Wie feiert die Welt Weihnachten? Internationale Weihnachtsbräuche im Vergleich

Weihnachten ist ein Fest mit vielen Traditionen und mit unterschiedlichen Bräuchen. Wie wird das Fest der Liebe und Besinnlichkeit in anderen Ländern gefeiert? In diesem Beitrag sind verschiedene Weihnachtsbräuche rund um den Globus zusammengetragen.

Weihnachten wird je nach Land unterschiedlich gefeiert.

 

Großbritannien – Glücksbringer im Dessert und „Boxing Day“

Bei den Briten werden die Geschenke am Morgen des Ersten Weihnachtstages ausgepackt. An Heiligabend („Christmas Eve“) werden diese vom Weihnachtsmann („Father Christmas“) gebracht und unter den Weihnachtsbaum gelegt. Im Rahmen des opulenten Weihnachtsessens gibt es zum Festmahl am ersten Weihnachtstag traditionell einen Truthahn („Turkey“), der entweder mit Backpflaumen und Äpfeln oder mit Hackmasse und Brot gefüllt ist. Eine typische Nachspeise ist der „Christmas Pudding“, der mit Brandy übergossen und dann kurz entflammt wird. Eine Silbermünze oder ein anderer Glücksbringer sind als Überraschung im Pudding versteckt. Weitere typische Nachspeisen sind der „Mince Pie“ oder ein Obstkuchen mit Marzipan, der mit Zuckerguss überzogen und mit Weihnachtsschmuck verziert ist.

Der Truthahn ist in Großbritannien ein typisches Weihnachtsessen.

 

Den Zweiten Weihnachtstag bezeichnet man als den so genannten „Boxing Day“ (wörtlich übersetzt „Geschenkschachtel-Tag“). Früher erhielten Lieferanten, Händler oder Bedienteste von ihren Arbeitgebern an diesem Tag Geschenke in der „Christmas Box“. Heutzutage bekommen Briefträger, Müllentsorger, der Milchmann oder andere Berufstätige, die über die Feiertage ihren Dienst verrichten, ein Trinkgeld für ihre Tätigkeit. Als Feiertag ist das Datum für den Boxing Day der 26. Dezember. Fällt dieser Tag auf ein Wochenende, wird er auf den ersten oder zweiten darauffolgenden Werktag verschoben. Das genaue Datum orientiert sich an der nationalen oder regionalen Gesetzgebung der Mitgliedsländer im „Commonwealth of Nations“. Hierbei handelt es sich um einen losen Staatenbund, in dem aller Mitgliedsländer vollkommen souverän agieren. Die größte Bedeutung hat der Boxing Day im Vereinigten Königreich (Großbritannien und Nordirland) sowie in Australien, Kanada, Neuseeland, Südafrika, Hongkong und Uganda.

 

 

Sport am Boxing-Day

In England, Wales, Schottland und Nordirland werden am Boxing Day nach Angaben von n-tv typischerweise Lokalderbys im Fußball und Rugby sowie Pferderennen ausgetragen. In der englischen Fußball-Premier League ist dieser Tag beispielsweise als regulärer Spieltag angesetzt. Für die Fans hat dieser Tag eine spezielle Bedeutung, traditionell schaut sich die gesamte Familie das Spiel ihres Vereins im Stadion an. Früher ermöglichte der Boxing Day als Feiertag den Arbeitern ein Besuch im Stadion, dies machte den Fußball in England populärer.

 

Abschluss der Weihnachtszeit in Großbritannien im Januar

Der 26. Dezember markiert eigentlich den letzten Tag des Weihnachtsfests in Großbritannien. Bis zum Jahr 1752 haben die Briten Weihnachten nach dem Julianischen Kalender  am 6. Januar gefeiert. Aus diesem Grund heißt dieser Tag bis heute „The Twelth Day Of Christmas“. Der Julianische Kalender wurde von Gaius Julius Cäsar ins Leben gerufen, wie in dieser Chronik dargelegt ist. Neben dem Julianischen Kalender waren die Altägyptische Zeitrechnung, der altrömische Kalender, der drei Kalender der Maya sowie der gregorianische Kalender von großer Bedeutung, da diese eine von einer höheren Macht vorgegebene Ordnung des Kosmos darstellten. Der gregorianische Kalender ist heutzutage weltweit etabliert.

