Wetter: Bleibt es so warm?

Der November ist aktuell so warm wie noch nie. Auch von offizieller Seite wird nun bestätigt, dass die erste Novemberdekade so viel Wärme wie noch nie in einem November gebracht hat.

Zeitweise herrschte T-Shirt-Wetter. Es bleibt auch in den kommenden 7 bis 10 Tagen sehr mild, aber das ruhige Wetter ist vorbei. Dazu ein kurzes Interview mit Diplom-Meteorologe Dominik Jung vom Wetterportal wetter.net.

1. Wieso ist der November bisher so extrem warm und wird diese Wärme weiter andauern?

Seit Wochen haben wir immer wieder Hochdruckgebiete über Europa. Sie sorgen für weitgehend trockenes Wetter. Regen fällt nur ganz selten. Südlich des Mains haben wir es daher bereits mit einer großen Dürre zu tun. Regen wäre hier dringend notwendig. Die Wetterlage ist festgefahren. Aus Südwesten kommen direkt aus dem Mittelmeerraum sehr warme Luftmassen nach Deutschland. Daher klettern die Temperaturen derzeit auf ungewöhnlich hohe Werte. Zeitweise waren haben wir sogar nur knapp die 25-Marke verpasst. Normal wäre für November eine mittlere Tagestemperatur von 4 Grad. Nach elf Tagen liegt die mittlere Tagestemperatur allerdings bereits bei 10,4 Grad und somit 6,4 Grad über dem langjährigen Durchschnitt. Die Wetterlage ist derzeit einfach nun mal so wie sie ist. Das ist Zufall. Mit Klimaveränderung hat das alles nichts zu tun. Aus der Wetterlage eines Monats kann man seriös einfach keine klimatologischen Schlüsse ziehen. Bei der Klimabetrachtung muss man die Ergebnisse über einen sehr langen Zeitraum- in der Regel Jahrzehnte- betrachten.

2. Kommen nun stürmische Zeiten auf Deutschland zu? Wie heftig werden die nächsten Tage in Sachen Sturmentwicklung? Wird es gefährlich?

Die vergangenen Monate waren deutlich zu trocken. Besonders der Süden hat unter der Trockenheit zu leiden. Viele Flusspegel nähern sich schon den Jahrhunderttiefstständen aus dem Jahr 2003. Auch am Rhein ist es bald soweit. Schon jetzt fahren die Schiffe nicht mehr ganz beladen über die Flüsse. Doch: Regen ist in Sicht. Der Regen kommt aber nicht allein. Mit dem Regen kommt viel Wind und sogar Sturm auf. Am Sonntag wird es besonders im Norden stürmisch. Am Dienstag stürmt es dann in der Mitte und im Norden und Mittwoch/Donnerstag könnte sich dann sogar deutschlandweit eine schwere Sturmlage einstellen. Selbst in tiefen Lagen wären schwere Sturmböen über 100 km/h möglich, auf den Bergen könnte es zu Orkanböen bis 150 km/h kommen. Mit dem Sturm kommt auch viel Regen auf uns zu. Lokal sind in den kommenden sieben Tagen 80 bis 100 Liter Niederschlag auf den Quadratmeter möglich. Das würde auch im Süden die extreme Trockenheit zumindest deutlich lindern.

Die Sturmentwicklung der kommenden sieben Tage ist auf alle Fälle spannend. Diese gilt es genau zu beobachten, denn auch eine orkanartige Entwicklung ist in der kommenden Woche nicht ausgeschlossen. Dann könnte es gefährlich werden! Die Chancen für eine Orkan sind in den vergangenen 24 Stunden deutlich gestiegen.

Wie lange die stürmischen Zeit andauern ist derzeit noch nicht absehbar.

Eine Sache bleibt uns jedoch weiterhin erhalten und das ist die milde Luft. Die werden wir einfach nicht los. Zwar wird es am Samstag mal etwas kühler und vielfach wird dann kaum die 10-Grad-Marke erreicht, doch schon ab Sonntag geht es wieder rauf auf bis zu 16 Grad.

3. Geht nach dem Rekord-November auch der Winter baden? Was ist zu erwarten? Wie sicher sind Aussagen über die winterliche Jahreszeit?

Vom Winter ist weiterhin weit und breit nichts in Sicht. Nachdem der US-Wetterdienst NOAA und wetter.net bereits im September auf einen deutlich zu milden Winter gesetzt hatten, zieht nun auch der Deutsche Wetterdienst mit seiner Jahreszeitenprognose für den Winter 2015/2016 nach. Dort sieht man die höchste Wahrscheinlichkeit für einen zu warmen Winter. Ein zu kalter Winter hat nur eine geringe Eintreffwahrscheinlichkeit. Das sind allerdings alles nur Jahreszeitentrends. Das sind grobe Abschätzungen und die sind überhaupt nicht mit den klassischen Wettervorhersagen vergleichbar.

Glaubt man dem Klimatrend des US-Wetterdienstes, dann wird der Winter 2 bis 3 Grad wärmer als im langjährigen Durschnitt ausfallen und vor allen Dingen auch deutlich nasser als im Mittel. Das deutet wiederum auf einen typischen Westwindwetterwinter hin. Dies bedeutet: vom Atlantik ziehen immer wieder Tiefdruckgebiete mit Regen, Wind und milder Luft über uns hinweg. Ob die sind nun umstellende Wetterlage der Auftakt dieses milden Sturmwinters ist, müssen wir abwarten.

Immerhin hatte die US-Wetterbehörde bereits im August auf einen deutlich zu trockenen und sehr warmen Herbst gesetzt und lag damit bisher gar nicht so übel…

Dieser Beitrag ist leider noch nicht verfügbar