Welt-Kontinenz-Woche: Kontinenzzentrum Leipzig beteiligt sich mit 4 Vorträgen zum Thema Inkontinenz

Blasenschwäche muss behandelt werden – Individuelle Therapie schützt vor schwerwiegenden Folgen +++

Leipzig, 9. Juni 2011: Inkontinenz ist behandelbar und es gilt weitreichende gesundheitliche Folgen zu verhindern. Die Betroffenen über alle Therapiemöglichkeiten aufzuklären, das ist das Ziel der Welt-Kontinenz-Woche, die vom 20. bis zum 26. Juni 2011 stattfindet. Auch die Experten des Leipziger Kontinenzzentrums nehmen mit einer weitreichenden Informationsveranstaltung am Mittwoch, den 22. Juni 2011 zwischen 15:00 und 18:00 Uhr teil. In vier Vorträgen gehen die Gynäkologen, Urologen und Chirurgen auf die unterschiedlichen
Aspekte und Behandlungsmöglichkeiten der Harn- und Stuhl-Inkontinenz bei der Frau und beim Mann ein. Die Vorträge richten sich an Betroffene und Interessierte. Der Appell der Leipziger Experten: „Inkontinenz kann fast immer geheilt werden. Sprechen Sie mit Ihrem Arzt – suchen Sie Experten auf.“ Die Vortragsveranstaltung findet im Zeitgeschichtlichen Forum in der Grimmaischen Straße 6 in Leipzig statt. Weitere Informationen zur Veranstaltung sind unter www. kontinenzzentrum-leipzig.de abrufbar.

Der Appell ergeht nicht grundlos: Noch immer behalten viele Betroffene ihr Problem für sich, weil sie sich schämen und alleine fühlen. Depressionen können die Folge sein, Schwindel und daraus resultierende Stürze führen zu weiteren gesundheitlichen Einschränkungen und hohen Kosten. Angehörige fühlen sich durch eine starke Blasenschwäche mit der Betreuung überfordert – die Einweisung ist ein Heim ist die Folge. Dabei ist Inkontinenz eine Volkskrankheit, und die Wahrscheinlichkeit, dass sich im Bekanntenkreis der Betroffenen weitere Leidensgenossinnen verbergen, ist 2

Millionen sind betroffen
In Deutschland leiden zwischen fünf und acht Millionen Frauen an Blasenschwäche.
Das ist allerdings weder ein Geschlechts- noch ein Altersproblem, wenngleich Män-
ner seltener betroffener sind. Bei den Frauen leiden auch 27 Prozent der Frauen zwi-
schen 25 und 29 Jahren an einer sogenannten Belastungs- oder Stressinkontinenz.
Die Blase schließt nicht mehr richtig, und wenn der Druck beim Niesen, Husten oder
Lachen plötzlich ansteigt, verlieren die Frauen unfreiwillig Urin.

Welt-Kontinenz-Woche
Die Deutsche Kontinenz Gesellschaft (www.kontinenz-gesellschaft.de/weltkontinenz.htm) beteiligt sich mit vielen Informationsveranstaltungen, Plakatwänden und Fortbildungen für Ärzte und Patienten an der Welt-Kontinenz-Woche. Auch die Spezialisten des Leipziger Kontinenzzentrums engagieren sich in dieser Woche für Aufklärung. Inkontinenz soll als weit verbreitetes, quasi alltägliches Problem wahrgenommen werden. Wie Dr. med. Tom Kempe, Praxis für Frauenheilkunde und Urologie sowie Leipziger Kontinenzzentrum am Klinikum St. Georg in Leipzig, ausführt, ist es wichtig, zum Arzt zu gehen, „weil alle Formen der
Inkontinenz einfach zu diagnostizieren, gut zu behandeln und in den meisten Fällen
sogar vollkommen zu heilen sind.“

Individuelle Therapie
In leichteren Stadien der Belastungsinkontinenz hilft schon ein Training der Beckenbodenmuskulatur oder eine medikamentöse Behandlung. Reicht das nicht aus, stehen operative Verfahren oder eine Unterspritzungstherapie zur Verfügung. Bei der operativen Therapie wird in den meisten Fällen die geschwächte Harnröhre stabilisiert, indem sie durch ein Band (TVT) unterfüttert wird. Das geschieht ohne Bauchschnitt und dauert nur knapp 20 Minuten. Mit dieser Methode sind 97 % aller Patientinnen nach dem Eingriff beschwerdefrei – auch Sport ist wieder möglich.

