Wo ist der Winter?

Das erste Winterdrittel nähert sich für die Meteorologen langsam aber sicher seinem Ende.

Und die Bilanz fällt diesmal ganz anders aus als im vergangenen Jahr. Letztes Jahr war der Dezember um 4,2 Grad kälter als im langjährigen Mittel (1961 bis 1990) von 0,8 Grad. Dieses Jahr ist der Dezember bisher um 2,9 Grad wärmer und reiht sich dieses Jahr damit in die Reihe der zahlreichen milden Dezembermonate ein, die es in den letzten 20 Jahren sehr häufig gab. Stellenweise sind sogar schon die ersten Frühblüher zu beobachten!

Der Dezember 2011 brachte nach dem trockensten Monat seit Beginn der Wetteraufzeichnungen zudem reichlich Niederschlag. Bisher sind deutschlandweit schon 160% der üblichen Mengen vom Himmel gekommen. Damit war der Monat um 60% nasser als sonst.

Das Sonnenscheinsoll ist gerade mal erst zu 55% erfüllt worden. Damit wird der Monat mit Sicherheit zu trüb ausfallen, denn bis Monatsende ist nur noch wenig Sonnenschein zu erwarten.

„Insgesamt entsprach der Dezemberverlauf bisher nicht voll den Erwartungen. Die Trends gingen im Vorfeld mehrheitlich von einem normalen bis leicht zu kalten Dezember aus. Dies ist nicht eingetreten! Gleichzeitig war Schnee jedoch nur für die höheren Lagen angekündigt. Das wiederum hat sehr gut gepasst. Eine Schneedecke findet man aktuell nämlich erst in Lagen über 700 Meter“ erklärt Wetterexperte Dominik Jung vom Wetterportal WETTER.NET.

In den Niederungen gab es meist Regen und das nicht zu knapp. Stellenweise brachte der Monat sogar leichtes Hochwasser.

Die Wintersportgebiete in den Alpen durften sich diesen Dezember über reichlich Schnee freuen. Hier und in Lagen über 700 Meter konnte ein weißes Weihnachtsfest gefeiert werden. Sonst blieb Weihnachten 2011 mehrheitlich grün. 2010 hatte es noch für alle Menschen in Deutschland ein weißes Weihnachtsfest gegeben. Das war damals aber auch eine Ausnahme: es war das erste weiße Weihnachtsfest für ganz Deutschland seit 1986 gewesen!

Warum legt der Winter bisher eine Zick-Zack-Fahrt hin?
Der Grund ist recht einfach. Seit Monatsanfang herrscht überwiegend Westwindwetter. Das bedeutet, dass vom Atlantik überwiegend milde Luftmassen nach Deutschland strömen. Ab und zu hat der Wind aber auch mal auf Nordwest gedreht. Dann würde es vorübergehend auch mal kühler und die Flocken erreichten auch die Niederungen und konnten stellenweise eine dünne Schneedecke bringen. Im letzten Dezember war das noch ganz anders. Da war der Nachschub an milder Luft vom Atlantik komplett abgeschnitten und aus Nordosten und Osten strömte direkt die sibirische Kaltluft zu uns.

Wie geht es weiter? Wird es denn im Flachland überhaupt noch mal winterlich?
Insgesamt geht das Zick-Zack-Winterwetter bis zum Jahreswechsel weiter. Zunächst bleibt es überwiegend mild. Ab Freitag wird es dann wieder kälter und die Schneefallgrenze sinkt auf 300 bis 400 Meter. Am Silvestermorgen kann es sogar bis in die Niederungen Flockenwirbel geben, später wird es wieder zunehmend Schneeregen sein – das wird beim Böllerzünden problematisch werden. Ins neue Jahr starten wir dann mit jeder Menge Regen und Tauwetter bis in höhere Lagen – die Pegelstände der Bäche und Flüsse steigen! Bis Januarmitte schaukelt der Winter dann weiter so vor sich hin. Während es in mittleren und tiefen Lagen meist regnet, rieseln in den höheren Lagen und in den Alpen die Flocken. Gerade in den Alpen trifft man auf ideale Wintersportbedingungen.

„Bis Monatsmitte kommt es zwar die kalte Luft aus Russland immer näher, es ist aber aus heutiger Sicht noch nicht klar, ob sie es auch bis zu uns schafft. Sollte das der Fall sein, wird die zweite Januarhälfte sehr winterlich und kalt ausfallen. Als Hochwinter gilt die Zeit zwischen Mitte Januar und Mitte Februar“ so Diplom-Meteorologe Jung.

Eine alte Bauernregel besagt übrigens: „Ist bis zum Dreikönigstag kein Winter, so kommt auch keiner mehr dahinter“.

Die milde Witterung bringt allerdings deutlich mehr Gewinner als Verlierer. Während wir letztes Jahr ohne Ende heizen mussten, kommen wir dieses Dezember mit einem deutlich geringeren Energieverbrauch hin. Die Fahrt zur Arbeit und zurück geht meist ohne witterunsgbedingte Störungen über die Bühne. Das gleiche gilt für den Bahn- und Flugverkehr. Zudem sparen die Kommunen Personal und Salz beim Winterdiensteinsatz.