Am 6. Januar findet ein traditionelles Ritual namens „Mari Lwyd“ (englisch: „Grey Mare“, übersetzt etwa „Graue Stute“) statt, bei dem eine als Pferd verkleidete Person zusammen mit anderen Personen ohne Kostüm von Tür zu Tür geht. Die Gruppe stimmt an jeder Haustür Lieder an und erhofft sich dafür im Gegenzug hereingelassen und mit Essen und Getränken versorgt zu werden. Mittlerweile konzentriert sich dieses Ritual geografisch auf den Süden und Südosten von Wales.

In Australien fällt die Weihnachtszeit in den Hochsommer.

 

Australien – Christmas in kurzer Hose und am Strand

Die Weihnachtsbräuche in Australien sind denen in Großbritannien und den USA sehr ähnlich. So findet die Bescherung auf dem 5. Kontinent auch am 25. Dezember statt, zum Festmahl werden auch in Australien in vielen Familien ein Putenbraten und der traditionelle Christmas Pudding zubereitet. Der große Unterschied sind die unterschiedlichen Jahreszeiten, das Fest der Liebe und der Besinnlichkeit fällt in Down Under mitten in den Hochsommer. Dementsprechend sind keine schneebedeckten Häuser und pelztragende Weihnachtsmänner zu sehen, der australische Santa Claus bewegt sich bevorzugt auf einem Surfbrett fort. Am ersten Weihnachtstag stehen Familienausflüge auf dem Programm. Diese enden in den meisten Fällen mit einem Picknick am Strand oder mit einem BBQ im Park.

 

Südafrika – Einflüsse aus der britischen Küche sind unübersehbar

Südafrika ist grundsätzlich stolz auf seine afrikanischen Traditionen, während der Weihnachtszeit sind die Spuren der kolonialen Vergangenheit jedoch unübersehbar. Kulinarische Vermächtnisse wie Christmas Cake, Mince Pie, Yorkshire Pudding oder Scottish Shortbread sind an nahezu jeder Straßenecke zu finden, während der Feiertage werden die gleichen Papierhütchen getragen, die auch in Großbritannien traditioneller Bestandteil des Weihnachtsfests sind.

Aufgrund der klimatischen Verhältnisse in den Ländern auf der Südhalbkugel – in den Wintermonaten ist dort Sommerzeit – sind klassische europäische Weihnachtsgerichte eigentlich unpassend. Bei den heißen Temperaturen stehen eher leichte Speisen auf dem Tisch und nicht der typische schwere Weihnachtsbraten. Südafrikanische Familien veranstalten über die Feiertage ein Picknick am Strand, dabei werden Zutaten und Gerichte aus der britischen und der nationalen Küche miteinander kombiniert. Fleisch wird in Salate gemischt und der traditionelle Christmas Pudding als Eistorte serviert. Zur Feier des Tages wird trotz der hohen Temperaturen auch mal ein Truthahn gegrillt.

 

Weihnachten an der Copacabana feiern

In Brasilien fallen die Adventszeit und die Weihnachstage ebenfalls in den Hochsommer, vor allem im Nordosten des Landes herrscht über die Feiertage tropische Hitze. Viele Brasilianer feiern Weihnachten unter Palmen am Strand mit einem Bier oder Caipirinha in der Hand – Glühwein und Punsch passen nicht zur dortigen Jahreszeit und zum vorherrschenden Strandgefühl. Den sommerlichen Temperaturen zum Trotz ist der Panettone, ein italienischer Hefekuchen, der nach typischem Rezept mit kandierten Früchten versehen ist, als Nachspeise an Weihnachten beliebt. Während das italienische Weihnachtsdessert im ganzen Land bekannt ist, gibt es den Christstollen, den deutsche Einwanderer nach Brasilien brachten, nur im Süden zu kaufen.

In Brasilien wird Weihnachten auch am Strand gefeiert.

 

Auch die Hauptspeise während der weihnachtlichen Feierlichkeiten ist von europäischen Einflüssen geprägt. In nahezu allen Landesteilen Brasiliens gehört ein gebackener Truthahn auf den Speiseplan. Dieser wird unter anderem mit tropischen Früchten wie Maracuja, Ananas oder Carambola zubereitet. Reis oder Kartoffelsalat mit Äpfeln und Rosinen sind die Beilagen.

