Wetter: Sommer 2014 – hopp oder top?

Morgen ist Siebenschläfertag! Das ist der Tag an dem das Telefon eines Meteorologen kaum still steht, denn jeder möchte wissen, wie denn nun das Wetter der kommenden sieben Wochen wird.

Immerhin besagt die Regel: „Wie das Wetter am Siebenschläfertag, so es in den kommenden sieben Wochen bleiben mag“.

Die Regel ist in dieser Ausführung allerdings Unsinn. Lesen Sie dazu bitte auch am Ende das vollständige Interview mit Diplom-Meteorologe Dominik Jung vom Wetterportal wetter.net (www.wetter.net). Vielmehr muss man sich nämlich den Zeitraum Ende Juni bzw. Anfang Juli anschauen. Und daraus kann man tatsächlich mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit ableiten, wie der Sommer werden könnte. Wetterlagen die sich in diesem Zeitraum einstellen, bleiben dann nämlich oftmals für einige Wochen erhalten. Dies ist anhand von Messdaten nachweisbar!

Aber selbst der morgige Siebenschläfertag könnte diesmal Auskunft der kommenden Wochen geben, denn er wird wohl genau so werden, wie die kommenden 10 Tag: leicht wechselhaft! Wir erwarten morgen insgesamt einen freundlichen Freitag, der durchaus 6 bis 12 Sonnenstunden bringen kann. Dabei ist der Süden mal wieder im Vorteil. Dort wird es am freundlichsten und wärmsten. Dort sind bis zu 28 Grad möglich. Aber auch sonst müssen wir bei 21 bis 25 Grad nicht zittern. Während es anfangs noch recht freundlich ist, kann es dann aber nachmittags und abends einzelne Schauer und Gewitter geben- es ist also ein eher wechselhafter, wenn auch warmer Sommertag.

Und so geht es dann auch in den nächsten Tagen weiter. Hier mal stellvertretend die Wetterentwicklung für Frankfurt am Main bis zum 7. Juli, dem eigentlichen Siebenschläfertag. Bitte beachten Sie, dass dies ein Trend und keine Prognose ist:

Freitag (27. Juni): 26 Grad, wolkig
Samstag: 25 Grad, Schauer
Sonntag: 18 Grad, Gewitter
Montag: 19 Grad, stark bewölkt
Dienstag: 22 Grad, heiter
Mittwoch: 24 Grad, heiter
Donnerstag: 25 Grad, wolkig
Freitag: 28 Grad, wolkig
Samstag: 30 Grad, heiter
Sonntag: 31 Grad, heiter
Montag (7. Juli): 27 Grad, wolkig

An diesem Wetterverlauf sieht man, dass eigentlich bis zum 7. Juli die gesamte Wetterpalette abgedeckt ist. Die Temperaturen pendeln in diesem Zeitraum allein in Frankfurt zwischen 18 und 31 Grad, also zwischen unterkühlt und Hitze. Fazit: Es könnte es wechselhafter Sommer mit kühleren und wärmeren bis hin zu heißen Abschnitten werden. So eine Hitzewelle wie um Pfingsten wird uns sicher bis Ende August noch ein oder zwei mal begegnen.

„Auch das Langfristmodell des amerikanischen Wetterdienstes geht von einer ähnlichen Wetterentwicklung für den Sommer 2014 aus. Es sieht in seinen Berechnungen viel Durchschnitt“ so Wetterexperte Jung.

Wie auch immer der Sommer 2014 ausfällt, er wird es sehr wahrscheinlich mal wieder keinem recht machen können, denn „Wetter“ ist meist eine sehr subjektive Angelegenheit. „Wir haben bei wetter.net User, die sehen einen Sommer nur dann als schön an, wenn es täglich 30 Grad plus X und Sonne von Juni bis August geben würde. Andere wiederum wünschen sich einen Sommer mit Werten von maximal 25 Grad. Fragen Sie doch mal auf der Straße 10 Personen, was für sie schönes Sommerwetter ist. Ich wette Sie bekommen eine Vielzahl an verschiedenen Antworten“ so Jung.

Oftmals unterscheidet sich das subjektive Empfinden sogar stark von der Faktenlage. So empfanden sicher einige den Juni als kühlen und wechselhaften Monat?

Die Faktenlage sagt allerdings etwas völlig anderes. Deutschlandweit war der Juni bisher:

– 1,2 Grad wärmer als im langjährigen Mittel
– brachte erst 40 Prozent des normalen Monatsniederschlags
– erfüllte sein Sonnenscheinsoll schon zu 105 Prozent

Der Juni 2014 ist also derzeit zu warm, zu trocken und zu sonnig. Besser geht´s eigentlich kaum…so freundlich wie dieser Juni war kein Juni der letzten 10 Jahre gewesen.

