Wetter: Weiße Ostern 2014?

Winterfreunde werden diesen Winter auf eine harte Probe gestellt. In ganz Deutschland ist Schnee nahezu Mangelware.

Die aktuelle Schneehöhenliste von heute morgen 7 Uhr liest sich sehr dürftig. Selbst auf der Zugspitze liegen für dortige Verhältnisse nur magere 145 cm. Vor einem Jahr hatten wir dort um die gleiche Zeit fast 3 Meter Schnee und selbst im Flachland war oftmals eine geschlossene Schneedecke anzutreffen, stellenweise bis zu 20 cm hoch.

Doch heute Morgen sieht alles etwas anders aus:

Großer Arber 30 cm
Fichtelberg 14 cm
Zinnwald 7 cm
Brocken 6 cm
Rügen 4 cm
Zwiesel 3 cm

„Wintersportgebieten wird angesichts dieser Zahlen wahrscheinlich leicht schwindelig. Selbst für den Einsatz von Schneekanonen war es diesen Winter bisher über weite Strecken einfach zu mild“ so Diplom-Meteorologe Dominik Jung vom Wetterportal wetter.net.

Für weiter Teile Mittel- aber auch Osteuropas ist der Winter 2013/2014 bisher weitgehend ein Total-Ausfall. Anders sieht es dagegen in Nordamerika aus. Dort gab es in den letzten Wochen einen ungewöhnlich harten Winter mit einer Kälte, wie es sie dort seit Jahrzehnten nicht mehr gegeben hat.

Dazu ein kurzes Interview mit Wetterexperte Dominik Jung:

1. Wieso hat sich der Winter bisher so gut wie gar nicht blicken lassen?

Anders als in den letzten Jahren hat sich die ganz große Kälte diesmal von Europa fern gehalten. Die letzten Jahre war sie oft sehr nah und konnte immer wieder rasch nach Mitteleuropa vorstoßen. Diesen Winter dominierte bisher die sogenannte Westwindwetterlage. Das heißt das Wetter kam für Mitteleuropa und Deutschland aus Westen, also direkt vom Atlantik. Und das dortige Wasser ist wie eine Heizung. Die zahlreichen Tiefs, die aus Westen herangezogen sind konnten daher nur milde Luft zu uns bringen. Dazu gab es dann meist auch noch Niederschläge, die fielen aufgrund der milden Luft allerdings selbst in den Hochlagen meist nur als Regen. Der Winter spielte sich dagegen woanders ab. Der nordamerikanische Kontinent erlebt genau das andere extrem: Ungewöhnlich tiefe Temperaturen und teils heftige Schneefälle. Das kann man quasi auch als Ausgleich für unser mildes Wetter hier in Europa sehen. Die Tiefdruckautobahn vom Atlantik nicht abreist, wird sich in Sachen Winterwetter bei uns weiterhin nichts tun. Zwar ist die kalte Luft mittlerweile etwas näher an Mitteleuropa herangerutscht, aber die Tiefdruckgebiete vom Atlantik halten stark dagegen. Ob der Winter jedoch einen totalen Blackout hinlegt, muss sich erst noch zeigen!

Während Winterfreunde und Betreiber von Wintersportanlagen derzeit weitgehend Frust schieben, dürften sich aber auch viele Menschen über das milde Winterwetter freuen. Im öffentlichen Verkehr gibt es so gut wie keinerlei witterungsbedingte Behinderungen und auch die Kommunen freuen sich über wenig Winterdiensteinsätze. Immerhin können wir uns in einem Punkt freuen: Wir müssen weniger heizen!

2. Die Prognosen sagten im Herbst einen eher kalten Winter voraus, stellenweise war sogar von einem Jahrhundert-Winter zu lesen! Wieso kam alles anders?

