Urteil im H&M-Geiselnehmer-Prozess gesprochen – Richter lässt Geiselnehmer laufen

Letztes Jahr am 15. Juni hielt er Leipzig in Atem. Im alltäglichen Einkaufstrubel nahm der 41-jährige Oliver Q. in einer H&M-Filiale in der Petersstraße 19 Geiseln. Der verzweifelte Mann wollte mit dieser Aktion auf sich und seine medizinische Situation aufmerksam machen. Heute, rund eineinhalb Monate nach Prozessauftakt fällte die 5. Strafkammer des Landesgerichtes Leipzig ihr Urteil.

Fünf Jahre auf Bewährung. Dieses Strafmaß bekam der angeklagte Oliver Q., der sein Gesicht mit einem mit Katzenmotiven verzierten Heft vor den Kameras der anwesenden Medienvertreter verdeckte. Doch dahinter verbarg sich nicht ein von der Presse als „Spinner mit Waffe“ bezeichneter Täter, sondern ein von zwei schweren chronischen Krankheiten geplagter, verzweifelter und psychisch labiler Mann.

Interview: Beate Herber – Staatsanwältin

Deshalb ordnete das Gericht an, dass sich Oliver Q. während seiner Bewährungszeit regelmäßig in psychiatrische Behandlung in eine Klinik in Alt-Scherbitz begibt. Die Staatsanwaltschaft zeigte sich mit dem Urteil zufrieden.

Interview: Beate Herber – Staatsanwältin

Einige dieser Geschädigten waren beim heutigen Prozessende auch vor Ort und reagierten in der Nähe von Oliver Q. zum Teil äußerst emotional.

Interview: Beate Herber – Staatsanwältin

Dass der Angeklagte solch eine Tat erneut begehen wird, daran glauben weder die Staatsanwaltschaft, noch der psychologische Gutachter. Ob er in den nächsten fünf Jahren psychisch vollständig rehabilitiert werden kann, bleibt allerdings abzuwarten. Für die Opfer gilt das Gleiche. Zu wünschen wäre es aber beiden Parteien.