Weltneuheit: Leipziger entwickeln App gegen Ebola-Ausbreitung

Sachsen - Fünf Jahre dauerte die Entwicklung, nun ist sie bald fertig: Eine neue App soll die Verbreitung von Ebola in Afrika eindämmen, indem sie Bewegungsprofile von Nutzern erstellt und vergleicht. So können potentiell Infizierte erkannt, informiert und geimpft werden. 2020 soll die sächsische Innovation auf den Markt kommen.

Es beginnt meist wie eine Grippe, ist hochgradig ansteckend und kann lebensgefährlich werden - Die Rede ist von Ebola. Bei dem Ebolavirus handelt es sich um eine schwerwiegende Infektionskrankheit. Übertragen wird das Virus von Mensch zu Mensch durch direkten körperlichen Kontakt und insbesondere durch Körperflüssigkeiten wie Blut, Speichel oder Schweiß.  Die ersten Krankheitszeichen ähneln einer Grippe und können sich bis zu inneren und äußeren Blutungen oder Organversagen ausweiten. Es gibt noch keine gezielte Therapie dagegen. Die Krankheit brach bisher nur in afrikanischen Ländern aus. 2014 erreichte sie in Westafrika epidemische Zustände und forderte 11.000 Menschenleben.

Die Ebolaepidemie 2014 in Westafrika war der Auslöser für den Honorarkonsul von Liberia, Michael Kölsch, für die Idee zur Ebolapp. Sie soll die Verbreitung der Krankheit eindämmen, indem sie potentiell Infizierte erkennt und informiert.

Wie funktioniert sie?

Die App erstellt von jedem Nutzer rund um die Uhr Bewegungsprofile per GPS. Diese werden untereinander abgeglichen. Trifft ein gesunder Mensch (unwissentlich) auf einen infizierten, dann speichert die App, wie lange und in welchem Abstand die beiden Nutzer sich in der Nähe voneinander aufhielten. Begibt sich der Infizierte nun in ärztliche Behandlung, dann kann der Arzt - und nur der Arzt, auch nicht der Infizierte selbst - die in der Ebolapp gespeicherten Daten auslesen. So erkennt er, wo sich der Erkrankte aufhielt.

Außerdem kann der Arzt eine Warnung auslösen, die an den gesunden Menschen gesendet werden. Die Warnung sagt ihm dann, dass er sich möglicherweise infiziert hat und sich schnellstmöglich in ärztliche Behandlung begeben sollte. Denn mit einer zeitnahen Impfung kann man den Ausbruch der Krankheit manchmal noch verhindern.

Datenschutz & Reichweite der App

Das Programmieren der App übernahm die Leipziger Firma publishAir. Durch die permanente Aufzeichnung des Standortes sei der Datenschutz der App ein sensibles und wichtiges Thema. Was passiert mit den aufgezeichneten GPS-Daten der Nutzer? "Wir haben das Ganze so gestaltet, dass die Bewegungsdaten wirklich nur lokal auf dem Telefon des Benutzers aufgezeichnet werden. Und nur wenn der Nutzer ausdrücklich seine Zustimmung gibt, werden diese Daten veröffentlicht. Und dann auch nur anonym", erklärt der Geschäftsführer von publishAir, Alexander Stinka.

Damit die App aber überhaupt funktioniert, muss sie weit verbreitet sein. Daher arbeiten die Leipziger eng mit den Regierungen der afrikanischen Länder zusammen. Der Mitbegründer der App, Thomas Köppig vom Verein Freunde Liberias e.V., erklärt, dass die App nicht einzeln über Stores heruntergeladen werden soll - Das würde zu lange dauern. Stattdessen habe es bereits Gespräche mit den afrikanischen Regierungen gegeben, die bei der Verbreitung der App in den Ländern helfen soll. Probleme in der Internetausstattung gebe es laut den Erfindung der App nicht. Smartphones sind in den westafrikanischen Ländern zu 80 bis 90 % verbreitet.

© Leipzig Fernsehen

Eine innovative App aus dem Freistaat

Die App ist ein rein sächsisches Projekt, das über fünf Jahre entwickelt wurde. Firmen aus Leipzig, Chemnitz und Dresden arbeiteten eng zusammen. Kölsch zeigt sich erleichtert über die Zusammenarbeit: "Es war gut, dass wir in Sachsen waren, um diese App zu entwickeln. Gut, dass wir in Leipzig waren mit sehr kompetenten Partnern, mit denen wir kooperieren konnten, und in einem Klima, das für Innovation besonders gut geeignet ist."

Die letzten Meter zur Finalisierung

Die App wird zurzeit finalisiert: Stabilität und Dateigröße müssen noch optimiert werden. Außerdem werde es noch einige Tests geben und schließlich einen Feldversuch in Liberia. Im nächsten Jahr soll die App dann schließlich in Liberia, Sierra Leone und Guinea verfügbar sein.
Das Projekt wurde durch Spenden im fünfstelligen Bereich finanziert. Auch während des laufenden Betriebs kommen noch Kosten auf die Erfinder der App zu. Daher nimmt der Verein Freunde Liberias e.V. Spenden gern entgegen. Es ist nicht auszuschließen, dass die Ebolapp in Zukunft durch Weiterentwicklung auch für andere Infektionskrankheiten genutzt werden kann.