Leipzig - Leipzig rückt zunehmend in den Fokus der Verteidigungsindustrie. Insgesamt 17 Unternehmen aus der Branche haben sich bislang mit Ansiedlungsanfragen an die Stadt gewandt. Das teilte Wirtschaftsbürgermeister Clemens Schülke (CDU) am Mittwoch in einer Sitzung des Leipziger Stadtrats mit. Mit fünf Unternehmen führe die Stadt derzeit aktive Gespräche. Die möglichen Vorhaben könnten nach Angaben der Verwaltung insgesamt rund 700 Arbeitsplätze schaffen.
Die Angaben wurden im Zusammenhang mit einer dringlichen Anfrage der Linksfraktion bekannt. Hintergrund sind die umstrittene Ansiedlung des US-amerikanischen Rüstungsunternehmens Covenant und die Pläne des Düsseldorfer Unternehmens Falk Defence, das ebenfalls Aktivitäten in der Region Leipzig aufbauen möchte.
Nicht alle Unternehmen, die Interesse an Leipzig zeigen, kommen für eine Ansiedlung infrage. Nach Angaben von Schülke hat die Stadtverwaltung sieben Anfragen bereits zurückgewiesen. Ein Grund dafür waren geplante Tätigkeiten, bei denen Sprengstoffe verarbeitet werden sollten.
In drei bis vier weiteren Fällen hätten sich die interessierten Unternehmen nach einer ersten Kontaktaufnahme nicht erneut bei der Stadt gemeldet.
Mit fünf Unternehmen steht die Verwaltung dagegen weiterhin im Austausch. Wie weit die einzelnen Gespräche fortgeschritten sind und welche konkreten Vorhaben dahinterstehen, ließ Schülke offen.
Die bisherigen Anfragen könnten nach seiner Einschätzung insgesamt etwa 700 neue Arbeitsplätze ermöglichen. Ob und wie viele davon tatsächlich entstehen, ist bislang unklar.
Zu den Unternehmen, deren Pläne in Leipzig für Diskussionen sorgen, gehört Falk Defence aus Düsseldorf. Die Firma möchte ein Raketenartilleriesystem aus europäischer Produktion entwickeln und sucht dafür perspektivisch einen Standort in der Region Leipzig.
Bereits seit März 2026 nutzt das Unternehmen nach Angaben der Stadt ein Büro mit angeschlossener Halle für Forschungs- und Entwicklungsarbeiten. Dort sollen weder Explosivstoffe gelagert noch verarbeitet oder getestet werden.
Die genutzten Räumlichkeiten befinden sich nicht im Eigentum der Stadt. Auch finanzielle Zusagen seitens der Leipziger Verwaltung habe es nach Angaben von Schülke nicht gegeben.
Wo Falk Defence künftig eine mögliche Produktion aufbauen möchte, steht noch nicht fest. Das Unternehmen hatte zuvor erklärt, dass seine Planungen noch nicht abgeschlossen seien. Deshalb könne es bislang keine konkreten Angaben zum Standort, zum zeitlichen Ablauf, zu Produktionsdetails oder möglichen Abnehmern machen.
Die Debatte über weitere Rüstungsunternehmen folgt auf die Ansiedlung des US-amerikanischen Raketenbauers Covenant in Leipzig. Das Unternehmen hat mit seinen Aktivitäten eine öffentliche Diskussion über die Rolle der Verteidigungsindustrie am Wirtschaftsstandort Leipzig ausgelöst.
Kritiker wenden sich gegen den Ausbau der Rüstungswirtschaft in der Stadt. Befürworter verweisen hingegen auf mögliche wirtschaftliche Chancen und neue Arbeitsplätze.
Am vergangenen Wochenende protestierten rund 400 Menschen gegen die Ansiedlung von Covenant. Die Demonstranten forderten, den Standort des Unternehmens in Leipzig zu schließen.
Auch im Internet formiert sich Widerstand. Eine Online-Petition des Bündnisses „Leipzig bleibt friedlich!“ hat inzwischen mehr als 11.000 Unterschriften gesammelt.
Wie sich die Rüstungsindustrie in Leipzig künftig entwickeln wird, lässt sich anhand der bisherigen Gespräche noch nicht abschließend beurteilen. Zwar zeigen mehrere Unternehmen Interesse an dem Standort, doch konkrete Entscheidungen zu den fünf laufenden Ansiedlungsgesprächen wurden im Stadtrat nicht bekanntgegeben.
Die Verwaltung macht zugleich deutlich, dass sie bestimmte Vorhaben, insbesondere im Zusammenhang mit der Verarbeitung von Sprengstoffen, nicht unterstützt.
Damit bleibt die Frage, in welchem Umfang Leipzig künftig zu einem Standort der Verteidigungswirtschaft wird, weiterhin Gegenstand der politischen Diskussion.
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