Verkehrsversuch in Schloßchemnitz

Die Stadt Chemnitz wird von Mitte November 2010 bis Mai 2011 einen Verkehrsversuch im Bereich des Stadtteils Schloßchemnitz durchführen.

Ziel ist, gebietsfremden Autoverkehr aus dem Wohngebiet auf die umliegenden Kernnetzstraße zu verlagern. Dieser Ansatz folgt den Leitlinien zur Gestaltung des Stadtstraßennetzes des Ende 2006 vom Stadtrat beschlossenen Verkehrsentwicklungsplanes 2015. Die Wohngebiete sollen durch die Verdrängung gebietsfremden Verkehrs gestärkt und aufgewertet werden.

Konkret wird die Bergstraße von der Mittelstraße bis zur Matthesstraße als Einbahnstraße ausgewiesen. Die Hechlerstraße wird zwischen Schloßteichstraße und Salzstraße zu einer so genannten „unechten Einbahnstraße“. Von der Schloßteichstraße kommend dürfen weiterhin alle Fahrzeugarten verkehren, in der Gegenrichtung nur noch Linienbusse und der Radverkehr. Mit den Regelungen wird für gebietsfremden Verkehr die Durchfahrt durch das Wohngebiet zwischen Schloßplatz und Leipziger Platz erschwert. Die Verwaltung geht davon aus, dass sich eine merkliche Verkehrsberuhigung und Lärmreduzierung im Stadtteil ohne gleichzeitige Mehrbelastung anderer Wohngebiete einstellen wird.

Hintergrund des Verkehrsversuches, so informiert das Tiefbauamt der Stadt Chemnitz weiter, ist zum einen die gegenwärtige Baustellensituation an der Brücke Hartmannstraße, die zu einem spürbaren Rückgang des Verkehrsaufkommens im Zuge der Kernnetzstraßen Hartmannstraße und Leipziger Straße geführt hat. Dies bietet die Chance, im Rahmen des Verkehrsversuches bis Mai 2011 die Führung des gebietsfremden Verkehrs durch die Bergstraße, Hechlerstraße und Winklerstraße einschränken zu können.

Zudem hat der Planungs- und Umweltausschuss die Verwaltung am 14.09.2010 beauftragt, die Herausnahme der Bergstraße aus dem Hauptstraßennetz zu prüfen. Mit dem Verkehrsversuch wird praktisch nachvollziehbare Abwägungsgrundlage für diese Prüfung geschaffen.

Die Umsetzung des Verkehrsversuches erfolgt mit einfachen Mittel und sehr geringem finanziellen Aufwand. Dies ist möglich, weil der Verkehrsversuch in Anlehnung an eine Baustellensituation mit Umleitungsbeschilderungen und einigen veränderten Markierungen betrieben werden kann.

Der Verkehrsversuch wird von Stadt Chemnitz/Tiefbauamt und Polizeidirektion Chemnitz-Erzgebirge durch Verkehrszählungen, Verkehrsbeobachtungen und die Erfassung möglicher Konfliktsituationen intensiv begleitet. Die laufenden Beobachtungen werden zusammengefasst und am Tisch des Tiefbauamtsleiters monatlich ausgewertet. Es ist darüber hinaus vorgesehen, dass der Lehrstuhl Straßenverkehrstechnik (Institut für Verkehrsplanung und Straßenverkehr) der TU Dresden den Versuch im Rahmen einer Studienarbeit begleitet.

Anregungen, Hinweise und Beobachtungen von Bürgerinnen und Bürgern können zudem gern an die Abteilung Verkehrsplanung im Tiefbauamt der Stadt Chemnitz (Sitz: Technisches Rathaus, Annaberger Straße 89, 09120) übermittelt werden.

Im Ergebnis des Versuches sollen Aussagen abgeleitet werden, ob und unter welchen baulichen und verkehrsregelnden Vorraussetzungen es zu einer dauerhaften Verkehrsberuhigung im Wohngebiet Schloßchemnitz kommen kann.

Parallel zum Verkehrsversuch lässt die Stadt Chemnitz gegenwärtig im Rahmen einer umfangreichen Verkehrsuntersuchung Maßnahmenansätze zur Verbesserung der Verkehrsverhältnisse auf der Leipziger Straße zwischen Hartmannstraße und Autobahnanschlussstelle Chemnitz-Mitte untersuchen. Neben einer Erhöhung der Verkehrssicherheit bei Sicherung der Grünen Welle für den Autoverkehr bei einer zulässigen Höchstgeschwindigkeit von 50 km/h und gleichzeitiger Priorisierung des ÖPNV ist auch die möglichst weitgehende Verdrängung gebietsfremden Verkehrs aus dem Gebiet Schloßchemnitz Gegenstand der Untersuchung.