Vorsicht vor neuer Schuldenfalle

In Deutschland wird der Onlinehandel laut einer Prognose des Bundesverbands E-Commerce und Versandhandel Deutschland e.V. (bevh) 2021 erstmals mehr als 100 Milliarden Euro Umsatz erzielen. Neben der Covid-19-Pandemie ist einer der Hauptgründe für das starke Umsatzwachstum das Prinzip „Buy now, pay later“, bei dem die Onlinebestellungen auf ein Zahlungsziel erfolgen können. Inzwischen bietet ein Großteil der Händler, dank der Zusammenarbeit mit Zulassungsdienstleistern wie Klarna, PayPal, Ratepay, Unzer oder Afterpay, diese Option an.

Vorsicht ist geboten Laut einer Prognose des Marktforschungsunternehmens Juniper Research werden etwa 340 Millionen Menschen weltweit „heute kaufen und morgen zahlen“ im Jahr 2021 nutzen. Den Umsatz der Branche schätzen die Analysten dabei auf 226 Milliarden US-Dollar. Bis zum Jahr 2026 werden pro Jahr geschätzt 1,5 Milliarden Menschen diese Art der Kurzzeitfinanzierung nutzen und damit für 995 Milliarden US-Dollar Umsatz bei den oben genannten Bezahldienstleistern sorgen. Im Prinzip entspricht diese Art des Einkaufens aber einem ganz herkömmlichen Kredit, den die Bezahldienstleister komfortabel über die angebundenen Onlineshops vergeben. „Das Besondere und das Neue daran ist, in einer E-Commerce-Welt wird daraus ein ganz einfaches Erlebnis“, erklärt Andreas Hackethal, Professor für Finanzen am House of Finance der Frankfurter Goethe-Universität.

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Zinsen, Zinsen und nochmals Zinsen

Obwohl der Bundesverband Deutscher Inkasso-Unternehmen e.V. (BDIU) bereits mehrfach davor warnte, Schulden für Weihnachtsgeschenke zu machen, ist diese Art einzukaufen besonders in der Adventszeit beliebt, um die teuren Anschaffungen über mehrere Monate zu finanzieren. Problematisch sind dabei neben der einfachen Bewilligung der Kredite auch die hohen Zinsen, die besonders bei Menschen mit geringen Einkommen die Rückzahlung erschweren. Einkäufe über “Buy now, pay later” sind deshalb bei vielen Menschen der erste Schritt in die Schuldenfalle. Deutlich niedriger sind die Zinsen laut einer Kreditberatung in Dresden in der Regel bei der Hausbank oder bei einer Onlinebank.

Kleine Kredite - großes Problem

Die in der Regel kleinen Kreditrahmen der Anbieter von „Buy now, pay later“ können so mittel- bis langfristig zu einem ernsten finanziellen Problem für Familien werden. „Sie bauen sich wie ein Kartenhaus auf, eine Rechnung nach der anderen. Und irgendwann, zum Beispiel Kurzarbeit kommt auf den Kreditnehmer zu oder man verliert sogar seinen Job, wird eine Karte herausgezogen und alles bricht zusammen“, erklärt die Schuldnerin Nicole B. gegenüber einem Journalisten der Tagesschau.

In dem Bericht erklärt auch der Schuldnerberater Matthias Klusmann, dass diese Art von Krediten bei seinen Klienten immer häufiger die finanziellen Probleme verursachen. „Wenn ich gerade klamm bin, dann bezahle ich natürlich gerne per Ratenkauf, ohne darauf zu achten, dass da zum Teil zwölf, dreizehn Prozent für Zinsen berechnet werden und so läppert sich das fix zu signifikanten Summen zusammen“, erklärt der Finanzexperte.

Das Schnäppchen wird zur Kostenfalle

Werden die Raten nicht rechtzeitig bezahlt, sorgen die hohen Zinsen in Verbindung mit den Mahngebühren und Inkassokosten dafür, dass vermeintliche Schnäppchen schnell zur Kostenfalle werden. Laut Klusmann ist das Geschäftsmodell für die „Buy now, pay later"-Anbieter „ein sehr erfolgreiches, lukratives und daher auch expansives“ Modell. Klarna, einer der in Deutschland führenden „Buy now, pay later"-Anbieter, bestreitet, Menschen bewusst in die Schuldenfalle zu locken. Das Unternehmen erklärt, alle Kunden so zu prüfen, „dass nur Kredite an diejenigen vergeben werden, die sich die Rückzahlung auch wirklich problemlos leisten können".

Die meisten Finanzberater empfehlen beim Abschluss eines Privatkredits trotzdem zuerst ein Gespräch mit der Hausbank zu führen oder das Angebot seriöser Onlinekreditanbieter zu nutzen, die berechnen alle deutlich geringere Zinsen und man muss eben ein / zwei Tage Geduld aufbringen, bis man dann mit seinem Kreditrahmen einkaufen gehen könnte, doch was sind 2 schon Tage? Dafür erhalten Kreditnehmer aber auch deutlich bessere Konditionen. Bei teureren Anschaffungen wie etwa Möbeln, die ebenfalls über „Buy now, pay later“ finanziert werden könnten, lassen sich so gleich einige hundert Euro nur allein an Zinsen sparen.