Wetter: Wetterexperte: „In Zukunft mehr kalte Winter!“

Der letzte richtig milde Winter liegt nun fünf Jahre zurück.

Die nachfolgenden waren verglichen mit dem langjährigen Mittel der Jahre 1981 bis 2010 allesamt kälter bzw. mindestens durchschnittlich. Kein Winter war seit damals wärmer als der Durchschnitt.

Zudem wurden in den letzten Winter wiederholt Kälterekorde gebrochen, die oftmals über 50 Jahre alt waren. Das passt alles nicht zu den Klimaprognosen, die einige Forscher vor 10 bis 20 Jahren abgegeben haben. Damals hieß es noch, dass es in Deutschland zukünftig keine Winter mehr mit Eis und Schnee geben würde. Genau das Gegenteil ist nun der Fall. Jeder Winter der jüngeren Vergangenheit brachte neue Kälte- und Schneerekorde.

Der Trend zu kälteren Wintern könnte sich auch zukünftig fortsetzen. Aktuellen Untersuchungen zufolge schmilzt der Eis der Arktis ab. Das hat Auswirkungen auf die gesamte Wetterlage der Nordhalbkugel. Die Folge: es kommt auf dem Atlantik zu weniger Tiefdruckwetterlagen und vor allem im Winter würde es demnach mehr Hochdruckwetterlagen geben. Und genau die bergen im Winter ein erhöhtes Risiko für intensive Kältewellen“ erklärt Diplom-Meteorologe Dominik Jung vom Wetterportal wetter.net.

Wenn sich im Winter ein kräftiges Hoch über Nordeuropa aufbaut und dort dann festsetzt, dann kann mit einem strengen Ostwind eisige Kälte nach Mitteleuropa und damit nach Deutschland strömen. Sämtliche Tiefdruckgebiete, die uns vom Atlantik aus mit milder Luft erreichen könnten, werden dadurch von uns fern gehalten. Eine besonders extreme Entwicklung dieser Art konnten wir im Februar 2012 beobachten. Die damalige Kältewelle brachte in Europa über 600 Todesopfer.

Generell kühlt es im Winter aber auch bei hohem Luftdruck und damit wenig Luftbewegung über Land ziemlich rasch ab. In den unteren Luftschichten sammelt sich die kalte Luft. Auf den Bergen kann es dann oftmals sehr sonnig und mild sein. Unten in den Niederungen ist es dann aber sehr trüb und grau, mit Frost und Reif.

„Wetter.net hat die Großwetterlagen der letzten 23 Jahre im Winter untersucht und konnte tatsächlich feststellen, dass die Zahl der Hochdruckwetterlagen insgesamt zugenommen haben. In den Wintern der 90er-Jahre waren noch die Tiefdruckwetterlagen bestimmend. Damals brachten diese viel Wind und Regen. Wir erinnern uns hier an den Orkan Wiebke oder an das Jahrhunderthochwasser am Rhein und seinen Nebenflüssen im Jahr 1993 und 1995. Diese Westwindwetterlagen haben in den letzten Jahren deutlich an Häufigkeit zugunsten von Hochdruckwetterlagen verloren“ so Wetterexperte Jung.

Tendenziell könnten daher auch zukünftig auf Deutschland vermehrt kalte Winter zukommen. Die langfristige Entwicklung des Klimas hängt von einer Vielzahl von Faktoren ab. Wie diese alle letztlich zusammenhängen und zusammenwirken ist bis heute noch nicht klar. Die Klimamodelle, die die Forscher vor 10 bis 20 Jahren bemüht haben, berücksichtigten häufig nur zwei oder drei Faktoren oder vernachlässigten einfach andere wichtige Faktoren. Diese waren/sind daher nur bedingt brauchbar…