Was wir am Tag nach dem Kunstraub wissen und was nicht

Dresden - Einen Tag nach dem spektakulären Einbruch ins Grüne Gewölbe, bei dem Diebe mehrere Diamant- und Brillantgarnituren aus dem Staatsschatz August des Starken stahlen, sind noch viele Dinge unklar. Mittlerweile gibt es aber einige Updates von der Sonderermittlungskommission "Epaulette".

Das Video, das die Überwachungskameras im Juwelenzimmer aufnahmen, ist nun veröffentlicht worden. Darauf sieht man, wie sich zwei Täter mit Lampen gezielt auf die Vitrine zubewegen. Einer der beiden beginnt dann schnell mit einer Axt auf das Glas der Vitrine einzuschlagen. Warum dieses schon nach wenigen Schlägen nachgegeben hat, ist noch Gegenstand der Ermittlungen. 

Die ermittelnde Sonderkommission untersucht weiterhin die Brandstelle am Verteilerkasten unter der Augustusbrücke. Man geht davon aus, dass die Täter diesen vor der Tat in Brand gesetzt hatten, so dass in der Umgebung des Tatorts die Beleuchtung ausfiel. Ob und inwieweit davon die Sicherheitssysteme des Residenzschlosses beeinträchtigt waren, ist noch unklar. Dafür scheint mittlerweile festzustehen: der Audi A6, der am Montagmorgen in einer Tiefgarage auf der Kötzschenbrodaer Straße in Pieschen brannte, ist höchstwahrscheinlich das Fluchtfahrzeug. Zeugen hatten ein solches Fahrzeug in Tatortnähe beschrieben.

Auch scheinen mittlerweile einige der gestohlenen Stücke identifiziert worden zu sein. Die Polizei Dresden hat dazu Bilder auf ihrer Website veröffentlicht. Darunter seien höchstwahrscheinlich ein Bruststern des Polnischen Weißadlerordens, die Große Brustschleife der Königin Amalie Auguste und ein Degen mit Scheide aus der Diamantrosengarnitur und andere Schmuckstücke. Die komplette Fotosammlung sehen Sie auf der Website der Polizei Dresden. Noch dauern die polizeilichen Untersuchungen an, so dass nicht abschließend vonseiten der Staatlichen Kunstsammlungen festgestellt werden kann, welche Stücke fehlen und welche noch da sind. Die Ermittlungsgruppe "Epaulette" geht nun erstmal den rund 100 Hinweisen nach, die mittlerweile aus der Bevölkerung eingegangen sind. 

© Polizeidirektion Dresden

So fasst die Polizei den bisherigen Ermittlungsstand zusammen:

Nach dem Einbruch in das Historische Grüne Gewölbe in der Landeshauptstadt Dresden hat die 20-köpfige Sonderkommission „Epaulette“, unter Leitung des Kriminalrates Olaf Richter (51) in Abstimmung mit der Staatsanwaltschaft Dresden die Untersuchungen in dem Fall weiter vorangetrieben.

Im Zuge der Ermittlungen hat sich der Hinweis bestätigt, wonach die Täter mit einem Audi A6 vom Tatort flüchteten und diesen kurze Zeit später in einer Tiefgarage an der Kötzschenbroder Straße in Brand setzten. So fanden die Ermittler Spuren vom Tatort im Wrack des Fahrzeuges. Damit ist auch die Tiefgarage ein Tatort und wurde vorübergehend abgesperrt. Vor diesem Hintergrund werden Kriminalisten auch Befragungen im Umfeld durchführen. Weiterhin gehen die Kriminalisten davon aus, dass der Brand des Stromverteilerkastens in der Nähe der Augustusbrücke mit dem Einbruch in Verbindung steht. Der Verteilerkasten ist vorsätzlich in Brand gesetzt worden, woraufhin die Straßenbeleuchtung in der Umgebung des Tatortes ausfiel.

Dazu Kriminalrat Olaf Richter: „Insgesamt sprechen die Umstände für eine zielgerichtete und vorbereitete Tat.“

Heute Vormittag untersuchten die Spezialisten des Landeskriminalamtes Sachsen nochmals den Tatort. Die Tatortarbeit wird aktuell fortgesetzt. Eine abschließende Bestandsaufnahme der tatsächlich gestohlenen Schmuckstücke war aufgrund der polizeilichen Tatortarbeit bislang nicht möglich. Diese wird erst nach deren Abschluss von den Verantwortlichen des Historischen Grünen Gewölbes durchgeführt.

In Anlehnung an den gestrigen Tatzeitraum waren heute früh Beamte der Bereitschaftspolizei im Bereich des Tatortes unterwegs und befragten Passanten. In diesem Zusammenhang sprachen Kriminalisten auch bereits mit Gästen eines Hotels in unmittelbarer Tatortnähe. Entscheidende Hinweise ergaben sich aus den Gesprächen bislang nicht. Aufgrund des gestrigen Zeugenaufrufes sind bei der Dresdner Polizei bislang 91 Hinweise aus der Bevölkerung eingegangen. Diese werden nun geprüft. Gleichzeitig hat die Soko „Epaulette“ einen Link auf das Hinweisportal der Polizei aktiviert. Dort können insbesondere auch Bild- und Videohinweise zur Straftat an die Polizei weitergegeben werden. Das Portal ist unter dem Link https://sn.hinweisportal.de zu erreichen.