Verkehrsunfallbilanz 2011

Im Jahr 2011 gab es einen deutlichen Rückgang der Verkehrsunfälle. Dennoch gab es mehr Verkehrstote auf Sachsens Straßen. Die Hauptunfallursache sind Abstandeinhaltung und Geschwindigkeit. +++

Innenminister Markus Ulbig: „Obwohl die Anzahl der Verkehrsunfälle auch im vergangenen Jahr deutlich zurückgegangen ist, mussten wir nach einem längjährigen Rückgang erstmals wieder mehr Tote und Verletzte auf sächsischen Straßen registrieren. Im Ergebnis erster Analysen ist davon auszugehen, dass der warme und trockene Frühling sowie der „goldene“ Herbst wesentliche Gründe für den Anstieg der Verkehrsunfälle mit Personenschaden und die gestiegene Zahl der Verunglückten sind.“

Unfallentwicklung

Im vergangenen Jahr sank die Anzahl der Verkehrsunfälle gegenüber dem Jahr 2010 um 11,6  Prozent (von 122.191 auf 108.067). Mit 94.513 Sachschadensunfällen wurde erstmals seit mehr als 15 Jahren die 100.000er Grenze unterschritten.
Bundesweit nahm die Gesamtzahl der Unfälle im Vergleich zum  Vorjahr um 2,8 Prozent ab.

Die Zahl der Verkehrsunfälle mit Personenschaden stieg im Jahr 2011 in Sachsen gegenüber dem Vorjahr um 4,6 Prozent auf 13.554. Damit liegt die Entwicklung der Verkehrsunfälle mit Personenschaden im Freistaat Sachsen ebenfalls unter den bundesweiten Ergebnissen. Im gesamten Bundesgebiet stiegen die Verkehrsunfälle mit Personenschaden um 6,0 Prozent an.

Im Jahr 2011 verloren im Freistaat Sachsen 186 Personen bei Verkehrunfällen ihr Leben. Das entspricht gegenüber 2010 einem Anstieg von 10,7 Prozent. Allerdings war die Anzahl der Getöteten geringer als im Jahr 2009, in dem erstmals weniger als 200 Verkehrstote (192 Getötete) registriert wurden.

Die Zahl der Verletzten stieg 2011 um 4,1 Prozent an. Insgesamt wurden 17.126 Menschen auf sächsischen Straßen verletzt.

Die Hauptunfallursachen bei Verkehrsunfällen mit Personenschaden waren auch im Jahr 2011 Vorfahrtsverletzungen, nicht angepasste Geschwindigkeit sowie dichtes Auffahren.

Gemessen an der Anzahl der Getöteten haben Motorradfahrer nach den Autofahrern den höchsten Anteil. Im Jahr 2011 verunglückten 29 Motorradbenutzer tödlich, 30 im Jahr 2010. Verletzt wurden 1.242 Motorradfahrer (1.156 im Jahr 2010). Das entspricht einem Anstieg von 7,4 Prozent.

Auch bei getöteten bzw. verletzten Fahrradfahrern ist eine Zunahme festzustellen (von 22 auf 25 bzw. von 3.069 auf 3.763). Das entspricht Anstiegen von 13,6 bzw. 22,6 Prozent. 

Hauptzielgruppen

Bei der Betrachtung der Verkehrsunfallentwicklung kommt drei Altersgruppen eine besondere Bedeutung zu:

–        Kinder (unter 15 Jahre) als so genannte schwächste Verkehrsteilnehmer,
–        junge Fahrerinnen und Fahrer (18 bis unter 25 Jahre) als gefährdeste Altersgruppe,
–        die Generation 65+, die als Bevölkerungsgruppe einen immer größeren Anteil an der sächsischen Gesamtbevölkerung besitzt und über eine ständig zunehmende Mobilität verfügt.

Kinder unter 15 Jahre

Die Zahl der bei Verkehrsunfällen verunglückten Kinder stieg gegenüber dem Vorjahr von 1.161 auf 1.310 (+12,8 Prozent).

Die Zahl der getöteten Kinder stieg gegenüber dem Jahr 2010 von drei auf vier. Im Jahr 2011 verunglückten ein Kind als Fußgänger und drei Kinder als Fahrradfahrer tödlich.

Junge Fahrerinnen und Fahrer

Die Zahl der Getöteten im Alter von 18 bis unter 25 Jahre ist gegenüber dem Vorjahr von 36 auf 28 bzw. um 22,2 Prozent gesunken. Ebenso sank die Zahl der Verletzten von 3.361 auf 3.067
(-8,7 Prozent).

