Wenn „Dr. Schnitzel“ beim Vorlesen hilft

Leipzig - Die Bibliothek Südvorstadt bekommt regelmäßig Besuch von Susann Rieder und ihren Hunden. Die Tiere helfen Kindern beim lauten Vorlesen. Denn die Vierbeiner kritisieren nicht und hören einfach nur zu.

"Dr. Schnitzel" bringt so schnell nichts aus der Fassung. Auch dann nicht, wenn sich Aalijah einmal verliest. Und das ist auch gut so, denn die 8-Jährige kann dadurch viel besser vorlesen. Für Aalijah und die anderen Kinder ist Schnitzel eine süße Fellnase und Ruhepol zugleich. Schnitzel und zwei andere Hunde spielen die Hauptrolle, wenn sich die Kinder einmal im Monat in der Bibliothek Südvorstadt zum Vorlesen treffen. Sie stört es nicht, wenn die Mädchen und Jungen etwas Falsches sagen.

Hemmungen beim Lesen abbauen

Schnitzel korrigiert und bewertet nicht und das führt dazu, dass Kinder Lesehemmungen abbauen und sich trauen, laut vorzulesen - eine Methode, die in den USA schon seit den 90er Jahren erfolgreich funktioniert. Die Idee, solch ein Projekt auch in der Bibliothek Südvorstadt umzusetzen, hatte Bibliothekarin Stefanie Tscholitsch.

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Bevor jedes Kind dem Hund einzeln etwas vorlesen kann gibt es eine Geschichte für alle. Dieses Mal müssen die Kinder passenderweise auf das Wort "Schnitzel" achten. Kommt es im Text vor, können sich die Kleinen ein Leckerchen für den Hund nehmen. Schnitzel kennt das und freut sich auf die Belohnung. Als Vorlesehund eignet sich prinzipiell jede Rasse. Aber Eigenschaften, wie Menschenbezug und Gehorsamkeit stehen hier im Vordergrund, sagt Besitzerin Susann Rieder. 

Auch Schnitzel hat Lieblingsgeschichten

Die Kleinen haben bei der Auswahl der Bücher freie Hand. Ganz gleich, ob Gruselgeschichte, Heldenbuch oder Comic. Aber über ein Thema freut sich Schnitzel am allermeisten: Bücher und Geschichten über andere Tiere. 

Gewöhnlich bringt Susann Rieder zwei Hunde mit in die Stunde. Heute ist Schnitzel aber alleine. Während sich die restliche Gruppe in der Bibliothek beschäftigt, kann jeder Einzelne 10 bis 15 Minuten mit dem Hund verbringen. Einen Zwang zum Vorlesen gibt es dabei nicht. 

In der entspannten Atmosphäre soll es darum gehen, einfach mal loszulassen und sich auch mal von den Hunden ablenken zu lassen. Druck wie in der Schule soll in der Bibliothek vermieden werden. Dazu gehört auch, dass sich ein Kind mal nicht konzentriert und mit Kuscheln und Streicheln beschäftigt ist. Das nimmt Dr. Schnitzel übrigens sehr gerne an.

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