Pkw liegend gefunden. Er verstarb in derselben Nacht im Krankenhaus an den Folgen der erlittenen Schussverletzungen. Der Angeschuldigte fügte nach den Schüssen dem schwer verletzten Patrick B. in der Lagerhalle mit einem Gegenstand schwerste Kopfverletzungen zu, um diesen damit endgültig zu töten.

Patrick B. verstarb noch in der Lagerhalle an den insgesamt erlittenen Verletzungen. Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass der Angeschuldigte der Auffassung war, dass die beiden von ihm festgestellten Personen ihm Buntmetall entwenden wollten und er bei Abgabe der Schüsse den Tod beider Personen zumindest billigend in Kauf nahm. Hinsichtlich der Handlungen des Angeschuldigten sieht die Staatsanwaltschaft die Mordmerkmale der Heimtücke und des niederen Beweggrundes sowie in Bezug auf den Geschädigten Patrick B. auch der Verdeckungsabsicht als gegeben an.

Der Angeschuldigte hatte sich am 02.09.2010 in Kraiburg am Inn (Oberbayern) den Ermittlungsbehörden gestellt und war aufgrund eines seit dem 01.09.2010 gegen ihn bestehenden Haftbefehls des Ermittlungsrichters bei dem Amtsgericht Leipzig festgenommen worden. Er befindet sich seit dem 03.09.2010 ununterbrochen in Untersuchungshaft. Der bisher nicht vorbestrafte Angeschuldigte hat sich im Ermittlungsverfahren nicht zu den gegen ihn erhobenen Tatvorwürfen geäußert.

Das Strafgesetzbuch sieht für die dem Angeschuldigten zur Last gelegten schwersten Straftat des Mordes als Strafmaß die Verhängung einer lebenslangen Freiheitsstrafe vor.