Unlukrative Sicherheit oder vielversprechendes Risiko?

Tagesgeld, Festgeld und Sparbuch im Vergleich zum Crowd-InvestingDer Leitzins im Euroland liegt seit März bei null Prozent. Zu investieren scheint von daher noch lukrativer zu sein, als Geld zu sparen. Dennoch schätzen die auf Sicherheit bedachten Deutschen weiterhin althergebrachte Sparanlagen. Unter Berücksichtigung der aktuellen Konditionen stellt der folgende Vergleich die drei gängigsten Spareinlagen einer derzeit aufkommenden, riskanteren Art der Geldanlage – dem Crowdinvesting – gegenüber.

1.       Ständig verfügbar – Das Tagesgeldkonto

In den letzten Jahren haben vor allem jüngere Menschen ein in Hinblick auf die Wertsicherheit sehr zuverlässiges Tagesgeldkonto angelegt. Wie das klassische Sparbuch hat es keine feste Laufzeit. Die Inhaber können ihr Geld täglich auf dem Konto anlegen, in beliebiger Weise wieder abbuchen und ständig – im Allgemeinen innerhalb eines Tages – darüber verfügen. Die Konteneröffnung und -führung sind kostenlos. Im Gegensatz zum insgesamt ihm ähnlichen Girokonto sind im Fall des Tagesgeldes keine Lastschriften möglich; im Vergleich zum Klassiker Sparbuch liegen die Zinssätze oft etwas höher, können aber in Abhängigkeit vom Kreditinstitut auch dessen Wert entsprechen.

Ein wesentlicher Nachteil des Tagesgeldkontos ist, dass sich der Zinssatz jederzeit ändern kann. Die seit Jahren insgesamt fallenden Kurse liegen teilweise unterhalb des Inflationsniveaus und tragen in diesem Fall auf längere Sicht zu erheblichen Verlusten bei. Wie lange die extreme Talfahrt des Leitzinses noch anhält, lässt sich nicht exakt vorhersagen. Experten rechnen damit, dass zumindest die US-Notenbank ihren Leitzins in der zweiten Jahreshälfte erneut leicht anhebt. Wann sich die Rendite für ein Tagesgeldkonto im Euroraum wieder deutlich erhöht, ist daraus aber nicht direkt abzulesen.

Tagesgeld-Interessierte sollten darüber hinaus darauf achten, dass einige Banken zwar Zinsen anbieten, die deutlich über dem Schnitt der Mitbewerber-Offerten liegen. Diese markanten Sätze sind allerdings oftmals zeitlich sehr limitiert. Wie ein Blick auf tagesgeldvergleich.net verrät, bietet zum Beispiel die Volkswagen Bank im Tagesgeldgeschäft derzeit 1,25 % an (Stand 12.4.2016). Der Satz gilt für Einlagen bis 100.000 Euro, ist für vier Monate garantiert und die Einlagen sind mit 870 Millionen Euro abgesichert. Das Angebot gewährt die Bank nur Neukunden. Anders die Ethik Bank: Hier gibt es momentan keinerlei Zinsen auf das Tagesgeldkonto – und auch keine Zinsgarantie –, die Einlagensicherung ist „betragsmäßig unbegrenzt“ und die Offerte gilt für Neu- und auch für Bestandskunden.
Insgesamt bietet sich das Tagesgeldkonto aus den genannten Gründen an, um einige Reserven für kleinere Investitionen zu bilden.

2.       Zäher Dauerbrenner – das Sparbuch

In Hinblick auf das besonders niedrige Zinsniveau zählt auch das vornehmlich Privatleuten vorbehaltene Sparbuch zumindest in absehbarer Zeit nicht zu den effektiven Maßnahmen, um etwa den eigenen Nachwuchs frühzeitig finanziell abzusichern. Und dennoch gehört diese althergebrachte Anlageform nach wie vor zu den beliebtesten Produkten der Deutschen, da nur Bundeswertpapiere eine noch höhere Sicherheit gewährleisten. Die Anleger setzen, wie erwähnt, auf Immobilien, einer Umfrage zufolge aber zu 34 Prozent auch auf das Sparbuch und zu 24 Prozent auf das Tagesgeld. Erst danach folgt laut dieser Seite die Anlage von Kapital in Fonds. Zum Erstaunen für den privaten Bankenverband, dessen Hauptgeschäftsführer Michael Kemmer die Risiko-Aversion der Bevölkerung infrage stellt: Sinnvoller als diese zurzeit und wohl auch für längere Sicht fast keine Rendite bringenden Anlageformen sei seiner Meinung nach eine „gute Risikomischung“, also zum Beispiel die teilweise Investition von Kapital in Aktien.