Einige internationale Wetterdienste erstellen sogenannte Klimatrends für die kommende Jahreszeit. Der Klimatrend des amerikanischen Wetterdienstes ging im Herbst zeitweise von einem besonders kalten Januar und Februar aus. Das sind – wie ich an dieser Stelle immer wieder betone – nur Trends und eben keine klassischen Wettervorhersagen. Ein Trend kann so kommen, muss er aber nicht. Er ist eine unterhaltsame meteorologische Spielerei und macht zumindest einen kleinen Blick in die wettertechnische Zukunft möglich. Die Trefferwahrscheinlichkeit bei diesen Klimatrends ist aber deutlich geringer als bei Wetterprognosen für die kommenden Tage. Diesmal lag der Trend bisher ziemlich daneben. Ein eher „zu kalter“ Winter wurde von dem Langfristmodell CFS berechnet, bisher war der Winter 2013/2014 aber deutlich zu mild. Unter Winter verstehen wir Meteorologen übrigens den Zeitraum vom 1. Dezember bis zum 28. Februar. Wir orientieren uns nicht an den kalendarischen Jahreszeiten.

Ein Jahrhundert-Winter war übrigens zu keinem Zeitpunkt im Klimatrend auszumachen. Das war eine echte Falschmeldung. Ein Trend über Monate ist schon sehr unsicher, Extremereignisse wie einen Jahrhundert-Sommer oder Jahrhundert-Winter kann man damit schon gar nicht ausmachen.

Die Vorhersagen Richtung Monatsende sehen keine große Wetteränderung. Es bleibt für die Jahreszeit überwiegend zu mild. Der Februar müsste demnach extrem zu kalt ausfallen, damit der Winter in der Gesamtbilanz noch „normal“ oder sogar „leicht zu kalt“ ausfallen könnte. Danach sieht es derzeit eher nicht aus…aber wer weiß!

3. Selbst Prognosen für die kommenden 4 bis 5 Tage sind derzeit eher ungenau. So wurde letzte Woche für diese Woche eine „Schneewalze und Eiswinde“ angekündigt. Beides blieb aus- sind die Prognosen diesen Winter schlechter als sonst?

Derzeit sind sich die milde Atlantikluft und die kalte Sibirienluft über Europa sehr nahe gekommen und liegen nur noch wenige hundert Kilometer voneinander entfernt. Dabei ist selbst bei Prognosen auf wenige Tage im voraus nur schwer vorherzusagen wie sich die ganze Sache entwickelt. Letzte Woche gingen einige Kollegen wohl davon aus, dass die sibirische Kaltluft den Durchbruch zu uns schaffen könnte. Doch das war eine falsche Annahme wie wir heute wissen. Allerdings hätte man eine ähnliche Lehre auch aus den Ereignissen der letzten Wochen ziehen können, denn immer wieder wurden Kaltlufteinbrüche für Deutschland in den Prognosen simuliert, die dann doch einfach nicht gekommen sind. Ständig hat sich der vermeintliche Wintereinbruch immer wieder nach hinten verschoben. So war es auch in diesem Fall. Die milde Atlantikluft hat derzeit einfach immer die Nase vorn und lässt der Kaltluft wenig Spielraum. Die Prognosequalität ist also nicht schlechte geworden, sondern es ist derzeit aufgrund der Großwetterlage

4. Wird es zu Ostern wieder weiß wie 2013?

Letzten Jahr hatten wir das Phänomen, dass es an Osten kälter als an Weihnachten war und zudem Schnee gab. Der Winter 2012/2013 hatte sich bis in den April hinein gezogen. Das ist dieses Jahr natürlich auch möglich. Allerdings liegt der Ostersonntag in diesem Jahr volle 3 Wochen später als im vergangenen Jahr. Am 20. April ist in diesem Jahr Ostern. Natürlich sind auch im April noch Schnee- und Graupelschauer möglich. Das wir 10 Tage vor dem 1. Mai allerdings noch tiefwinterliches Wetter in Deutschland haben, dürfte eher unwahrscheinlich sein.