Wie radfreundlich ist Sachsen? Ergebnisse des Fahrradklima-Tests des ADFC Sachsen

In der Landeshauptstadt Dresden hat sich nach Ansicht der befragten Radfahrer nicht viel getan. Lediglich das Angebot an Leihfahrrädern hat sich vergrößert. +++

Stagnation beim „Fahrradklima“ in Sachsen: Sächsische Städte in fünf der 27 Kategorien Schlusslicht.

Beim ADFC-Fahrradklima-Test konnten Radfahrer bis Ende November 2014 ihre Meinung sagen und die Fahrradfreundlichkeit ihrer Stadt oder Gemeinde bewerten. Die Befragung umfasste 27 Fragen vom Fahrraddiebstahl über das Sicherheitsgefühl bis zur Oberflächenqualität der Radwege. 468 Städte haben es bundesweit in die Wertung geschafft.

In Sachsen haben es 23 Städte in die Wertung geschafft. Im Freistaat liegt Löbau mit einer Durchschnittsnote von 3,05 an erster Stelle.

Auch die Bewertung der einzelnen Kategorien zeigt, dass in manchen sächsischen Städten der Radverkehr noch nicht im Fokus der Rathäuser ist. In fünf der 27 Kategorien sind Städte in Sachsen Schlusslicht. Dabei handelt es sich um den Fahrraddiebstahl (Görlitz), das Fahren im Mischverkehr mit Kfz (Ebersbach), die Radwegweisung (Limbach-Oberfrohna), die Freigabe von Einbahnstraßen in Gegenrichtung sowie die Förderung des Radverkehrs in jüngster Zeit (beides Zschopau).

Im Vergleich zum Fahrradklima-Test vor zwei Jahren hat sich in der Gesamtbewertung wenig getan. Unter den drei großen Städten hat wieder Leipzig das Rennen gemacht (3,61). Auch Chemnitz (3,75), Freiberg (4,14) und Zwickau (4,39) konnten sich leicht verbessern. In der Landeshauptstadt hat sich nach Ansicht der Radfahrer im Vergleich zu 2012 nicht viel getan. Lediglich das größere Angebot an Leihfahrrädern wird deutlich besser bewertet als 2012 (+0,8).

Auffällig ist die große Zahl mittelgroßer Städte am unteren Ende der Bewertungsskala. Mit Zschopau, Freital, Ebersbach, Limbach-Oberfrohna und Olbernhau befinden sich fünf sächsische Kommunen auf den zehn letzten Plätzen der 292 Kommunen in der Kategorie unter 50.000 Einwohner.

In Sachsen ärgern sich Radfahrer zum Beispiel darüber, dass viele Einbahnstraßen für den Radverkehr nicht in beide Richtungen geöffnet werden. Bundesweit ist das eine der populärsten und einfachsten Maßnahmen zur Förderung des Radverkehrs. Doch in Sachsen wird davon kaum Gebrauch gemacht. Sehr viele Einbahnstraßen sind auch für Radfahrer in Gegenrichtung Tabu. Lediglich Leipzig, Löbau und Görlitz werden für ihre geöffneten Einbahnstraßen gut bewertet. Auch Freiberg zeigt, dass mehr geht. Die Silberstadt hat im Vergleich zu 2012 bei der Öffnung von Einbahnstraßen deutlich aufgeholt. Auf der Gesamtnote von 4,14 wird sich Freiberg dennoch nicht lange ausruhen können. Die im letzten Jahr gegründete ADFC-Ortsgruppe in Freiberg hat die meiste Arbeit noch vor sich.

„Dass in Sachsen nicht schlagartig überall holländische Verhältnisse herrschen können, sehen die Meisten ja ein. Es ist aber schon ärgerlich, wenn viele Kommunen nicht einmal solche preiswerten Möglichkeiten wie die Öffnung von Einbahnstraßen in Angriff nehmen. Die meisten Ideen scheitern nicht am Geld, sondern am Widerwillen manches Bürgermeisters, wenig Radverkehrs-Know-How der Bauabteilungen und natürlich auch an Personalmangel.“ sagt Konrad Krause, Geschäftsführer des ADFC Sachsen.

Im bundesweiten Vergleich lässt sich erkennen, dass die Städte, die in den vergangenen Jahren mit Nachdruck den Radverkehr gefördert haben, auch bessere Bewertungen im Fahrradklima-Test erhalten haben. Lokales Engagement von Bürgermeistern, Kommunalpolitikern und ADFC-Gliederungen kommt an. Dreh- und Angelpunkt für die Radverkehrs-förderung sind die Rathäuser und Stadtverwaltungen. „Der Bund steht beispielsweise mit zig Millionen für den Radwegebau an Bundesstraßen bereit. Wenn es mit dem Radverkehr voran gehen soll, ist hier in den nächsten Jahren mehr Engagement auf lokaler Ebene erforderlich als bisher.“ so Krause.

Außerdem hält der ADFC eine bessere Zusammenarbeit der verschiedenen Akteure auf Landesebene nötig. „Im Moment kocht in Sachsen jeder sein eigenes Süppchen, andauernd wird das Rad neu erfunden. Und nach einer Weile entdeckt jeder Landkreis für sich neu, dass ein viereckiges Rad wahrscheinlich nicht ganz so gut rollt wie ein rundes. Da geht unnötig viel Energie und auch Steuergeld verloren“ so Krause. Mehr Austausch zwischen den Akteuren führe dazu, dass alle effizienter arbeiten. In anderen Bundesländern gibt es zu diesem Zweck landesweite Radverkehrs-Arbeitsgemeinschaften von Kommunen und Landkreisen. „Ich würde mir sehr wünschen, wenn hier sowohl die Kommunen als auch das Land den Bedarf erkennen und entsprechend handeln würden“ so der ADFC-Sprecher.

Der ADFC Sachsen wird die Ergebnisse detailliert auswerten und sich vor Ort für eine Verbesserung der Radverkehrsbedingungen einsetzen.

Quelle: ADFC Sachsen

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