Vor allem ältere Bankkunden nehmen in ihrer „Nibelungentreue“ zu dieser Art der Sichteinlage nicht nur inkauf, dass ihnen zum Beispiel verschiedene Sparkassen zurzeit lediglich 0,01 Prozent Zinsen gutschreiben (übrigens auch aufs Tagesgeld), sondern auch dass nur 2.000 Euro pro Monat verfügbar sind. Höhere Summen führen zu Strafzinsen bzw. bedürfen eines Vorlaufs von drei Monaten – dieser Zeitraum entspricht zugleich der Kündigungsfrist für ein Sparbuch. Um ihre Bedienbarkeit zu erleichtern, liegt diese eigentliche Urkunde seit längerer Zeit bei verschiedenen Instituten auch als sogenannte „Sparcard“ vor.
Eine spezielle Bedeutung hat das Sparbuch immer noch bei Mietverträgen: Es fungiert seit Langem als spezielles Konto, womit der Vermieter die Mietkaution des Mieters verwaltet. Die Zinsen stehen Letzterem als eigentlichem Inhaber zu. Doch auch Tagesgeldkonten dienen mittlerweile mitunter als dieses Mittel der Mietabsicherung.

3.       Zinssatz garantiert (niedrig?) – das Festgeldkonto

Der Vergleich von Festgeld-Offerten hat ergeben, dass Banken momentan bis zu zwei Prozent gewähren. Der Zinssatz ist dabei für den gesamten Zeitraum garantiert. Im Gegenzug wird die Einlage nur für einen begrenzten Zeitraum angelegt, während dessen die Kunden nicht darauf zugreifen können. Einige Institute bieten einige Monate Laufzeit an; oft handelt es sich jedoch um einige Jahre. Auch beim Festgeld ist die Vorabinformation über die Einlagensicherung äußerst ratsam.
In Ausnahmefällen ist die Auflösung des Kontos möglich. Allerdings sind in diesen Notfällen Teile oder aber die gesamten Zinsen hinfällig. Festgeldverträge eignen sich deshalb nur für Kapital, worauf Kunden in näherer Zukunft mit großer Sicherheit verzichten können. Zudem ist eine Mindesteinlage von bis zu 5.000 Euro zur Eröffnung des Kontos Voraussetzung. Sein Vermögen auf mehrere Jahre zu binden, stellt sich aufgrund des zumindest längerfristig zu erwartenden Zinsanstiegs nur bedingt gewinnversprechend dar.

4.       Riskantes Unterfangen zugunsten neuer Ideen – Crowdinvesting

Diverse Sichteinlagen, private Rentenversicherungen, Bausparverträge, Riester-Rente oder Lebensversicherung, Aktien oder Fonds-Anteile – die Maßnahmen, sein Vermögen zu verwalten und bestenfalls zu vermehren, sind vielfältig. Bei Weitem nicht jeder Deutsche begnügt sich mit der momentanen Negativentwicklung seines Vermögens und ist bereit, auch riskantere Methoden zu wählen, bei denen mit möglichen Kurs- und Werteverlusten zu rechnen ist. Dazu zählt das seit Kurzem an Beliebtheit gewinnende Crowdinvesting. Als Alternative auch zum klassischen Aktienerwerb nutzen entsprechende Kapitalgeber die Angebote verschiedener Firmen, die zum Beispiel beabsichtigen, neuartige oder innovative Produkte auf den Markt zu bringen. Diese sind auf finanzielle Unterstützung angewiesen, werben auf Onlineplattformen für ihre Angebote und lassen Kleininvestoren sich an der Vermarktung beteiligen. Wie dieser Beitrag mitteilt, handelt es sich dabei laut Verbraucherzentrale NRW um keine geeignete Altersvorsorgemaßnahme, sondern um reine Spekulation, die obendrein noch in den Kinderschuhen stecke. Immerhin räumte der Sprecher der Plattform „Seedmatch“ ein, dass 15 Prozent der finanzierten Projekte scheitern. Er fügte allerdings hinzu, dass dies innerhalb des Wagniskapital-Investment-Bereichs eine niedrige Quote sei.

Die Zukunft wird zeigen, ob Crowdinvesting den Unternehmergeist deutscher Firmen beflügeln kann. Dies wäre ein wichtiger Beitrag für die Wirtschaft, wodurch vielleicht auch andere Anlageformen wieder rentabel werden.

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