Zweitwärmster Winter seit 1961 in Dresden

Dresden – Die Bilanz des vergangenen Winters zeigt eindrücklich die klimatischen Veränderungen, denen wir bereits ausgesetzt sind. In den letzten drei Monaten war es die permanente Zufuhr von warmen Luftmassen, die einen kalten Winter verhinderte. Insgesamt birgt vor allem das Andauern von Wetterlagen Gefahren. So kann es wie in den vergangenen beiden Jahren zu langanhaltender Trockenheit und Hitzeperioden kommen. Andernorts beziehungsweise bei Verschiebung des Polarjets (atmosphärisches Starkwindband) können verheerende Hochwasser entstehen.

© Klaus Henneff
 

Schnee war Mangelware. Mit einer Durchschnittstemperatur von 4,4 Grad Celsius war der Winter 2019/2020 ungewöhnlich warm, sogar wärmer als ein durchschnittlicher März mit einem Monatsmittel von 3,8 Grad Celsius. Es war sogar der zweitwärmste Winter seit 1961. Nur im Winter 2006/2007 war es mit 4,6 Grad Celsius noch wärmer. Zum Vergleich: Die durchschnittliche Wintertemperatur liegt in Dresden Klotzsche nach international gültiger Referenzperiode 1961 bis 1990 bei 0,19 Grad Celsius. Im Referenzzeitraum fiel in Dresden im Mittel an durchschnittlich 20 Tagen Schnee.
Ursache für den sehr milden Winter war eine von Dezember bis Februar anhaltende West-/Südwestströmung, in der milde Luft vom Atlantik in unsere Breiten geführt wurde. So machte der Dezember mit einer Monatsmitteltemperatur von 4,4 Grad Celsius den Auftakt. Der Klimareferenzwert liegt bei 0,9 Grad Celsius. Dazu sorgte Hochdruckeinfluss für einen sehr sonnigen und trockenen Witterungsabschnitt. Mit 66 Sonnenstunden übertraf der Dezember den Vergleichswert 1961 bis 1990 um 50 Prozent. An weiße Weihnachten war mit fünf bis sieben Grad Celsius Tagesmitteltemperatur über die Feiertage überhaupt nicht zu denken.
Im Februar blieb es nicht nur viel zu mild, es wurde vor allem nass und sehr stürmisch. Insgesamt war es der zweitwärmste Februar seit 1961 mit einer Durchschnittstemperatur von 5,6 Grad Celsius. Nur 1990 war es mit 6,8 Grad Celsius noch wärmer. Die Sturmtiefs Sabine, Victoria und Yulia verursachten reichlich Turbulenzen, wobei die Windgeschwindigkeiten glücklicherweise geringer als bei Sturmtief Friederike von Januar 2018 blieben. Vor allem sorgten sie jedoch für eine permanente Zufuhr von Niederschlagsfeldern bis nach Sachsen. Ein schon ungewöhnliches Bild für die Dresdner: Im Februar regnete es an 21 Tagen. Insgesamt wurden 88 Millimetern in Dresden Klotzsche aufgezeichnet. Dies ist die höchste gemessene Regensumme in einem Februar seit 1961. Solch ein Regenrekord war schon lange nicht mehr zu vermelden. Für die nun beginnende Vegetationsperiode bleibt auf ein Anhalten der Niederschläge zu hoffen, da die Böden noch nicht gesättigt sind.
Der milde Winter 2019/20 wirkt sich auf Mensch und Natur aus. Zu hohe Temperaturen in der kalten Jahreszeit bringen die heimische Tier- und Pflanzenwelt aus dem Takt: Einige Pflanzen treiben zu früh aus und können dann von möglichen Spätfrosten geschädigt werden, da Blüten oder Fruchtansätze abfrieren. Allergiker leiden unter dem schon im Winter beginnenden Pollenflug. Schadinsekten, wie der Eichenprozessionsspinner oder Zecken, werden früher.aktiv. Auch Bienen und Hummeln verlassen bei zu milden Temperaturen eher als sonst ihre Winterquartiere. Die Nahrungssuche kann für sie so früh im Jahr zu einem Problem werden und die Bestände der Insekten gefährden.