Trotz dieser positiven Tendenzen bleiben die 18- bis unter 25-Jährigen dennoch die am stärksten gefährdete Altersgruppe. Etwa jeder sechste Verunglückte und nahezu jeder sechste Getötete gehörte dieser Altersgruppe an.

Hauptunfallursache der jungen Fahrerinnen/Fahrer ist nach wie vor die überhöhte bzw. nicht angepasste Geschwindigkeit.

Ein positiver Trend ist bei der Unfallursache „Alkohol“ festzustellen. Die Unfallursache „Alkohol“ ging bei den jungen Fahrern im Alter von 18 bis 21 Jahren um 22 Prozent deutlich zurück. Einen wesentlichen Anteil an dieser Entwicklung hat das im Jahr 2007 eingeführte Alkoholverbot für Fahranfänger.

Generation 65+

Im Jahr 2011 verunglückten 2.328 Personen im Alter von über 65 Jahren. Gegenüber dem Jahr 2010 bedeutet das einen Anstieg von 11,4 Prozent. Die Zahl der bei Verkehrsunfällen getöteten älteren Menschen stieg von 45 im Jahr 2010 auf 49 im Jahr 2011 (+8,9 Prozent).

Trotzdem bliebt das Risiko dieser Generation, im Freistaat Sachsen bei einem Verkehrsunfall zu verunglücken, relativ gering: Jeder Vierte der Gesamtbevölkerung Sachsens ist älter als 65 Jahre, aber nur fast jeder achte Verunglückte war im Alter ab 65 Jahren.

Allerdings waren die Angehörigen der Generation 65+ einem deutlich höheren Risiko als die 18- bis unter 25-Jährigen ausgesetzt, bei Verkehrsunfällen getötet zu werden. Etwa jeder vierte Unfalltote war über 65 Jahre alt, aber nur jeder siebente im Alter zwischen 18 und 25 Jahren.

Alkohol im Straßenverkehr

Die Zahl der bei Alkoholunfällen Verunglückten stieg von 903 im Jahr 2010 auf 965 im Jahr 2011 (+6,9 Prozent). Die Zahl der Getöteten stieg von 11 auf 13 (+18,2 Prozent).

Vergleicht man jedoch die Entwicklung im Zeitraum von 1995 bis 2011, so hat sich der positive Trend über 15 Jahre fortgesetzt. Die Zahl der Alkoholunfälle insgesamt sank von 8.577 im Jahr 1995 auf 1.940 im Jahr 2011. Das entspricht einem Rückgang um 6.637 Verkehrsunfälle bzw. 77,4 Prozent seit 1995.
Im Jahr 2011 wurden bei polizeilichen Verkehrskontrollen 7.508  alkoholisierte Fahrzeugführer (-3,5 Prozent) festgestellt.

Verkehrsüberwachung

Insgesamt wurden im Jahr 2011 durch die Polizei mehr als 845.000 Verkehrsordnungswidrigkeiten festgestellt.

Die Zahl der Geschwindigkeitsüberschreitungen hat sich um 7,9 Prozent  auf über 492.500 Feststellungen deutlich erhöht.

Kontrolliert wurden im vergangenen Jahr rund 27.000 Lastkraftwagen sowie 477 Kraftomnibusse. Die „Beanstandungsquote“ lag bei 37 Prozent. In insgesamt 707 Fällen musste eine Untersagung der Weiterfahrt oder Stilllegung u. a. wegen schwerwiegender technischer Mängel erfolgen.

Von den beanstandeten LKW kam rund die Hälfte aus dem Ausland. Bei den beanstandeten Bussen betrug der Anteil ausländischer Fahrzeuge 36 Prozent.

Innenminister Markus Ulbig: „Die Polizei wird ihren Focus auch weiterhin auf die Hauptrisikogruppen Kinder, junge Fahrer und Senioren sowie die Zurückdrängung der Hauptunfallursachen richten. Im Rahmen der Verkehrsüberwachung werden verstärkt   Anhaltekontrollen durchgeführt um den Autofahrer unmittelbar auf sein Fehlverhalten hinzuweisen. Verkehrssicherheitsarbeit ist aber auch Aufgabe aller Verantwortlichen in diesem Bereich. Deshalb wird die Polizei im Sinne eines gesamtgesellschaftlichen Ansatzes die bewährte Zusammenarbeit mit den Vereinen, Freien Trägern und Kommunen weiter optimieren.“

Für die Durchführung von Projekten der Verkehrserziehung und -aufklärung stellte das Innenministerium im Jahr 2011 Vereinen und Freien Trägern Zuwendungen in Höhe von fast 175.000 Euro zur Verfügung.
Quelle: SMI – Sächsisches Staatsministerium des Innern

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