Trotz Krise steigender Umsatz

Trotz unruhigen Fahrwassers und spekulativen Prognosen für das kommende Geschäftsjahr zeigt der Vergleich der ersten drei Quartale 2008 mit denen des sehr guten Vorjahres, dass es der überwiegenden Zahl der IHK-Unternehmen im Kammerbezirk Dresden gelungen ist, ihre Umsatzzahlen im In- und Ausland noch einmal zu steigern.

Selbst der schon traditionell mit dem Sorgenkind-Etikett behaftete Handel kann selbst ohne das anstehende Weihnachtsgeschäft momentan keine Kaufzurückhaltung seiner Kunden ausmachen. Zu einer seriösen, möglichst emotionsfreien Bestandsaufnahme der gegenwärtigen Wirtschaftslage in unserer Region gehört allerdings auch die Feststellung, dass die IT-Leuchttürme im Dresdner Norden an Strahlkraft verloren haben. Ein Umstand den man auch, wenn es derzeit en vogue ist einmal nicht geplatzten US-Hypotheken und ihren Folgen für die Weltfinanzmärkte in die Schuhe schieben kann.

Extrem schwankende Preise, weltweite Überproduktion, gepaart mit einer seit geraumer Zeit zurück gehenden Nachfrage sowie ein anhaltend hohes Maß an Subventionsabhängigkeit, wenn es darum geht, die Weichen für notwendige technologische Sprünge zu stellen, sind da schon eher die Ursachen der derzeitigen Sorgenfalten.   Haben also insbesondere unsere kleinen und mittelständischen Unternehmen etwas anders oder besser gemacht, als andere, was sie jetzt vor rezessiven Tendenzen feit? Oder sind Einschätzungen, wir befänden uns mitten in der schlimmsten Wirtschaftskrise seit der Nachkriegszeit und jeglicher Wohlstand stünde kurz davor, unwiederbringlich in die Tiefe gerissen zu werden, bis hin, das die Marktwirtschaft als solche auf den Prüfstand gehöre, einfach maßlos überzogen und für die Psyche brandgefährlich. Weder noch, denn allein schon die hohe Verwobenheit mit den weltweiten Absatzmärkten birgt Unwägbarkeiten auch für die sächsische Wirtschaft, die selbst die pragmatischsten Entscheidungen der Regierungen an Elbe und Spree nicht ausblenden können. Nach dem reichlichen Auskosten der Früchte globaler Vernetzungen, stehen wir nun der den anderen Medaillenseite, den latenten und im Ernstfall selber nicht beeinflussbaren Risiken derartiger Abhängigkeiten gegenüber.  

Dass besonders unsere kleinen und mittelständischen Betriebe aber trotz nachlassender Konjunkturdynamik samt Verstärkungseffekten der Finanzkrise mit wenigen Ausnahmen weiter so gut wirtschaften, kommt hingegen auch nicht von ungefähr. Zum einen verfügen viele von ihnen nach den hervorragenden Vorjahren über recht gute Polster, haben ihre Eigenkapitalquote deutlich hochgefahren. Zum anderen haben sie es auch während dieser Boomphase nicht versäumt, Produktionsverfahren und Produkte zu verbessern, Kosten zu reduzieren, neue Absatzmärkte zu erschließen, und auf diese Weise ihre Wettbewerbsfähigkeit auszubauen.   Und so hat es aus meiner Sicht auch nichts mit unbegründetem Optimismus zu tun, wenn man feststellt, dass die Zukunft unseres Wirtschaftsstandortes und die unseres Lebensstandards ebenso wenig vom Verkauf von Finanzderivaten abhängig sind, wie von einem einzigen Auslandsmarkt. Überdies bin fest davon überzeugt, dass es eine Regierung Obama nicht bei der Proklamation nach Verzicht bewenden lassen wird, sondern ein Wirtschaftsprogramm auf den Weg bringen wird, was auch unsere Exporteure im positiven Sinne mitreißen wird.  

Produkte des Maschinen- und Fahrzeugbaus, der Umwelt- und Energietechnik und der Mikroelektronik aus unseren Unternehmen sind schließlich nicht über Nacht vom internationalen Absatzschlager zum Landehüter geworden. Unsere Firmen sind so wettbewerbsfähig wie nie, und haben Sachsen zu einer der dynamischsten Wirtschaftsregionen Deutschlands gemacht.   Erfreulich finde ich in diesem Zusammenhang auch den interessanten Nebeneffekt, dass die von vielen belächelte Betriebsform des inhabergeführten Mittelstandsunternehmens neuen Charme gewinnt. Vielen wird dieser Tage vor Augen geführt, was wir an Firmen haben, in denen die Eigentümer mit ihrem Privatvermögen gerade stehen. Zum Glück haben wir sie noch Unternehmen, die statt in Quartalen, mittel- und langfristig denken. Das Leitbild des ehrbaren Kaufmanns, für den noch das Wort und der Handschlag gelten, die Moral, Standes- und Anstandsregeln pflegen, ist eben alles andere als bieder und antiquiert.   Insgesamt scheinen die Unternehmen also immer noch in einer robusten Verfassung zu sein und haben mit Blick auf die harten betriebswirtschaftlichen Kennzahlen wenig Grund zur Schwarzmalerei.
Quelle: IHK Dresden

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