Zum Siebenschläfertag ein Interview mit Diplom-Meteorologe Dominik Jung von wetter.net:

1. Woher kommt der Name „Siebenschläfertag“?

Viele denken beim Namen Siebenschläfer sicherlich an das gleichnamige mausähnliche Tierchen. Daher kommt der Name jedoch nicht und er hat auch rein gar nichts mit ihm zu tun. Das ganze geht zurück auf eine Legende zur Zeit der Christenverfolgung unter dem römischen Kaiser Decius. Sieben Christen wurden damals laut Legende gefangengenommen und lebendig eingemauert. 195 Jahre später, am 27. Juni 446, wurden sie zufällig entdeckt, wachten auf, bezeugten den Glauben an die Auferstehung und starben kurz später. Dieser Gedenktag ist seither der Siebenschläfertag.

2. Ist der Siebenschläfertag tatsächlich am 27. Juni?

Nein. Der Siebenschläfertag wäre in der heutigen Zeit eigentlich erst am 7. Juli. Schuld daran ist Papst Gregor XIII. Im Jahr 1582 führte er eine Kalenderreform durch. Damals wurden aus dem Kalender quasi 10 Tage entfernt. Daher wäre das korrekte Datum des Gedenktags Siebenschläfer heute eigentlich erst der 7. Juli.

3. Kann uns der Siebenschläfertag wirklich den Sommer vorhersagen?

Fakt ist: Aufgrund der Wetterlage an einem einigen Tag kann man keine Aussage über den Wetterverlauf der kommenden Tage oder Wochen treffen. Dafür ist dieses Zeitfenster viel zu klein. Untersuchungen haben allerdings ergeben, dass der Zeitraum zwischen Ende Juni und Anfang Juli interessant für den weiteren Verlauf des Sommers ist. Wir müssen also vielmehr von einem Siebenschläferzeitraum sprechen. Dieser Zeitraum ist eine meteorologische Singularität. Wetterlagen um diesen Zeitraum, dauern mit einer recht hohen Wahrscheinlichkeit auch die nächsten Wochen an. Die Wetterregel ist zunächst aufgrund von Beobachtungen von Bauern und Mönchen entstanden. Man hatte schon damals erkannt, dass es da eine hohe Wahrscheinlichkeit zwischen dem Wetter um Siebenschläfer und dem Wetterverlauf der folgenden Wochen gibt.

Statistische Auswertungen haben ergeben, dass die Regel besonders in Süddeutschland eine hohe Trefferquote von 60 bis 70 Prozent aufweist. In München liegt die Eintreffwahrscheinlichkeit sogar bei 80 Prozent. Solch hohe Trefferquoten sind bei Bauernregeln eher die Ausnahme und daher sehr ungewöhnlich. Mit jedem Kilometer weiter Richtung Norddeutschland lässt die Trefferwahrscheinlichkeit allerdings nach. Das liegt einfach daran, da dann Nord- und Ostsee mit ins Spiel kommen und dort ist das Wetter generell immer wechselhafter als im Rest des Landes.

4. Wie wird denn nun der Sommer 2014?

Wie der Sommer wird, das weiß heute natürlich noch kein Mensch zu sagen. Das wird auch immer wieder von wetter.net betont. Wettervorhersagen sind heutzutage nur 5 bis 10 Tage in die Zukunft möglich. Alles war darüber hinausgeht ist lediglich als klimatologischer Trend anzusehen, ähnlich wie bei den Klimaforschern, wenn sie versuchen uns die durchschnittlichen Temperaturen der kommenden 50 bis 100 Jahre zu bestimmen. Wenn wir uns nun tatsächlich auf die Siebenschläferregel beziehen, dann sieht es für den gesamten Zeitraum Ende Juni und auch Anfang Juli nach eher nach leicht wechselhaftem, regional aber auch relativ warmen Sommerwetter aus. Die Temperaturen liegen Anfang Juli nach einem ersten Trend meist zwischen 17 und 27 Grad, wobei die tieferen Werte im Norden und Osten und die höheren Temperaturen im Westen und Süden erwarten werden. Ein stabiles Hoch scheint sich in diesem Zeitraum nicht aufzubauen und somit auch kein stabiles Sommerwetter. Es gibt vielmehr einen Wechsel aus sonnigen Phasen und Abschnitten mit Schauern und Gewittern.

Aufgrund dieses ersten Trends deutet vieles auf einen typisch mitteleuropäischen Sommer hin und die sind nun mal von der wechselhaften Art. Einen extremen Hitzesommer wie 2003 mit wochenlangen Hitzewellen ist nach aktuellem Stand genauso unwahrscheinlich wie ein verregneter und kühler Sommer.