Mi., 29.07.2026 , 14:31 Uhr

Vom begehrten Neubau zum stigmatisierten Viertel: Die Geschichte der Platte

100 Jahre Plattenbau: Wohntraum im Wandel

Vor 100 Jahren begann der Plattenbau. Einst begehrt, kämpfen viele Siedlungen heute mit Vorurteilen.

Die Geschichte des deutschen Plattenbaus begann 1926 in der Berliner Splanemann-Siedlung. Hinter den roten Fassaden der kleinen Häuser steckte bereits jene Bauweise, die später ganze Stadtteile prägen sollte: Vorgefertigte Betonteile ermöglichten einen schnellen und vergleichsweise günstigen Wohnungsbau. Ab den 1970er Jahren entstanden so Großsiedlungen wie Berlin-Marzahn, Halle-Neustadt oder Leipzig-Grünau. Auch in Westdeutschland wurde die Technik unter anderem in München-Neuperlach und Köln-Chorweiler eingesetzt. Besonders in der DDR galten die Wohnungen mit Zentralheizung, warmem Wasser und eigenem Bad als modern und begehrt.

Mit dem Mauerfall änderte sich die Situation vieler ostdeutscher Großsiedlungen grundlegend. Junge und gut ausgebildete Familien zogen weg, während gleichzeitig neue Wohnungen entstanden und Altbauten saniert wurden. Um die Jahrtausendwende standen in Ostdeutschland nach Schätzungen mehr als eine Million Wohnungen leer, zahlreiche Plattenbauten wurden abgerissen. Heute bieten viele Siedlungen noch immer vergleichsweise günstigen Wohnraum, Grünflächen und eine gute Verkehrsanbindung. Zugleich konzentrieren sich dort teilweise Armut und soziale Probleme. Stadtforscher warnen jedoch vor pauschalen Urteilen: Die Entwicklung unterscheidet sich von Viertel zu Viertel – Platte ist nicht gleich Platte.