Widerstand gegen Neubaupläne

Bei der Vorstellung der Pläne der Deutschen Bahn für das Chemnitzer Eisenbahnviadukt an der Annaberger Straße am Dienstagabend haben sich die Stadträte geschlossen für den Erhalt des Bauwerks ausgesprochen.

Zur außerplanmässigen Sitzung des Planungs-, Bau- und Umweltausschusses informierten die Vertreter der Bahn über die Ergebnisse der technischen Planung. Die Varianten einer Sanierung der historischen Stahlbaubrücke und eines modernen Neubaus wurden dabei gegenüber gestellt.

In einer Expertenrunde hatte man sich darüber geeinigt, dass eine Ertüchtigung des mehr als einhundert Jahre alten Viadukts möglich sei. Demnach könnten durch eine Verstärkung der Gleise in Mittellage die Anforderungen der Bahn an die Brücke erfüllt werden.

Nachteile wären nach Meinung des Sachverständigen allerdings die hohen Kosten von rund 20 Millionen Euro und eine Bauzeit von mehr als vier Jahren. Ein Neubau sei mit etwa 12 Millionen Euro deutlich günstiger und schneller zu bewerkstelligen.

Diesem Ergebnis widersprach allerdings ein weiteres Mitglied der Expertenrunde, Professor Werner Lorenz. Er hält zum einen die angesetzten Sanierungskosten für zu hoch und die Neubaukosten für zu niedrig kalkuliert.

Auch die Landesdenkmalbehörde schloss sich den Zweifeln am Gutachten der Deutschen Bahn an. Im demnächst beginnenden Planfeststellungsverfahren würde man außerdem auf die Bedeutung des einzigartigen Bauwerks hinweisen.

Auf Seiten der Stadträte hatte man sich nach den Ausführungen der Experten klar positioniert.

Fraktionsübergreifend forderte man aufgrund der bisherigen Entwicklung ein Umdenken der Deutschen Bahn – das heisst: Sanierung und Ertüchtigung statt Abriss und Neubau der Brücke.  Das Eisenbahnviadukt sei ein denkmalgeschütztes Wahrzeichen von Chemnitz, das zur Identität der Stadt gehört.

Zudem wurde ein unabhängiges Gutachten gefordert. Es könne nicht sein, dass die Abwägung zwischen Erhalt und Abriss ausgerechnet das Planungsbüro vornimmt, das den Zuschlag für den Neubau erhalten hat.

Die Deutsche Bahn will ihre Pläne noch einmal zeitnah in einer Bürgerinformationsveranstaltung der breiten Öffentlichkeit vorstellen.