Wie viel spenden Sie?

Sachsen: Die Schoko-Lebkuchen stehen im Supermarktregal und Weihnachten vor der Tür. Und damit auch die Zeit des Jahres, in der das Spendenaufkommen traditionell am höchsten ist. Zwischen Blätterabwurf und Bescherung trommeln Fundraiser:innen noch einmal intensiv, um Spenden für ihre Hilfsorganisation zu generieren.

Gesammelt wird in der Fußgängerzone, an der Haustür, in Internet & TV und auf dem Postweg via Spendenmailings. Letztere finden vermehrt ab Anfang November ihren Weg in die Briefkästen der Empfänger:innen, bestätigt Konrad Schmidt, Geschäftsführer der siblog GmbH Dresden. „Das Drucken und Versenden von Spendenbriefen begleitet uns als Lettershop durchs Jahr hindurch, die Vorweihnachtszeit macht aber nach wie vor den Löwenanteil aus.“ Doch wer spendet? Wie viel? Wofür? Wie viel spenden die Deutschen pro Jahr?

Das Spendenverhalten der Spender:innen wird jährlich im Auftrag des Deutschen Spendenrats in der GfK-Studie „Bilanz des Helfens“ untersucht. Laut Studie haben die Deutschen 2020 rund 5,4 Milliarden Euro gespendet. 2019 waren es 5,1 Milliarden Euro. Die Auswertung basiert auf den Aussagen der eigenen Organisationsmitglieder, auf Umfragen und Schätzungen. Kleinere Vereine und Hilfsprojekte wie der örtliche Sportverein werden hierin nicht erfasst. Des Weiteren bezieht sich die Summe auf Privatspenden, nicht auf die von großen Unternehmen.

© SACHSEN FERNSEHEN

Eine Besonderheit in 2020: die Corona-Krise. Das Marktforschungsinstitut GfK gibt an, dass die stärksten Spendenzuflüsse mit dem ersten harten Lockdown im Frühling und im zweiten harten Lockdown im Spätherbst/Winter zu verzeichnen waren. Und auch im Dezember spendeten die Deutschen deutlich mehr als im Vorjahr. Dennoch gibt es auch gegenteilige Erfahrungen am Spendenmarkt: Kirchen beklagten beispielsweise einen Rückgang der Kollekten durch nicht stattfindende Gottesdienste und auch vielen Spotvereinen sind die Einnahmen weggebrochen. Wie viel wird pro Kopf gespendet?

Laut Gfk-Studie liegt die durchschnittliche Spende für 2020 pro Spendenakt bei rund 40 Euro. Das sind 3 Euro mehr als im Jahr 2019. Seit Beginn der Erhebung im Jahr 2005 ist dies der Höchstwert. Die durchschnittliche Spendenhäufigkeit lag unverändert bei sieben. Jedoch zeigen die Zahlen auch: Immer weniger Menschen spenden. 2020 haben rund 19 Millionen Deutsche an gemeinnützige Organisationen oder Kirchen gespendet. Im Vergleich dazu waren es im Jahr 2019 noch etwa 500.000 Menschen mehr.

Bilanz 2021 bleibt abzuwarten

Das laufende Jahr ist durch die anhaltende Corona-Pandemie aus Fundraiser:innen-Sicht ebenfalls ein besonderes Jahr. Zudem löste die Hochwasserkatastrophe Mitte Juli, mit den am schlimmsten betroffenen Regionen Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westphalen, eine hohe Spendenbereitschaft bei den Deutschen aus. Allein die Sachsen spendeten binnen weniger Tage über das dafür eingerichtete Spendenkonto #SachsenHilft der sächsischen Wohlfahrtsverbände Fluthilfespenden in Höhe von mehr als 750.000 Euro (Stand 22. Juli 2021).

An wen wird gespendet?

Wer spendet muss sich entscheiden: einmalig oder regelmäßig? Und für welchen Zweck? So vielfältig die Probleme der Welt, so vielfältig ist auch das Spektrum der Hilfsprojekte. Sie widmen sich Themen wie: Tier- und Umweltschutz, Kinder- und Jugendhilfe, Not- und Katastrophenhilfe, Klima-, Kultur- und Denkmalschutz, Gesundheit, Kunst oder Frieden. Zu nennen sind auch Projekte für die Einhaltung von Menschenrechten oder für die Entwicklungszusammenarbeit. Ist das eigene Herzenzthema gewählt, gilt es einzukreisen, wem das Geld zufließen soll. Geht es an eine große, bekannte Hilfsorganisation, an eine kleinere oder lieber an einen Verein mit einem regionalen Projekt? Die Wirksamkeit von Hilfsorganisationen weist erhebliche Unterschiede auf, da lohnt es sich, genauer hinzuschauen! Was gilt es zu beachten?

Für was auch immer Sie sich entscheiden, sicher sollte Ihre Spende sein. Es gibt diverse Zertifikate und Siegel, die eine erste Orientierung geben.

  • Das DZI (Deutschen Zentralinstitut für soziale Fragen) prüft, ob die Organisation leistungsfähig ist, transparent arbeitet, gleichzeitig wirtschaftlich sparsam und ob sie sachlich und wahrhaftig informiert. Ferner wird geschaut, dass die eigenommenen Spenden den gemeinnützigen Zweck auch tatsächlich erfüllen. Eine Übersicht aller Organisationen mit DZI-Spendensiegel ist auf der Website einsehbar. Gleichwohl sind dort auch Organisationen aufgeführt, die das DZI für unseriös hält.
  • Ein weiteres Prüfverfahren bietet der Deutsche Spendenrat. Er vergibt ein von unabhängigen, externen Wirtschaftsgutachtern geprüftes Spendenzertifikat an seine Mitglieder und informiert Verbraucher:innen umfassend zum Thema Spenden.
  • Neben Siegeln und Zertifizierungen gibt es verschiedene Transparenzinitiativen und Selbstverpflichtungen, über die eine Organisation ihre Transparenz gegenüber der Öffentlichkeit zeigen kann. So zum Beispiel die Initiative Transparente Zivilgesellschaft.

Tipps

Die Entscheidung, für wen Sie spenden, bleibt jedem selbst überlassen. Experten raten Spender:innen, sich zum Thema „effektiv Spenden“ zu belesen, damit die eigene Spendensumme an eine Organisation geht, die diese mit maximaler Wirksamkeit einsetzt.

Wichtig ist, größere Spendensummen bis zu 150 Euro nicht in viele kleine Einzelspenden zu splitten, damit die Summe der direkten Hilfe zugutekommt. Denn, mit einer Splittung auf verschiedene Hilfsorganisationen steigt der Verwaltungsaufwand.

Spenden an gemeinnützige Organisationen können Sie von der Steuer absetzen. Für Beträge bis 200 Euro (300 Euro ab Steuerjahr 2021) reicht dem Finanzamt ein Buchungsbeleg als Nachweis. Bei größeren Beträgen sollten Sie sich von der Organisation eine Spendenquittung ausstellen lassen.

(Quellen: https://www.spendenrat.de/bilanz-des-helfens-2021/ https://www.medienservice.sachsen.de/medien/news/255163)