Unsere Stadtteile ohne kleine Lädchen? Händler bangen um Zukunft

Dresden – Stellt euch die nächste Einkaufsstraße um die Ecke vor. Denkt nun an die zahlreichen Lädchen. Wie würde die Meile aussehen, wenn die Schaufenster leer wären, die Räume verdunkelt und Türen vernagelt wären? Ein Szenario, das in manchen Ortschaften und Stadtteilzentren nicht ganz unrealistisch ist.

Mal ganz ehrlich: Nutzt ihr noch den Shop um die Ecke? Es ist vor allem die Konkurrenz zum Online-Handel, denen sich viele kleine Gewerbetreibende nicht gewachsen sehen. Dabei ist völlig egal ob Striesen, Löbtau oder auf dem weißen Hirsch – Inhabergeführte Geschäfte prägen das Bild von Stadtteilen in Dresden oder andernorts in Deutschland. Und doch kämpfen alle mit  vergleichbaren Problemen. Barbara Kasten ist Inhaberin des „Grünschnabels “ auf dem Weißen Hirsch. Seit 2007 sind ihre Umsatzzahlen spürbar zurückgegangen. Vor allem vormittags blieben Kunden aus. Die Lösung für Frau Kasten: Am Vormittag woanders Geld verdienen und den Laden nur noch nachmittags – gewissermaßen als Hobby – betreiben. In Dresdens Villenviertel ist es allerdings nicht nur der Wettbewerb gegen den Onlinehandel, der den Läden zu schaffen macht. Baustellen beeinflussen den Straßenverkehr, blockieren Parkplätze oder erschweren den zugang zu Geschäften, die Haltestelle „Plattleite“ ist nicht barrierefrei ausgebaut und die Sparkasse hat in den vergangenen Jahren ihre Dienstleistungen zunehmend Richtung Bühlau verlegt. Ein Problem, denn der Stadtteil im Dresdner Nordosten ist nicht nur Wohnort für gut situierte Familien, sonderen auch für viele ältere Menschen.
Den Problemen des Stadtteils ist auch Grünen-Politikerin und Hirsch-Bewohnerin Christiane-Filius-Jehne auf der Spur. Bereits Mitte August hatte sie zum Anwohnergespräch geladen, um Händlerprobleme zu diskutieren. Über Unterschriftensammlungen macht die Stadtrats-Grünen-Chefin mobil. Gespräche mit Verantwortlichen bei der Sparkasse führt sie im Hintergrund.
Auch SPD-Stadträtin Kristin Sturm lebt in dem Stadtteil und hat das Ohr dicht bei den Gewerbetreibenden und Anwohnern. Die Veränderungen in den verschiedenen Ortschaften ihres Wahlkreises beobachtet auch die 32-Jährige Mutter sehr genau.

Inwiefern sich die Position beider unterscheidet, erfahrt ihr im Video!

Die Zahl der Händler auf dem weißen Hirsch hat sich in den vergangenen Jahren reduziert. Beide Politikerinnen führen das allerdings nicht automatisch auf fehlende Treue der Hirsch-Kunden zurück. Ob Barrierefreiheit bei Bahn und Straße, Parkplatzsituation oder Bankenthematik – beide Politikerinnen wollen im Gespräch mit Händlern und Hirschlern bleiben. Kommunalpolitik kann auf dem Weißen Hirsch oder auch in anderen Dresdner Stadtteilen Rahmenbedingungen, wie lokale Infrastruktur beeinflussen. Gesamtgesellschaftliche Veränderungen, wie Arbeitszeiten oder Kaufverhalten, wird Politik jedoch nicht umkehren können.