Weltweit erstes Carbonbeton-Haus in Dresden

Dresden - An der Ecke Zellescher Weg - Einsteinstraße, gegenüber der TU Dresden, entsteht ein neues Gebäude. Bei genauerem Hinsehen ist dieses Projekt etwas ganz Besonderes. Denn anstelle von herkömmlichen Stahlbeton wird auf modernen Carbonbeton gesetzt.

Manfred Curbach, Direktor im Institut für Massivbau an der TU Dresden sagt, die Technik sei bisher eher bei der Verstärkung von Bestandsbauten, Fassaden und Brücken zum Einsatz gekommen. Nun entsteht erstmalig ein Neubau, komplett aus Carbonbeton. Dieses soll vorrangig als Versuchs- und Forschungsgebäude genutzt werden, sowie einen Veranstaltungsraum bieten. Auffällig an diesem Bauwerk ist vor allem die geschwungene Fassade, die sogenannte "TWIST-Schalung". Dafür wurden Firmen aus der Region beauftragt.

Jens Kretzschmar von der Hentschke Bau GmbH erklärt, man stelle sich der Herausforderung der besonderen Geometrie. Am Standort Bautzen habe das Unternehmen die nötige moderne Schalungstechnik, um solch anspruchsvolle Formen herstellen zu können. Abgesehen von gestalterischen Aspekten bietet der Carbonbeton eine große Chance zur Nachhaltigkeit im Baugewerbe. Da das Carbon im Gegensatz zum Stahl nicht korrodiert, also rostet, kann etwa die Hälfte an Beton und damit auch CO2 eingespart werden.

Manfred Curbach sagt dazu, dass die Verwendung von Stahlbeton wie wir ihn aktuell noch nutzen, keine Zukunft haben wird, da zu viele Ressourcen dafür verbraucht werden. Es sei auch nicht möglich, einfach weniger zu bauen. Er denkt, dass der Carbonbeton den Stahlbeton in etwa 20 Jahren ersetzen könnte. Ein weitere Vorteil neben dem geringeren Ressourcenverbrauch: Carbon kann in den Stoffkreislauf zurückgeführt werden, sollten Gebäude wieder abgerissen werden. Das bedeutet, dass alle Bestandteile wiederverwendet werden können. Viele Aspekte, die für eine Veränderung in der Baubranche sprechen.

Das Gebäude soll im März 2022 fertig übergeben werden und ab dann zur Erforschung der Langzeittauglichkeit von Carbonbeton dienen. Mehr Informationen dazu unter: www.bauen-neu-denken.de/cube

© Iurii Vakaliuk, IMB, TU Dresden
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