Was macht die menschliche Figur aus?

Dresden - "Was macht die menschliche Figur aus?" Dieser Frage geht die Städtische Galerie Dresden in einer neuen Ausstellung nach, die Zeichnungen von Constanze Deutsch auf Skulpturen von Klaus-Michael Stephan treffen lässt.

© Städtische Galerie Dresden, Philipp W. L. Günther

Dazu teilt die Städtische Galerie Dresden mit:

In gewollt spannungsvoller Konfrontation trifft die Erzählung vom verletzten Körper, die das Menschenbild avantgardistischer Kunstströmungen des 20. Jahrhunderts bestimmt hat, auf eine suchende Auseinandersetzung mit möglichen neuen Menschenbildern für das 21. Jahrhundert. Klaus-Michael Stephans archaisch anmutender Umgang mit der Figur als Symbolträger für existenzielle Situationen von Leid, Schmerz und Folter kontrastiert Constanze Deutschs farbenfrohe und spielerische Sektionen des menschlichen Körpers. Kraftvolle expressive Abstraktion steht buchmalerischer zeichnerischer Präzision gegenüber. Fast zwei Generationen und ganz unterschiedliche persönliche und professionelle Werdegänge trennen das Schaffen der Zeichnerin Constanze Deutsch von dem des Bildhauers Klaus-Michael Stephan. Was die beiden künstlerischen Positionen miteinander verbindet, ist ihre Auseinandersetzung mit der menschlichen Figur.

© Städtische Galerie Dresden, Philipp W. L. Günther
© Städtische Galerie Dresden, Philipp W. L. Günther

Zu sehen sind sechs Sklupturen und Skulpturengruppen von Klaus-Michael Stephan aus den 1980er und 1990er Jahren, überwiegend aus bemaltem Eichenholz. Von Constanze Deutsch präsentieren wir 29 großformatige farbige Zeichnungen aus dem letzten Jahrzehnt. Die Zeichnungen von Constanze Deutsch geben nicht nur ein originelles Bild für die heutige Situation kommuni-kativer Überforderung und Überkomplexität ab, sondern vermitteln auch ein ganz eigenes Figurenbild: Mit zarten aber scharfen Konturen konstruiert sie ihre Figuren wie nach dem Anatomielehrbuch. Knochengerüste und Muskeln gehen in maschinenhafte oder pflanzenartige Konstruktionen über, die von den durchscheinenden Körpern preisgegeben und durch Ornamente in Kleidung und Körperschmuck ergänzt oder verdeckt werden. Diesem Aufgehen in der Umgebung steht die monumentale Präsenz von Klaus-Michael Stephans Skulpturen gegenüber. Auch der Bildhauer konstruiert: Er lässt Korrekturanzeichnungen stehen und fasst Teilflächen des Holzes in Blei oder mit Acrylfarben in Blau, Weiß und Rot, sodass prismatische und kristalline Strukturen als konstruktiver Aufbau hervortreten.

© Städtische Galerie Dresden, Philipp W. L. Günther
© Städtische Galerie Dresden, Philipp W. L. Günther

Klaus-Michael Stephan wurde am 20.09.1941 in Breslau geboren. Nach einer Lehre als Holzbildhauer war er u. a. als Theaterplastiker in Cottbus tätig. Von 1968 bis 1973 studierte er an der Hochschule für Bildende Künste Dresden (HfBK) bei Gerd Jaeger, Herbert Naumann und Helmut Schwager. Nach einer Aspirantur bei Gerd Jaeger wurde er 1975 Assistent, später Oberassistent und Dozent an der HfBK. 1992 übernahm er eine Professur. Seit 2006 befindet er sich im Ruhestand und arbeitet freischaffend in Dresden und Fürstenau. Constanze Deutsch wurde am 30.09.1980 in Dresden geboren. Nach ihrem Abitur am Dresdner Kreuzgymnasium begann sie 2002 ein Studium an der HfBK, zuletzt in der Fachklasse von Prof. Lutz Dammbeck. 2006/07 studierte sie im Rahmen des Darmasiswa-Stipendiums der indonesischen Regierung in Yogyakarta. Von 2009 bis 2011 war sie Meisterschülerin bei Lutz Dammbeck. Seitdem arbeitet sie freischaffend in Dresden. 2016 gehörte sie zu den Gründern der Produzentengalerie Dresden.

Öffnungszeiten: 19. September 2020 bis 10. Januar 2021 Dienstag bis Donnerstag, Samstag und Sonntag 10.00-18.00 Uhr Freitag 10.00-19.00 Uhr, montags geschlossen.