Zuwachs für die deutsche Biotechnologiebranche aus Dresden-Hellerau

Der Branchenführer QIAGEN aus Hilden und das Dresdner Biotechnologieunternehmen Biotype Diagnostic GmbH haben ein Joint Venture gegründet. +++

Künftig soll die Biotype Innovation GmbH Testverfahren für die Molekulardiagnostik entwickeln und in der DACH-Region vertreiben. Den weltweiten Vertrieb übernimmt QIAGEN. Seinen Hauptsitz wird das neue Unternehmen in Dresden-Hellerau haben – das stärkt zugleich den Live-Sciences-Inkubator im Dresdner Norden. „Das ist ein großer Erfolg für ein innovatives sächsisches Unternehmen und eine Stärkung der Zukunftsbranche Biotechnologie. Ich freue mich, dass es gelungen ist, ein Joint Venture zwischen Biotype Diagnostic und dem Weltkonzern Qiagen zu schließen“, sagt der sächsische Ministerpräsident Stanislaw Tillich. „Das bestätigt, wie richtig es seitens unserer Politik gewesen ist, auf Biotechnologie als ein Wachstumsfeld für Sachsens Wirtschaft zu setzen. Ich bin froh, dass die gute Vorarbeit nun durch privatwirtschaftliches Investment ausgebaut und verstetigt wird und wünsche den Partnern viel Erfolg und anhaltende Wertschöpfung“, erklärt Sachsens Ministerpräsident Tillich weiter.

JOINT VENTURE-PARTNER SETZEN AUF IMPULSE FÜR GESCHÄFTSENTWICKLUNG
„Sachsen ist ein guter Standort für uns“, betont Peer M. Schatz, Chief Executive Officer der QIAGEN. Schon vor einigen Jahren hat das in Deutschland gegründete Unternehmen in Leipzig sein weltweites Kompetenzzentrum für Veterinärdiagnostik etabliert. „Bei gemeinsamen Projekten in der Vergangenheit haben wir bereits die Stärken der Dresdner Biotype Diagnostic GmbH kennen und schätzen gelernt“, so Schatz. Aus dieser Zusammenarbeit erwuchs die globale Kommerzialisierung des industrieweit führenden Testportfolios für die Forensik von QIAGEN. „Die Tatsache, dass wir nun zum dritten Mal ‚Innovation Made in Sachsen‘ weltweit vermarkten, spricht für die sächsische Forschungs- und Entwicklungskraft. Deshalb haben wir positive Erwartungen an diese Partnerschaft, mit der Tests für unsere ModaPlex-Plattform entwickelt werden sollen. Wir erhoffen uns von der Biotype Innovation GmbH in den kommenden Jahren zusätzliche Impulse für die Weiterentwicklung unseres Geschäftes über verschiedene Technologieplattformen hinweg.“

„EXZELLENTE VORAUSSETZUNGEN FÜR STARKES WACHSTUM“
Neben Patenten bringt QIAGEN vor allem sein technologisches Netzwerk in die Partnerschaft ein. Biotype Diagnostic GmbH stellt neben Knowhow und Infrastruktur sein wissenschaftliches Netzwerk bereit. Das neu gegründete Unternehmen bezieht Räumlichkeiten in unmittelbarer Nachbarschaft der Biotype Diagnostic GmbH. „So wird die räumliche Nähe den Unternehmen ermöglichen, Synergien zu schaffen und Ressourcen gemeinsam zu nutzen“, erläutert Dr. Wilhelm Zörgiebel, Geschäftsführer der Biotype Diagnostic GmbH und Mitgründer des Joint Ventures. „Über die Technologie- und Kommerzialisierungsplattform von QIAGEN erhalten wir zudem Zugang zu neuen Kunden und Märkten. Somit erfüllt das Joint Venture exzellente Voraussetzungen für ein starkes zukünftiges Wachstum im weltweiten Markt für komplexe Diagnostikuntersuchungen“, so Dr. Wilhelm Zörgiebel weiter. Das Marktvolumen für diese komplexen Diagnoseverfahren liegt weltweit derzeit bei etwa zwei bis drei Milliarden Dollar und soll bis zum Jahr 2020 auf bis zu neun Milliarden Dollar steigen. Fünf Prozent hiervon sind für das Joint Venture adressierbar. Die Biotype Innovation GmbH hat den Geschäftsbetrieb bereits aufgenommen und nimmt im dritten Quartal 2015 auch ein Labor, ausgestattet mit modernster Technik, in Betrieb. Mittelfristig wird das Unternehmen bis zu 15 hochqualifizierte Arbeitskräfte beschäftigen und für weitere indirekte Arbeitsplätze bei Kooperationspartnern sorgen. „Und mit Dr. Karim Tabiti haben wir einen international erfahrenen Manager gefunden, der über eine umfangreiche Expertise im Diagnostikmarkt verfügt“, sagt Biotype-Gründer Dr. Wilhelm Zörgiebel. Unterstützt wurde die Ansiedlung des Joint Ventures durch die Wirtschaftsförderung Sachsen GmbH.

