Wie die Dresdner politisch ticken

Neue Repräsentativbefragung der TU Dresden zeigt, dass der Vorwurf, Dresden sei besonders fremdenfeindlich, nicht haltbar ist. Mehr dazu unter www.dresden-fernsehen.de +++

Eine im Februar durchgeführte telefonische Umfrage unter 511 repräsentativ ausgewählten Dresdnern zeigt, dass der Vorwurf, die Stadt sei besonders fremdenfeindlich, nicht haltbar ist. Die Mehrheit der Dresdner findet es gut, wenn Stadt und Land Sachsen Geld ausgeben, um Flüchtlingen zu helfen (59 Prozent stimmen „voll und ganz“ oder „eher“ zu), 57 Prozent begrüßen es, wenn ausländische Fachkräfte nach Dresden kommen und jeder Zweite ist bereit, selbst etwas für Flüchtlinge zu tun, die in Not sind. Dies sind einige der Ergebnisse einer Studie am Institut für Kommunikationswissenschaft unter Leitung von Prof. Wolfgang Donsbach.

Der Vorteil der Studie besteht darin, dass bei vielen Fragen Vergleiche mit Ergebnissen anderer Befragungen möglich sind. Auf diese Weise können die Befunde für Dresden eingeordnet werden. Zum Beispiel stimmen in Dresden nur 16 Prozent der Aussage zu, die Ausländer kämen zu uns, „um unseren Sozialstaat auszunutzen“, nicht mehr als im gesamten Bundesgebiet (17 Prozent nach einer Studie der SPD-nahen Friedrich-Ebert-Stiftung im vergangenen Jahr). Die Dresdner vertreten sogar weniger als die Westdeutschen die Auffassung, „es leben zu viele Ausländer in Deutschland“ und wollen auch nicht stärker die Zuwanderung von Muslimen in unser Land verhindern. Die Vergleichsdaten stammen hier vom Institut für interdisziplinäre Konflikt-und Gewaltforschung der Universität Bielefeld aus dem Jahr 2012. Die Tatsache, dass diese Daten noch vor den großen Gräueltaten des „Islamischen Staats“ und den Anschlägen in Paris erhoben wurden, die Dresdner Umfrage aber danach stattfand, spricht zusätzlich für eine in dieser Hinsicht moderate Haltung der Dresdner.Allerdings sind die Dresdner etwas nationalistischer. Deutlich stärker als der deutsche Durchschnittsbürger treten sie für ein „hartes und energisches Durchsetzen deutscher Interessen gegenüber dem Ausland“ (35 im Vergleich zu 17 Prozent) und für mehr „Mut zu einem starken Nationalgefühl“ ein (41 zu 36 Prozent, Vergleich: Ebert-Stiftung). Immerhin jeder fünfte Dresdner und damit etwas mehr als der Rest des Landes meint auch, „wer schon immer hier lebt, sollte mehr Rechte haben, als die, die später zugezogen sind“(Vergleich: Studie der Universität Bielefeld).

Die Zahlen sprechen für einen leicht erhöhten Nationalstolz, aus dem sich dann auch ein bedenklicher Chauvinismus speist (Anderen Rechte absprechen). Aber auch diese Einstellungen vertritt eine Minderheit voneinem Drittel der Dresdner: 21 Prozent stimmen voll und ganz, 11 Prozent eher zu.Die Pegida-Anhänger gingen vor allem aus Furcht vor einer „Islamisierung“ auf die Straße. Wie verbreitet sind diese Sorgen in der Dresdner Bevölkerung? Am stärksten fürchten die Dresdner den islamistischen Terror: 41 Prozent haben „sehr große Sorgen“ davor. Dass „religiöse Konflikte bei uns ausgetragen werden“, bereitet jedem Vierten Sorgen. Die eher kulturellen Veränderungen –das an den Rand drängen unserer Sprache und Kultur (15 Prozent) und die eine Veränderung des Stadtbildes durch zu viele Einwanderer (10 Prozent) beschäftigen nur eine Minderheit. Leider liegen hierzu keine Vergleichsdaten aus dem Rest des Landes vor. Man kann daraus jedoch nicht ableiten, dass ein großer Teil der Dresdner eine kulturelle „Islamisierung des Abendlandes“ fürchtet. Aber die Dresdner sind größere „Putin-Versteher“. Fragt man, welche Länder Partner für Deutschland seien, „denen man vertrauen kann“, dann nennen 39 Prozent Russland. Damit kommt Putins Reich zwar auch in Dresden immer noch nach Frankreich, Großbritannien und den USA. Aber hier wird Russland mehr als doppelt so häufig eine vertrauensvolle Zusammenarbeit zugetraut wie im Bundesgebiet insgesamt (17 Prozent, DeutschlandTrend von Infratest-dimap).

Quelle: Institut für Kommunikationswissenschaft an der TU Dresden