Urteil im Schminkkofferprozess

Das Landgericht Dresden gab heute das Urteil im Prozess gegen eine 29-jährige aus Riesa bekannt: 3 Jahre und 9 Monate.

Die ehemalige Jurastudentin musste sich wegen Totschlags an ihrem Neugeborenen verantworten. Das geringe Strafmaß begründet der Richter mit einem nur bedingt nachweisbaren Tötungsvorsatz. 
Das Gericht sah es als erwiesen an, dass die Frau imSeptember 2003 ihr Baby nach der Geburt getötet und die Leiche imKosmetikkoffer an einem Feldweg abgestellt hatte. In der Verhandlunggestand sie die Tötung, bestritt aber eine Absicht. Das Kind habenicht in ihre Lebensplanung gepasst und sie daher die Schwangerschaftverdrängt.Das Gericht hielt ihr dies und die Angst zu Gute, nach zweimaligemberuflichen Scheitern abermals zu versagen. Die Furcht, durch einKind den Arbeitsplatz zu verlieren, sei vermutlich berechtigtgewesen, sagte Richterin Birgit Wiegand in der Urteilsbegründung.Zudem habe die Angeklagte mit der Entbindung zu einem späterenZeitpunkt gerechnet, sie sei von der Geburt praktisch überraschtworden und zu keiner Überlegung mehr fähig gewesen. «Das ist keinnormales Verhalten einer Schwangeren. Die Tat war nicht geplant»,sagte Wiegand.