Ebenfalls sehr erfolgreich ist das Unterspritzungsverfahren mit einem speziellen Hydrogel. Dr. Kempe: „Wir setzen das Verfahren vor allem bei Patientinnen ein, für die ein anderes Verfahren nicht in Frage kommt. Aber auch Patientinnen, die eine größere Operation ablehnen oder die ihre Familienplanung noch nicht abgeschlossen haben, sind geeignet.“ Das Medikament wird an mehreren Stellen zwischen Blasenhals und Schließmuskel injiziert. Der Druck auf die Harnröhre wird erhöht, und der Schließmuskel dichtet diese wieder zuverlässig ab.

Ursachen abklären
Häufig ist die Inkontinenz kein isoliertes Problem. Für die Behandlung ist es wichtig, vorher genau abzuklären, ob zusätzliche Probleme im Beckenbodenbereich bestehen. Dr. med. T. Kempe erklärt: „Der Beckenboden vereint auf engstem Raum sehr unterschiedliche Organsysteme: Knöcherne Strukturen, Muskeln, Bänder und Sehnen, Nerven und Blutgefäße, der Enddarm, das Genitale und den Blasenausgang. Durch das komplexe Zusammenspiel wirken sich Störungen eines Organs häufig auf die übrigen Strukturen aus.“
Ein häufiger Zusammenhang besteht zwischen einer Belastungsinkontinenz und einer Gebärmuttersenkung. In solchen Fällen sollte zunächst die Senkung behandelt werden. Früher war dazu eine aufwändige Operation nötig, die häufig mit Rückfällen verbunden war. Heutzutage werden in einem minimal-invasiven Eingriff die abgesackten Organe durch Netzimplantate abgestützt. Schon nach wenigen Wochen ist im Alltag von dem Eingriff nichts mehr zu merken. Ein großer Vorteil ist auch, dass ein erfüllendes Sexualleben anschließend möglich ist, da die Anatomie geschont wird. Dieses Verfahren wird auch von Dr. med. T. Kempe angewandt.

Teamwork ist wichtig
Zur optimalen Behandlung ist die fachübergreifende Zusammenarbeit sehr wichtig, wie sie am Leipziger Kontinenzzentrum am Klinikum St. Georg in Leipzig die Regel ist. Unterschiedliche Fachärzte und Physiotherapeuten besprechen dort jeden einzelnen Fall in der so genannten Beckenbodenkonferenz. Vor allem die exakte Diagnose ist entscheidend, erklärt Dr. Kempe: „Wie immer aber die Diagnose ausfällt: Alle Inkontinenzformen sind behandelbar.“

Der Inkontinenzexperte bedauert, dass Inkontinenz in unserer aufgeklärten Welt weiterhin ein Tabuthema ist und wünscht sich, „dass die Welt-Kontinenz-Woche die Bevölkerung für dieses Thema sensibilisiert und den Betroffenen Mut macht, offener mit ihrem Leiden umzugehen. Nur so können wir verhindern, dass gravierende Folgeerkrankungen ausbleiben.“ Sind Sie betroffen? Melden Sie sich im Sekretariat der Klinik für Gynäkologie und Geburtshilfe des Klinikums St. Georg gGmbH oder in der Praxis Dr. Kempe:

Dr. med. Tom Kempe, Dr. med. Carolin Sadowski
Leipziger Kontinenzzentrum am Klinikum St. Georg gGmbH
Telefon: 0341 909-3501 oder Praxis: 0341 3912280
7:00 – 15:30 Uhr