Unstimmigkeiten im Rektorat der Uni Leipzig treten offen zutage

“Außer Reden nichts gewesen!?“ Lesen Sie hier bei LEIPZIG FERNSEHEN online die ausführliche Pressemeldung des Stura Leipzig.

„Auf der Podiumsdiskussion ?Kind und Campus? Am vergangenen Donnerstag zeigten sich erneut Schwächen des Rektorates der Universität Leipzig. Dort relativierte Prorektor Robert Holländer die Verantwortung der Universität für Studierende mit Kind. Der Prorektor nahm als Mitglied des Rektoratskollegiums der Universität Leipzig an der Podiumsdiskussion teil und unterstrich mit seinem Auftreten die fahrlässige Arbeit des umstrittenen Gremiums.

Seine Äußerung, er wünsche sich von der Stadt, sie möge ausreichend Kinderbetreuungsmöglichkeiten für Studierende mit Kind schaffen, spiegelt die Haltung der Universität wieder, die lieber auf frommes Wünschen und die Initiative anderer setzt, anstatt ihrer Verantwortung gegenüber studentischen Eltern gerecht zu werden. Holländer sah es als wichtig an, die Möglichkeit eines Teilzeitstudiums für mehr Flexibilität auch praktisch zu ermöglichen und betonte, es sei die Sache der Studierenden, wie sie ihr Studium organisieren wollen.

Ganz im Gegensatz dazu äußerte sich das Rektorat gerade erst in einem Antwortschreiben auf den Forderungskatalog der StudentInnenschaft der Universität Leipzig, in dem es die Teilzeit-Problematik als nicht dringlich bewertet hatte. Holländer hofft auf dezentrale und individuelle Lösungen von Einzelfällen, anstatt strukturelle Veränderungen in Angriff nehmen zu müssen, die zwingend nötig sind, um eine Studierenden mit Kind eine gewisse Rechtssicherheit in ihrem Studium zu gewährleisten. Einzelfalllösungen degradieren Betroffene zu BittstellerInnen; strukturelle Lösungen aber würden eine Erleichterung für viele StudentInnen bringen.

Ein Teilzeitstudium ist nicht nur relevant für studentische Eltern, sondern ebenso für chronisch Kranke, körperlich und psychisch Beeinträchtigte sowie erwerbstätige Studierende. Dieser Verantwortung hätte das Rektorat in den letzten Jahren längst nachkommen müssen, zudem es nach dem Sächsischen Hochschulgesetz Aufgabe der Universität und damit des Rektorates ist, StudentInnen mit Kind zu unterstützen. Stattdessen delegiert die Hochschulleitung diese originären Aufgaben wie selbstverständlich an andere: Für die Betreuung von Kindern sind wahlweise Studierende, die sich selbst kümmern sollen, die Stadt, die Kinderbetreuungsmöglichkeiten bereitstellen soll, oder das Studentenwerk verantwortlich.

Damit schießt sich das Rektorat ein Eigentor, denn Forschungsgelder der DFG (Deutsche
Forschungsgemeinschaft) werden nur unter der Prämisse vergeben, dass die Hochschulen einen Mindestanspruch an familienfreundlichen Strukturen bereitstellen und ein gewisser Prozentsatz dieser Gelder auch für solche Projekte verwendet wird. ?Es ist eine Farce, dass sich die Universität unter diesen Umständen das Schlagwort ‚Familienfreundlichkeit‘ auf die Fahne schreiben will und sich mit einem ‚Total-Equality‘-Zertifikat für Gleichstellung profilieren möchte,? ärgert sich Charlotte Konwisorz, Sozialreferentin des StudentInnenRats (StuRa) der Universität Leipzig.

Die Universität ist zwar Gründungsmitglied des Lokalen Bündnis für Familie aus Leipzig, die hochschuleigene Projektgruppe ‚Familienfreundliche Universität‘ hat sich jedoch das letzte Mal im November 2008 getroffen. ?Statt aktiv zu werden, lässt das Rektorat andere machen. Alle Initiativen zur Familienfreundlichkeit an der Uni Leipzig sind Projekte studentischer Initiativen oder des Studentenwerks. Das Studentenwerk muss sogar die Stromkosten der KiTa an die Uni überweisen!? Stellt Konwisorz den Missstand plastisch dar.

Der StuRa fordert das Rektorat auf, endlich Fakten zu schaffen, den Forderungen der StudentInnenschaft nachzukommen und zumindest das Teilzeitstudium zügig und unter Einbeziehung der Lernenden und Lehrenden in die Praxis umzusetzen. Darauf zu hoffen, dass sich dezentrale Lösungen von allein entwickeln, ist nicht der gangbare Weg.“

Quelle: Stura Leipzig