EINFACHES VERFAHREN FÜR DIE MULTIPLEX-DIAGNOSTIK
QIAGEN ist schon heute weltweit führend im Segment der molekularen Diagnostik. Von zunehmender Bedeutung sind in diesem Bereich Technologien, die die Analyse mehrere Gene gleichzeitig ermöglichen. QIAGEN hat hierfür die Analyse-Plattform ModaPlex entwickelt, die den gleichzeitigen Nachweis und die Charakterisierung von bis zu 100 unterschiedlichen molekularen Zielen erlaubt. Mit ihr lassen sich Testverfahren durchführen, die im Vergleich zu anderen Technologien wesentlich schneller, genauer und kostengünstiger sind – und damit gerade in der Medikamentenentwicklung und in anderen Bereichen mehr Produktivität und neue Innovationen ermöglichen. Ihre Kompetenzen in der Technologieentwicklung sowie im Design von komplexen Testverfahren werden QIAGEN und die Biotype Diagnostic GmbH nun in ihrem Joint Venture bündeln. „Dazu wird die ModaPlex-Plattform von QIAGEN mit den Test-Sets der Biotype Innovation GmbH, sogenannten Kits, kombiniert – vergleichbar mit dem Prinzip des iPhones, das mit zugehörigen Apps bestückt wird“, erklärt Dr. Karim Tabiti, General Manager bei der Biotype Innovation GmbH. „Die automatisierte Plattform verwendet zwei etablierte Verfahren – die Polymerase-Kettenreaktion (PCR) zur Vervielfältigung der Erbsubstanz DNA und die Kapillarelektrophorese (CE) als analytische Trennmethode. Ergänzt durch eine Spezialsoftware, ermöglicht es die ModaPlex-Techologie, DNA- und RNA-Ziele in einem einzigen Arbeitsgang zu erkennen und zu quantifizieren“, so Dr. Tabiti weiter. Krankheitserreger aufspüren, bevor Patienten Symptome zeigen So lassen sich mit dieser Methode verschiedene Krankheitserreger – Bakterien, Viren, Pilze und Parasiten – schnell und sehr präzise nachweisen, sogar noch vor dem Auftreten von Symptomen am Patienten. Das ermöglicht einen frühzeitigen Beginn der richtigen Therapie und kann über Leben und Tod entscheiden. Ein weiterer wichtiger Anwendungsbereich ist die sogenannte personalisierte Medizin. Denn Menschen reagieren unterschiedlich auf Medikamente. Das kann nicht zuletzt auch seine Ursache in der genetischen Disposition haben. Ein besseres Verständnis solcher Zusammenhänge hilft Ärzten bei der Suche nach der geeigneten Therapie für bestimmte schwere Erkrankungen, wie Lungen- oder Darmkrebs. Sie können dann eine wirksame Behandlung auswählen und zugleich jede unnötige Belastung der Patienten vermeiden. Zudem kann die ModaPlex-Plattform auch bei der Entwicklung neuer Medikamente sowie zur Kontrolle und Überwachung von Lebensmitteln eingesetzt werden. Branchenverband begrüßt neues Unternehmen für eine starke Biotechnologie „Wir freuen uns sehr über diesen Zuwachs“, sagt André Hofmann, Geschäftsführer des sächsischen Biotechnologie-Clusters biosaxony e. V. „Darin sehen wir auch eine Bestätigung unserer langjährigen Arbeit für den Standort. Dieses Joint Venture eines weltweit bedeutenden Konzerns mit einem etablierten sächsischen Biotech-Unternehmen erhöht die internationale Sichtbarkeit der Biotechnologie-Region Sachsen – und schafft ein gutes Argument für weitere Neuansiedlungen“, so Hofmann abschließend.