Zukunft der JVA Kaßberg

Vor genau zwei Jahren wurden die Häftlinge von der JVA auf dem Kaßberg in andere Gefängnisse verlegt.

Grund dafür war der marode Zustand des Gebäudes. Die Mängel beim Brandschutz stellten ein Sicherheitsrisiko für Häftlinge und Wachpersonal dar. Jetzt soll das geschichtsträchtige Gefängnis eine neue Nutzung erhalten. René Thierfelder berichtet.

Aus dem Ort des Schreckens soll ein Ort der Erinnerung werden. Hier waren nicht nur gewöhnliche Strafgefangene eingesperrt. Zu Zeiten des Nationalsozialismus und der SED-Diktatur war das Gefängnis Schauplatz systematischer Unterdrückung.

Rund 33.000 Häftlinge wurden hier bis 1989 von der BRD freigekauft. Nun soll in den Mauern der Haftanstalt ein würdiger Gedenkort eingerichtet werden. Das hat im vergangenen November der sächsische Landtag beschlossen.

Für dieses Ziel macht sich seit einem halbem Jahr der Verein „Lern- und Gedenkort Kaßberg-Gefängnis e.V.“ stark.

Die Mitglieder setzen sich für eine Nutzung ein, die der historischen Bedeutung der Haftanstalt gerecht wird.

Interview: Hanka Kliese (SPD) – Stellv. Vorsitzende „Lern- und Gedenkort Kaßberg-Gefängnis e.V.“

Geplant ist, dass perspektivisch der Standort der Stasiunterlagenbehörde von der Jagdschänkenstraße in das Kaßberg-Gefängnis zieht. Knackpunkt ist die Größe der ehemaligen JVA und ihr schlechter baulicher Zustand.

Doch auch hier zeichnet sich eine Lösung mit einem potentiellen Investor ab, der Wohnungsbau in dem denkmalgeschützten Ort einrichten möchte. Am Donnerstag fanden dazu erste Gespräche statt.

Interview: Hanka Kliese – (SPD) Stellv. Vorsitzende „Lern- und Gedenkort Kaßberg-Gefängnis e.V.“

Der Leiter der Stasi-Unterlagenbehörde Roland Jahn ist ein starker Befürworter des Projekts „Gedenkort Kaßberg-Gefängnis“. Nun müssen allerdings die finanziellen Weichen gestellt werden.

Schon im nächsten Doppelhaushalt des Freistaates soll auch der Gedenkort eine Rolle spielen.

Interview: Hanka Kliese – (SPD) Stellv. Vorsitzende „Lern- und Gedenkort Kaßberg-Gefängnis e.V.“

Dann könnte aus dem Schauplatz der Entrechtung nicht nur ein Ort der Erinnerung werden,
sondern auch behagliche Wohnräume entstehen.

Möglichweise gehen dann Chemnitzer ganz freiwillig hinter Gitter.