„Wir hätten das eher melden müssen…“ – Uni-Klinik gesteht Fehler bei Darmkeim-Vorfall ein

Wie vor wenigen Wochen bekannt wurde, hatte es am Leipziger Uniklinikum bereits vor zwei Jahren den ersten Infekt mit dem gefährlichen Darmkeim KPC gegeben. Die Klinikleitung gestand nun Fehler im Umgang mit dem Erreger ein. +++

Um eine weitere Verbreitung des Keimes zu verhindern, hat die Uniklinik angekündigt, eine Isolierstation für die infizierten Patienten einzurichten. Ingesamt gab es in Leipzig 63 bestätigte Fälle von KPC. Der multiresistente Keim ist dabei besonders gefährlich. In 30 Fällen sind die erkrankten Personen später in der Leipziger Klinik verstorben.

Dass es in Zukunft allerdings zu neuen Infektionen mit dem Darmkeim kommen kann, ist durchaus möglich. „Mit multiresistenten Keimen ist immer zu rechnen.“, so die Klinikleitung auf der Pressekonferenz am Montag.

Das Gesundheitsamt ist seit Anfang 2011 über den Keim informiert – etwas zu spät, wie der Medizinische Vorstand jetzt eingeräumt hat.

Hintergrund:
Der bisher in Nordeuropa wenig verbreitete KPC-Keim ist in den vergangenen Jahren bei uns auf dem Vormarsch, teilte das Universitätsklinikum weiter mit. Innerhalb von zwei Jahren wurde der Keim bei vielen Patienten am Klinikum nachgewiesen. Betroffen waren fast ausschließlich Menschen, die aufgrund schwerster Grunderkrankungen wie zum Beispiel einem Leberversagen behandelt wurden.

„Die im Rahmen der Ursachenfindung eingeleiteten Untersuchungen haben ergeben, dass es offenbar eine lange Latenzzeit zwischen Ansteckung und einem möglichen Nachweis des Keimes gibt“, erklärt Prof. Wolfgang E. Fleig von der Uniklinik Leipzig.

Über Patienten, die den Keim also schon in sich tragen, bei denen diese Übertragung aber noch nicht nachgewiesen werden konnte, sind unentdeckte Übertragungsketten denkbar. Die könnte eine Erklärung für den Ausbruch im Herbst 2010 sein.

„Die seitdem vereinzelt auftretenden KPC-Nachweise am UKL stehen nach unserem
Kenntnisstand nicht mit einer derzeit aktiven Quelle im UKL in Verbindung“, so Fleig weiter. „Es ist sehr wahrscheinlich, dass die Patienten den Keim wiederholt in das UKL mitbringen.“