Weitere 16 Stolpersteine werden in Chemnitz verlegt

Bereits 48 Stolpersteine erinnern in Chemnitz an Opfer des Nationalsozialismus.

Die kleinen Steine mit Messingplatte, eingelassen vor dem letzten freiwillig gewählten Wohnsitz der Verfolgten, tragen den Namen und einige Lebensdaten der Opfer. Nun kommen weitere 16 Steine an neun Orten in diesem Jahr hinzu.

Am 2. November wird Initiator und Künstler Günter Demnig die Verlegung vornehmen. Beginnen wird er um 9 Uhr in der Hoffmannstraße 52. Dort werden drei Stolpersteine für die bekannte Unternehmerfamilie Goeritz verlegt. Karl Goeritz (1900-1939) und seine Kinder Frank-Stefan (1932 – 1939) und Irene Beatrice (1938 – 1939) ertranken bei der Überfahrt nach Chile, als die MS Simon Bolivar in ein Minenfeld geriet und sank. Die Patenschaft übernimmt Ingrid Mössinger, Direktorin der Kunstsammlungen und ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.

Ablauf der Verlegung der Chemnitzer Stolpersteine am Freitag, 2. November
9 Uhr – Hoffmannstraße 52:
Karl Goeritz (geb. 1900) war jüngster Sohn des Textilfabrikanten Siegmund Goeritz. Er zählte mit zu den bedeutenden privaten Kunstsammlern der Stadt Chemnitz um 1930, musste 1937 aber aus der Stadt mit seiner Familie nach Holland fliehen. Er, sein Sohn Frank-Stefan Goeritz (geb. 1932) und Tochter Irene Beatrice Goeritz (geb. 1938) ertranken bei der Überfahrt nach Chile am 18. November 1939, als die MS Simon Bolivar in ein Minenfeld vor der englischen Küste geriet und kenterte. Seine Frau überlebte als einziges Familienmitglied.
Paten: Ingrid Mössinger und Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Kunstsammlungen Chemnitz

9:45 Uhr – Kopernikusstraße
Hugo Sussmann (geb. 1881) wurde nach der Liquidierung seines Unternehmens Gebrüder Sussmann AG zu Zwangsarbeit verpflichtet. Dass er in ein nicht für Juden zugelassenes Straßenbahnabteil einstieg, wurde sein Verhängnis. Er wurde 1944 in Chemnitz verhaftet und nach Auschwitz deportiert. Dort wurde er am 12. August 1944 ermordet. Sein Sohn Julius Sussmann (geb. 1922) konnte 1939 nach Holland fliehen. Der Neubeginn gelang ihm allerdings nicht. Er vereinsamte und beging am 12. August 1940 Selbstmord in Amsterdam.
Pate: Zebra Werbeagentur GmbH

10:20 Uhr – Brückenstraße 14:
Dr. Alfred Lachmann (geb. 1889) wurde 1938 in Buchenwald in „Schutzhaft“ genommen und am 13. Juli 1942 „nach dem Osten“ deportiert. Dort wurde er von den Nationalsozialisten ermordet.
Seine Frau Helene Lachmann (geb. 1890) ereilte das gleiche Schicksal. Sie wurde am 10. Mai 1942 mit über 1000 Juden aus Mitteldeutschland ins Ghetto Belzyce deportiert und ermordet. Sohn Werner Konrad Lachmann (geb. 1924) war 1939 unfreiwillig nach Berlin gezogen und wurde von dort aus am 29. Januar 1943 nach Auschwitz deportiert und ermordet.
Paten: Schüler und Lehrer des Georgius-Agricola-Gymnasiums Chemnitz

10:50 Uhr – Matthesstrasse 15
David Leib Nachmann (geb. 1882), der in den Anfang 1900 aus Russisch-Polen nach Chemnitz kam, erhielt 1938 die Ausweisung nach Polen. 1939 wurde er in Chemnitz verhaftet, nach Buchenwald gebracht und am 12. März 1942 in der „Euthanasie“-Anstalt Bernburg ermordet. Von seiner Tochter Hanni Nachmann (geb. 1922) gab es nach 1938 kein Lebenszeichen mehr. Sie wurde 1945 für tot erklärt.
Pate: Familie Rösler

11:30 Uhr – Zschopauer Straße 107
Avram Avramovici (geb. 1885) aus Rumänien und seine Frau Alta Basia Avramovici (geb. 1889) wurde am 10. Mai 1945 ins Ghetto Belzyce deportiert. Sie versuchten zu fliehen, wurden jedoch gefasst und ermordet.
Patin: Deborah Oppenheimer

12:00 Uhr – Brauhausstraße 30
Ludwig Kohn (geb. 1878): Er wurde 1934 als tschechoslowakischer Staatsbürger in die CSR ausgewiesen. Da er politisch sehr aktiv war, wurde er nach Auschwitz deportiert und dort am 8. Juni 1943 ermordet.
Paten: SPD-Fraktion des Chemnitzer Stadtrates

12:25 Uhr – Apollostraße 4
Dagobert Culp (geb. 1882): Er wurde 1938 wegen „Rassenschande“ in Chemnitz verhaftet. Er wurde ins Zuchthaus Bautzen 1939 eingeliefert. Ein Jahr später wurde er nach Sachsenhausen gebracht und kam am 7. Februar 1940 ums Leben.
Pate: Dieter Lehmann

13:00 Uhr – Untere Aktienstraße 14
Rosa Brudner (geb. 1884 als Rosa Granditz): Sie wurde am 10. Mai 1942 ins Ghetto Belzyce deportiert und ermordet.
Pate: Hermann Brudner

13:35 Uhr – Hilbersdorfer Straße 66:
Anna Neubert (geb. 1885 als Anna Hertel): Sie wurde wegen einer psychischen Erkrankung im Rahmen der Aktion T4 (NS-„Euthanasie“) am 23. Oktober 1940 in Pirna-Sonnenstein ermordet.
Pate: Ev.-luth. Trinitatis-Kirchgemeinde

Die Hoffmannstraße wird am 2. November von 8:45 bis 9:30 Uhr im Bereich der Hausnummer 52 gesperrt, um eine würdige und störungsfreie Veranstaltung zu gewährleisten. Bei dem weiteren Velegestellen muss für den Verkehr kurzzeitig mit Behinderungen gerechnet werden.

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