YOLO – Dieses Stück nimmt sich die Zeit, Fragen zu stellen

Leipzig – Regisseurin Constanze Burger adaptierte zusammen mit den Theater-Kids des Theatriums das berühmte Werk Endes über den Zauber der Zeit „Momo“ mit dem Titel „YOLO – Zeit wächst nicht auf Bäumen“.

„Es gibt ein großes und doch ganz alltägliches Geheimnis. Alle Menschen haben daran teil, jeder kennt es, aber die wenigsten denken je darüber nach. Die meisten Leute nehmen es einfach so hin und wundern sich kein bisschen darüber. Dieses Geheimnis ist die Zeit.“

So beschreibt Michael Ende den Wert von Zeit in seinem weltberühmten Märchen-Roman „Momo“. Damals wie heute trifft diese Formulierung immer noch ins Schwarze. Oder ins Graue? Grau, wie eine Welt in der Zeit als Ressource gilt und der, der viel davon spart, reich ist.

Regisseurin Constanze Burger adaptierte zusammen mit den Theater-Kids des Theatriums das berühmte Werk Endes über den Zauber der Zeit mit dem Titel „YOLO – Zeit wächst nicht auf Bäumen“.

„Was ich dazugefügt habe, ist ein Vorspiel, in dem quasi erzählt wird, das Kind, was dann eben Momo heißt, mit ihren Eltern im Gespräch ist, beziehungsweise nur sie redet, sie hören ihr nicht zu, denn sie sind am Handy. Das ist der Aufhänger, um in dieses Spiel einzutauchen, weil sie dann laut schreit: Ich möchte in einer Welt leben, in der man mir zuhört.“, erklärt Constanze Burger, Regisseurin.

Im Amphitheater trifft Momo gespielt von Emilia Piotrowski – auf bekannte Charaktere wie Gigi den Fremdenführer, Beppo den Straßenkehrer und die Kinder der Stadt, deren Eltern, genau wie die von Momo, niemals Zeit haben.

Im Laufe des Stücks werden Fragen aufgeworfen, die wir uns viel zu selten stellen, weil wir keine Zeit mehr dafür haben.

In Vorbereitung auf das Stück haben die Kinder genau das getan. Sie philosophierten über Wert und Wirkung von Zeit. Dabei stellten sie schnell fest, dass nicht nur ihre Eltern zu wenig davon haben.

„Sie müssen für die Schule zu viel Zeit opfern, dass sie quasi nichts mehr hintendran machen können, außer Hausaufgaben. Theater-AGs wären dann eher schwierig. Ich hatte auch viele Kids, die nicht zur Probe kommen konnten, weil sie keine Zeit hatten. Das ist schon ein Thema, das im Denken weitergehen muss. Das hat mir sehr krass aufgestoßen, dass die kleinen Kids nicht mehr das machen können, was sie wollen, weil die Schule zu viel von ihnen abverlangt oder sie keine Zeit mehr haben“, so Burger.

Momo hat zwar nicht viel, aber eines hat sie im Überfluss: Zeit. Und die nutzt sie, um den Menschen der Stadt zuzuhören.
Eines Tages jedoch tauchen die grauen Herren auf, Agenten der „Zeitsparkasse“ die den Menschen das Sparen von Zeit schönreden wollen. Ein kalter Schleier aus grauem Rauch legt sich über der Stadt nieder. Statt im Hier und Jetzt zu leben und die Schönheit des Lebens zu genießen, hamstern die Leute ihre Zeit für spätere Lebtage.

Hauptdarstellerin Emilia Piotrowski hat diese Erfahrungen schon selber gemacht.

„Ich denke andere Menschen – so wie wir das im Stück beschreiben – trifft das schon recht gut. Vielleicht ist es ein bisschen übertrieben, aber bei vielen Menschen trifft das auf jeden Fall zu, dass sie sich zu sehr stressen und dann zu wenig Zeit haben. Ich finde, in der Schule kann man das schon gut beobachten, dass sich da viele Lehrer stressen und ich glaube, das konnte ich schon ganz gut auf die Rolle übertragen“, erklärt Emilia Piotrowski, die die Rolle der Momo übernimmt.

Gemeinsam mit den Kindern tritt Momo in den Streik und ruft zum Boykott der Zeitsparkasse auf. „YOLO“ – „You only live once“ – „Du lebst nur einmal“ heißt es da auf den Protestschildern.

Ob das bei den Menschen ankommt und was Momo noch alles passiert, wissen diejenigen, die die Geschichte kennen. Alle, die sie nicht kennen, sollten sich umgehende dieses Stück ansehen, denn es ist so humorvoll und weise, dass der 23. Juni Pflichttermin auch für jeden Erwachsenen sein sollte.