Dresden/Leipzig – In Sachsen haben die Sicherheitsbehörden im ersten Halbjahr insgesamt 13 sicherheitsrelevante Drohnenüberflüge über kritischer Infrastruktur und anderen besonders schützenswerten Einrichtungen registriert. Das geht aus einer Antwort des sächsischen Innenministeriums auf eine Anfrage des Linke-Innenpolitikers Rico Gebhardt hervor.
Der größte Teil der registrierten Vorfälle entfiel demnach auf den Bereich Transport und Verkehr. Hier wurden acht Fälle gezählt. Vier weitere Drohnenüberflüge betrafen den Energiesektor, ein Vorfall wurde dem Bereich Staat und Verwaltung zugeordnet.
Regional wurden die meisten Fälle in Leipzig und im Landkreis Nordsachsen erfasst. In beiden Gebieten registrierten die Behörden jeweils vier Vorfälle.
Welche Einrichtungen konkret von den Drohnen überflogen wurden, teilte das Innenministerium nicht mit. Als Grund wurden Sicherheitsinteressen genannt.
Personen- oder Sachschäden entstanden bei den 13 erfassten Fällen nicht. Die Verantwortlichen konnten allerdings nur selten ermittelt werden. Lediglich in drei Fällen gelang es, die jeweiligen Drohnenpiloten zu identifizieren.
Nach dem damaligen Stand der Ermittlungen ergaben sich bei den 13 Drohnenvorfällen keine Hinweise auf Spionage, Sabotage oder Terrorismus. Auch Anhaltspunkte für eine sogenannte hybride Bedrohung lagen demnach nicht vor.
Die vorliegenden Zahlen haben den Stand vom 8. Juli. Der Sprengstoff-Drohnenfund am Flughafen Leipzig/Halle ist darin deshalb noch nicht enthalten.
Auf einer Start- und Landebahn des Flughafens war in der Nacht zu einem Mittwoch eine Drohne mit einer Sprengvorrichtung entdeckt worden. Nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur aus Sicherheitskreisen wurden für den Sprengsatz Semtex und PETN verwendet. Die Bundesanwaltschaft übernahm die Ermittlungen.
Unabhängig von den registrierten Drohnenüberflügen beschäftigten sich die Sicherheitsbehörden in Sachsen im ersten Halbjahr mit acht weiteren Verdachtsfällen auf Sabotage oder mutmaßliche Ausspähungsversuche.
Sechs dieser Fälle wurden vorläufig als hybride Bedrohung eingestuft. Eine Beteiligung ausländischer staatlicher Stellen oder Nachrichtendienste konnte bislang jedoch in keinem dieser Fälle nachgewiesen werden.
Nach dem Vorfall am Flughafen Leipzig/Halle fordert Rico Gebhardt Konsequenzen. Der Linke-Innenpolitiker spricht sich dafür aus, die Möglichkeiten zur Erkennung von Drohnen in Sachsen auszubauen.
Der Freistaat müsse nach seiner Auffassung bei der Drohnen-Detektion nachlegen. Ziel müsse es sein, entsprechende Vorfälle insbesondere in besonders gefährdeten Bereichen schneller erkennen und unterbinden zu können.
Bereits im vergangenen Jahr waren in Sachsen 21 sicherheitsrelevante Drohnenüberflüge registriert worden. Betroffen waren dabei kritische Infrastruktur, militärische Einrichtungen und Rüstungsunternehmen.