Verdienstorden für Chemnitzer Eisenbahnenthusiast

Chemnitz - Sachsen begeht das Jahr der Industriekultur. Ein Erlebnisort ist dabei der historische Rangierbahnhof in Chemnitz-Hilbersdorf. Dass die europaweit einzigartige Technik noch so zu bestaunen ist wie anno dazumal, verdankt Sachsen vor allem einem Mann: dem Chemnitzer Wolfgang Vogel. Dafür überreicht ihm am Freitag Ministerpräsident Michael Kretschmer den Bundesverdienstorden. Wir haben Wolfgang Vogel vorab auf dem Rangierbahnhof getroffen.

Die historische Seilablaufanlage auf dem Rangierbahnhof in Chemnitz-Hilbersdorf. Hier ist Wolfgang Vogel in seinem Element. Der 76-Jährige setzt sich seit mehr als zwei Jahrzehnten für den Erhalt als Industriedenkmal ein. Als Vorsitzender der "Eisenbahnfreunde Richard Hartmann Chemnitz" scheute er keine Mühen, Risiken und kein Geld, um diese europaweit einzigartige Technologie vor dem Untergang zu bewahren und zu musealen Zwecken zu erhalten. Der Bundesverdienstorden ist nicht die erste Auszeichnung für seine Arbeit, freut ihn aber ganz besonders.

Der Rangierbahnhof in Chemnitz-Hilbersdorf ging 1902 in Betrieb und zählte zu den größten in Sachsen. Im Jahr 1990 wurde er stillgelegt. Einen Tag bevor das Eisenbahnbundesamt den Abriss verfügte, konnte der Verein das Areal erwerben. Seitdem ist viel geschehen. Das Gelände wurde gerodet, vom Einsturz bedrohte Gebäude gerettet, Schienen in Handarbeit verlegt. Erst Fördermittel der 4. Sächsischen Landesausstellung machten vieles davon möglich. So wurde im ehemaligen Güterschuppen ein Besucherzentrum eingerichtet, das eine erste Ausstellung zur Eisenbahngeschichte in Sachsen und Chemnitz beherbergt.

Von der Seilablaufanlage mit ihrem Herzstück, dem großen Reiterstellwerk aus wurden Güterzüge in Einzelteile zerlegt und neu zusammengesetzt. Für was 1930 ein großes Pult mit Rädern und Schaltern nötig war, reicht Wolfgang Vogel heute diese kleinere und moderne Version. Auf einer Strecke von 350 Metern kann die Anlage an Schautagen vorgeführt werden. Wolfgang Vogel vergleicht die Technik mit der eines Paternoster, nur in horizontaler Form. Technik, die es zu erhalten galt, obwohl viele nicht daran glaubten. 

Das Unmögliche haben sie geschafft und dafür überreicht Ministerpräsident Michael Kretschmer Wolfgang Vogel am Freitag den Bundesverdienstorden in Dresden. Die Chance will er nutzen, um die Werbetrommel für sein nächstes Ziel zu rühren: Die Umwandlung des technischen Denkmals in ein echtes Museum. Denn für einen ehrenamtlich tätigen Verein ist die Aufgabe längst zu groß geworden. Zum Ausruhen wird Wolfgang Vogel wohl auch zukünftig wenig Zeit finden.