Der sprunghafte Anstieg der Kraftstoffpreise hat in Sachsen bislang nicht zu einer auffälligen Zunahme von Dieseldiebstählen oder Tankbetrug geführt. Das geht aus Anfragen bei den fünf Polizeidirektionen im Freistaat hervor. Dennoch bleibt Kraftstoffklau für Polizei und Unternehmen ein Thema, das regelmäßig registriert wird – vor allem dort, wo größere Fahrzeugtanks leicht zugänglich sind.
Besonders häufig geraten Baustellen ins Visier von Dieben. Dort stehen Bagger, Raupen, Lkw oder andere Baumaschinen oft über Nacht im Freien und verfügen über deutlich größere Tanks als normale Pkw. Entsprechend hoch kann der Schaden ausfallen. In Dresden wurden Anfang März auf einer Baustelle am Rossendorfer Ring aus drei Fahrzeugen insgesamt etwa 630 Liter Diesel gestohlen. Auf einer weiteren Baustelle in der Neustadt zapften Unbekannte rund 500 Liter Diesel aus einer Raupe und einem Bagger ab.
Auch aus anderen Regionen Sachsens werden ähnliche Fälle gemeldet. Im Zuständigkeitsbereich der Polizeidirektion Leipzig wurden im März 16 Kraftstoffdiebstähle registriert. Besonders heraus stach ein Fall in Brandis: Dort entwendeten Unbekannte zwischen dem 23. und 25. März aus einer Tankstelle auf dem Gelände eines Agrarbetriebs insgesamt 13.000 Liter Diesel.
Die Polizeidirektion Chemnitz berichtete für März von steigenden Fallzahlen. In Chemnitz, Mittelsachsen und dem Erzgebirgskreis nahmen Beamte zwölf Fälle auf. Schwerpunkt waren auch dort Baumaschinen. In einem Steinbruch in Eibenstock wurden aus zwei Baggern insgesamt 500 Liter Diesel im Wert von rund 1.100 Euro gestohlen. Die gleiche Menge fehlte aus dem Tank eines Lastwagens am Rastplatz Auerswalder Blick an der A4. Zusätzlich wurden drei Fälle von Tankbetrug registriert, bei denen Fahrer nach dem Tanken davonfuhren, ohne zu bezahlen.
In Westsachsen sieht die Polizeidirektion Zwickau dagegen keine Auffälligkeiten. Dort wurden vom 1. bis 26. März fünf Kraftstoffdiebstähle bekannt. Unter anderem zapften Täter auf einem Parkplatz an der A72 bei Neuensalz rund 500 Liter Diesel aus dem unverschlossenen Tank eines Lastwagens ab. Der Schaden lag laut Polizei bei etwa 900 Euro.
Auch in Ostsachsen spricht die Polizeidirektion Görlitz bislang nicht von einer besonderen Häufung. Zu den markanteren Fällen zählt der Diebstahl von etwa 350 Litern Diesel aus zwei Baggern in Neuwiese-Bergen, einem Ortsteil von Elsterheide im Landkreis Bautzen. In einem weiteren Fall wurde ein 63-Jähriger auf einem Betriebsgelände im Industriepark Schwarze Pumpe von einer Kamera aufgenommen, als er Diesel im Wert von rund 100 Euro abzapfte.
Die Polizei rät angesichts der wiederkehrenden Fälle zu vorbeugenden Maßnahmen. Fahrzeuge sollten möglichst nicht vollgetankt und abgelegen im Dunkeln abgestellt werden. Abschließbare Tankdeckel, Alarm- und Überwachungsanlagen sowie gut gesicherte und beleuchtete Tankanlagen können das Risiko eines Diebstahls verringern. Vor allem in landwirtschaftlichen und gewerblichen Bereichen sieht die Polizei hier zusätzlichen Handlungsbedarf.