Verloren geglaubte Vase kehrt zurück nach Dresden

Dresden - Eine Turmzimmervase aus der Sammlung Kurfürst August II., die seit dem Zweiten Weltkrieg vermisst wurde, ist wieder in Dresden. In Unkenntnis ihrer Herkunft wurde diese im Dezember 2017 aus privatem Besitz einem Londoner Auktionshaus angeboten.

Dort konnte sie in Zusammenarbeit mit den hinzugezogenen Expertinnen der Dresdner Porzellansammlung zweifelsfrei identifiziert werden. Nach Verhandlungen mit dem kanadischen Besitzer Lung Chuan Chien konnte schlussendlich eine gütliche Einigung erzielt werden. Nun kehrt das Stück nach 75 Jahren in die Porzellansammlung der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden zurück.

Entstanden in der Blütezeit der Meissener Porzellan-Manufaktur zwischen 1725 und 1730, beeindruckt die Vase durch ihren fantastischen Chinoiserie-Dekor in leuchtenden Farben, der dem Maler Johann Ehrenfried Stadler (1701–1741) zuzuschreiben ist. Die unterglasurblaue Augustus-Rex-Marke kennzeichnet die Vase als ein für August den Starken bestimmtes Meissener Repräsentationsstück.

Bis etwa 1940 war die Vase mit rund 450 weiteren Porzellanen aus der königlich-kurfürstlichen Sammlung im Turmzimmer des Dresdner Residenzschlosses ausgestellt. Um die Vase vor den Kriegseinwirkungen zu schützen, wurde sie mit vielen weiteren Stücken der Sammlung sicher verpackt und im Schloss Schleinitz in Nossen ausgelagert. Was der sogenannten Turmzimmervase zwischen ihrem Verschwinden und der Rückkehr widerfuhr, ist ungewiss. Möglich ist, dass sie im Frühjahr 1945 unberechtigt aus dem Depot entnommen wurde. Bis heute gelten viele Stücke der Porzellansammlung als vermisst.

In das Auktionshaus wurde sie mit einem nicht zugehörigen Meissener Deckel eingeliefert, der wiederum zu einer weiteren Turmzimmervase gehört, die bereits 2010 nach Dresden zurückgekehrt war.

© Adrian Sauer

Das sogenannte Turmzimmer lag in der Festetage im zweiten Obergeschoss des Dresdner Residenzschlosses in unmittelbarer Nähe des Paradeappartements. Auf vergoldeten Konsolen vor rot lackierten Wänden standen sowohl Prunkstücke der Meissener Manufaktur als auch ostasiatisches Porzellan. In der effektvollen Inszenierung wurde verwirklicht, was im Japanischen Palais – dem von August dem Starken erbauten Porzellanschloss – unvollendet blieb.

Am Ende des Zweiten Weltkrieges wurde das Turmzimmer fast vollständig zerstört. Derzeit wird es im Zuge des Wiederaufbaus des Dresdner Residenzschlosses rekonstruiert. Im September 2019 werden Turmzimmer und Paradeappartement aus Anlass des 300-jährigen Jubiläums der Hochzeit Friedrich August II. mit der habsburgischen Kaisertochter Maria Josepha wiedereröffnet.

Julia Weber, Direktorin der Porzellansammlung: „Die zurückgekehrte Vase aus der Sammlung Augusts des Starken ist ein wunderbares Beispiel für das fruchtbare künstlerische wie technologische Wetteifern der königlichen Porzellanmanufaktur Meissen mit den ostasiatischen Vorbildern. Der zweifelsfreie Nachweis der Provenienz der Vase ist nicht zuletzt den langjährigen Recherchen unserer Wissenschaftler zur jüngeren Geschichte der Dresdner Porzellansammlung zu verdanken.“