 

Spanien – Zweimal Festmahl in der Weihnachtszeit

Bereits einige Wochen vor dem Weihnachtsfest kommen Familien zu einem großen Festmahl zusammen. Unternehmen und Behörden sowie Vereine laden ihre Mitarbeiter und Mitglieder ebenfalls zum ersten Weihnachtsschmaus ein. Da in Spanien die eigentlich Bescherung erst am Dreikönigstag im Januar stattfindet, steht an den Weihnachtsfeiertagen der kulinarische Genuss im Vordergrund. An Heiligabend und am ersten Weihnachtstag muss das Essen zwei Kriterien erfüllen: Es muss schmackhaft sein und es muss viel auf dem Tisch stehen. Dabei zeigen sich bei der Zubereitung die unterschiedlichen regionalen Einflüsse. In Galicien und Navarra werden Meeresfrüchte bevorzugt verzehrt, bei den Basken sind Glasaale (junge Aale) sehr beliebt. Im südlichsten Teil Spaniens, in Andalusien, liege der Fokus beim Hauptmahl auf Fleisch. Neben dem Truthahn, der im ganzen Land als Weihnachtsessen bekannt ist, bereiten die Andalusier Lammbraten und gebratene Ferkel zum Festmahl zu.

Beim Nachtisch dreht sich laut SPIEGEL ONLINE alles um Turrón. Diese ursprünglich aus Alicante stammende Spezialität besteht aus Honig, Mandeln, Zucker, Eiweiß, Nougat und Nüssen, mittlerweile wird der Turrón immer häufiger auch noch mit Schokolade versehen. Die traditionelle Nachspeise wird in Andalusien butterweich serviert, in Galicien etwa steht die etwas härtere Variante auf den Essenstisch.

 

Bescherung findet im Januar statt

Am 6. Januar bringen in Spanien nicht der Weihnachtsmann oder das Christkind die Geschenke, sondern die Heiligen Drei Könige. Die Ankunft der drei Heiligen wird in vielen Regionen im Rahmen eines Umzugs gefeiert. Kinder, die übers Jahr unartig waren, bekommen anstelle von Präsenten essbare Kohlestücke vorgesetzt.

 

 

Schweden – Lucia-Fest und Weihnachtsessen auf Schwedisch

Jedes Jahr am 13. Dezember wird in ganz Schweden das Lucia-Fest gefeiert. An diesem Tag wird die heilige Lucia, die Lichterkönigin, mit Lichterzügen und Konzerten in Kirchen geehrt. Junge Mädchen, die in lange weiße Gewänder gehüllt sind, bilden Lucias Gefolge. Sie halten eine Kerze in der Hand und tragen einen Lichterkranz auf dem Kopf. Während der Lichterzüge schreiten die Mädchen durch die Städte und Dörfer, singen traditionelle Lieder und verteilen Süßigkeiten und Gebäck.

 

Julbord vor und an Weihnachten

Der „Julbord“ ist das traditionell schwedische Weihnachtsbuffet, das von Ende November bis zu den Weihnachtsfeiertagen in nahezu jedem Restaurant angeboten wird. An Weihnachten selbst wird es häufig nochmal im familiären Kreis zelebriert. Beim Julbord ist der Tisch mit schwedischen Spezialitäten gedeckt, es werden zum Beispiel marinierter Hering, gebeizter Lachs, Kartoffeln, Fleischklöße, verschiedene Wurstsorten, Leberpastete, Rippchen, Schweinesülze, Rote Beete Salat und „Lutefisk“ (ein Trockenfisch) serviert, dazu werden Käse und Brot gereicht. Der Reispudding ist eine traditionelle schwedische Nachspeise.

 

Weihnachtsbräuche weltweit – Unterschiedliche Sitten, aber auch einige Gemeinsamkeiten

Die landestypischen Bräuche und Traditionen an Weihnachten unterscheiden sich in vielerlei Hinsicht, doch beim Essen sind sich die Menschen der verschiedenen Länder und Kulturen einig: Das Festmahl muss schmackhaft sein und alle müssen richtig satt werden.

 

 

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