Wetter: Chancen auf XXL- Winter steigen

“Neue Theorien gehen davon aus, dass verbreitete Eisschmelze am Nordpol dafür sorgen könnte, dass es in Europa wieder deutlich kältere Winter gibt.“, so Diplom-Meteorologe Dominik Jung vom Wetterportal wetter.net. +++

Seit Beginn der regelmäßigen Wetteraufzeichnungen im Jahr 1881 gab es in Deutschland fünf Winter, die aus heutiger Sicht als Streng- oder Extremwinter einzuordnen sind. Das waren die Winter der Jahre 1928/29, 1939/1940, 1941/1942, 1946/47 sowie 1962/1963.

„Der letzte XXL- Winter liegt also schon 51 Jahre zurück. Damals war selbst der Rhein über weite Strecken hinweg zugefroren. Betrachtet man alle fünf Extremwinter so stellt man fest, dass diese in einem Zeitfenster von nur 35 Jahren anzutreffen sind“ so Diplom-Meteorologe Dominik Jung vom Wetterportal wetter.net (www.wetter.net).

Eine bestimmte Regelmäßigkeit kann man aus dem Auftreten der Extremwinter nicht feststellen. Auffällig ist die Häufung ausgerechnet in den Kriegsjahren bzw. kurz danach. Das waren für die Menschen damals denkbar ungünstige Zeiten für Extremwinter, allerdings hält sich die Natur nun mal nicht an historische Ereignisse.

Schon allein bei der Definition eines Extremwinters gibt es keine genauen wissenschaftlichen Vorgaben. Die oben aufgeführten fünf Winter brachten allesamt viel Kälte, Eis und Schnee und das über einen längeren Zeitraum. In der Regel kann man das beispielsweise an der Kältesumme festmachen. Die Kältesumme beschreibt die Tage, an denen die gemittelte Temperatur nicht über den Gefrierpunkt hinausgekommen ist. Liegt diese Kältesumme deutlich über dem langjährigen Durchschnitt (den es für jeden Ort bzw. Region in Deutschland jeweils getrennt zu definieren gilt), so kann man von einem Extremwinter sprechen.

Seit 1962/63 hat es nun keinen Extremwinter mehr gegeben. Ganz im Gegenteil: Man hat beobachtet, dass die Winter langsam immer milden wurden. Oftmals hatte der Atlantik im Winter das sagen. Er schickte Deutschland oftmals viel Wind, milde Luft und Regen. Ein Höhepunkt waren sicherlich die 90er Jahre. Damals gab es am Rhein und seinen Nebenflüssen gleich zwei Mal ein Hochwasser was als ein hundertjährliches Ereignis eingestuft wurden: einmal das Weihnachtshochwasser 1993 und dann das Hochwasser kurz darauf im Januar 1995.

Vivian (1990), Wiebke (1990), Anatol (1999) und Lothar (1999) waren die bekanntesten Orkane und auch mit die schadensträchtigsten. Diese Namen dürften noch vielen Menschen in Erinnerung sein. Aber auch das neue Jahrtausend brachte mit Jeanett (2002), Gudrun (2005), Kyrill (2007) und Emma (2008) einige schwer Orkane hervor.

Die Winter der 90er waren sogar so überragend auf mild getrimmt, dass der ein oder andere Klimaforscher Anfang des neuen Jahrtausends „Winter mit Eis und Schnee“ für Deutschland gleich ganz absagen wollte- ein völlig voreiliger Schritt wie wir heute wissen. Fakt ist auch, dass die Klimaprognosen von vor 20 Jahren mehrheitlich eine Bruchlandung hingelegt haben. Das ging sogar soweit, dass die Klimaforscher in ihrer Ratlosigkeit von einer „Atempause bei der Klimaerwärmung“ sprechen – nichts Genaues weiß man nicht!

In den letzen fünf Jahren sind die Winter allesamt normal bis leicht zu kalt ausgefallen. Die Serie der extrem milden Winter scheint beendet. Den wärmsten Winter seit Beginn der Wetteraufzeichnungen gab es ohnehin erst 2006/2007. In diesem Jahr überschlugen sich quasi die Horror-Mild-Winter-Szenarien der Klimapropheten. Es war fast so, als habe dies der Winter gehört und er beschloss fortan wieder ein kalter Geselle zu werden.

Wie dem auch sei, seit nun mehr fünf Jahren hat die Zahl der Westwindwetterlagen deutlich abgenommen bzw. sogar nahezu komplett eingeschlafen. Das haben statistische Auswertungen und Untersuchungen von wetter.net (www.wetter.net) ergeben. Die letzten Winter waren mehrheitlich durch Hochdruckwetterlagen geprägt. Größere Stürme wie noch in den 90er Jahren traten nicht mehr auf.

„Ob diese Serie nun fortgesetzt wird und Mitteleuropa vielleicht sogar auf einen neuen Extremwinter zusteuert kann man selbst als Diplom-Meteorologe heute natürlich noch nicht mit Sicherheit sagen. Aber die Wahrscheinlichkeit für einen neuen XXL- Winter hat deutlich zugenommen. Neue Theorien gehen davon aus, dass verbreitete Eisschmelze am Nordpol dafür sorgen könnte, dass es in Europa wieder deutlich kältere Winter gibt. Es ist nämlich ganz und gar nicht so, dass sich das Klima weltweit nur erwärmen würde. Es gibt Regionen in denen wird es tatsächlich wärmer, aber auch ebenso Regionen in denen es kälter wird“ erklärt Wetterexperte Jung.

Der aktuelle Langfrist- Trend deutet für 2013/2014 auf einen normalen bis leicht zu kalten Winter hin – bezogen auf das langjährige Mittel von 1961 bis 1990. Gefühlt wäre das für die meisten Menschen wieder ein recht kalter Winter. Man muss es so sehen: gerade jüngere Menschen kennen fast nur die milden Winter der 90er Jahre. Für die waren die Winter der jüngsten Zeit etwas völlig Neues.

Den ersten winterlichen Vorgeschmack gab es in Deutschland schon letzte Woche. Es kam im Süden zu teils kräftigen Schneefällen und schon jetzt führte das zu einem kleinen Chaos: Straßen- und Schienenverkehr waren unterbrochen, Schulen und Kindergärten geschlossen.

Quelle: www.wetter.net