Coronavirus – Aktuelle Situation und Wirtschaftliche Auswirkungen

Dresden - Schon über 1.100 Fälle in Deutschland meldet das Robert Koch Institut. Davon glücklicherweise erst knapp 20 in Sachsen. Es werden mittlerweile Kontrollen an der deutsch-tschechischen Grenze durchgeführt und Gesundheitsminister Jens Spahn rät, Großveranstaltungen abzusagen, um die Ausbreitung zu verlangsamen. Wie der aktuelle Stand in Sachsen ist und welche Schutzmaßnahmen gegen die Ausbreitung in Sachsen getroffen werden, darüber informiert das Gesundheitsministerium. Zudem gibt es einige wichtige Informationen über die Wirtschaftlichen Auswirkungen auf Sachsen und Unternehmen.

Aktuelle Informationen zu Krankheitsfällen in Sachsen und den Absagen von Veranstaltungen
Auswirkungen auf die Wirtschaft, Arbeitnehmer und Arbeitgeber

Aktuell habe man in Sachsen 18 Coronavirus-Fälle (Stand: 10.03.20. 13:00 Uhr), sagt die Sächsische Gesundheitsministerin Petra Köpping. Jedoch können jederzeit neue Meldungen beim Gesundheitsministerium eintreffen. Am Wochenende sei das Virus erstmals unter Sachsen weitergegeben worden, bestätigt die Ministerin. Damit könne man die Lage als 'ernst' bezeichnen.

"Wir sind mit Zunahme der Fallzahlen an einem Punkt angekommen, an dem wir feste Krisenstrukturen benötigen, um schnell entscheiden zu können, wie die Corona-Epidemie verlangsamt und eingedämmt werden kann.", so Köpping. Darum wurde im Kabinett beschlossen, künftig mit den Strukturen eines Krisenstabs zu arbeiten. Dieser hausinterne Stab koordiniert und beschließt alle weiteren Maßnahmen, die die Gesundheitsseite regeln kann. 

Die aktuelle Strategie sei noch immer, die aktuelle Ausbreitung des Virus zu verlangsamen. Das wichtigste Mittel dafür sei die Nachverfolgung der Infektionsketten. Alle infizierten Personen haben sich bisher sehr verantwortungsvoll verhalten, sagt Köpping und dankt den Bürgern für diese Eigenverantwortung. 

Zum Thema Veranstaltungen sagt die Ministerin, jeder solle eigenverantwortlich überlegen, welche Events notwendig sind und worauf man auch mal verzichten könne. Vor allem Bürger aus Risikogruppen seien dabei angesprochen. "Veranstaltungen, die von internationalen Gästen, vor allem aus Corona-Risikogebieten besucht werden, sollten abgesagt werden oder ohne Besucher stattfinden." Gleiches gelte auch für Kultur- und Sportveranstaltungen, aus denen Besucher aus anderen Bundesländern, wie z.B. NRW, Baden-Württemberg und Bayern erwartet werden. Eine Absage, so Köpping, sei für Sie keine Frage der Besucher- oder Zuschauerzahl, sondern eine Frage der Herkunft der Gäste.

Am Ende betonte die Ministerin noch mal, dass es wichtig sei, gegen das Virus gemeinsam anzugehen und appellierte an die Verantwortung der Mitmenschen.

Wirtschaftliche Auswirkungen

Im Anschluss an Petra Köpping erhielt Hartmut Mangold, Staatssekretär im Staatsministerium für Wirtschaft, Arbeit und Verkehr das Wort. Er sagt, zum gegenwärtigen Zeitpunkt habe man noch keine signifikanten Auswirkungen auf die Wirtschaft im Freistaat. Unternehmen in Sachsen, die mit chinesischen Firmen arbeiten, also Produkte liefern oder Teile für die Produktion beziehen, hätten Zwischenlager, die aktuell als Puffer dienen. Jedoch würde bis Mitte und Ende März deutlich werden, dass die teilweise stillgelegte Produktion in einigen chinesischen Gebieten eine Auswirkung auf alle europäischen und sächsischen Partner hat, so Mangold. 

Es wäre doppelt spürbar, da kaum Geräte in Deutschland produziert werden, die ohne Teile aus China auskommen. Zudem seien China und Italien zwei starke Absatzmärkte. Aber schon jetzt merken Dienstleister die finanziellen Ausfälle, zum Beispiel durch die Absage der Leipziger Buchmesse, die Caterern, Bäckereien etc. zusetzt, sowie Busunternehmen, die alle Italienreisen absagen. Es wird sich in der Gesamtheit erst im Laufe von März und April herausstellen, wie stark die Auswirkungen sind. Teilweise würden Produktionen in China schon wieder hochfahren, so der Staatssekretär, darum könne man nicht wissen, ob es sich um eine ökonomische Woge oder eine Welle handle.

Es wurden schon Möglichkeiten im Koalitionsausschuss in Berlin beschlossen, um wirtschaftlichen Engpässen entgegenzuwirken. Es gäbe nun eine Erleichterung für die Inanspruchnahme von Kurzarbeitergeld. Die Quote der betroffenen Belegung, die ein Unternehmen haben muss, wurde von 33% auf 10% heruntergesetzt. Der Zeitraum wurde von 12 auf 24 Monate erhöht und gelte nun auch für Leiharbeiter. 

Es gäbe auch jetzt schon finanzielle Unterstützungsmöglichkeiten für Unternehmen, die zukünftig in betriebswirtschaftliche Schwierigkeiten geraten. Die Sächsische Aufbaubank könne kurzfristige Direktdarlehen geben, wenn die Hausbank kein Darlehen genehmigt. Die KFW Bankengruppe kann zinsgünstige Betriebsmitteldarlehen geben, für die das Wirtschaftsministerium Bürgschaftserklärungen bis zu 80% ausstellen kann. Damit werde die Hausbank entlastet und das Unternehmen wieder liquider, so Hartmut Mangold.

Weiterhin gäbe es ein Infektionsschutzgesetz, welches einsetzt, sobald jemand wegen einer Quarantäne nicht der regulären Arbeit nachgehen kann. Arbeitnehmer hätten dabei einen Anspruch auf Fortzahlung des Nettogehalts. Der Arbeitgeber kann jedoch in den ersten sechs Wochen einen Ausgleich bei der Landesdirektion beantragen. Betroffene selbstständige können diesen Ausgleich unmittelbar beantragen, so der Staatssekretär. 

Ein weiterer Punkt sei, dass der Bund 'Exportgarantien' auch in die Regionen, die stärker vom Coronavirus betroffen sind, anbietet. Dies könne sich aber bei einer Verschärfung der ökonomischen Krise ändern.

Unternehmen, die Hilfe benötigen oder Fragen zu Krediten und wirtschaftlichen Engpässen haben, können sich bei einer eingerichteten Hotline der SAB, der Sächsischen Aufbaubank melden. Das Beratungszentrum Konsolidierung ist erreichbar unter: 0351 4910-3911, bzw. unter 0351 4910-3914.