Sachsen - Sie liegt in der hinteren Ecke des Kleiderschranks und wurde schon seit Monaten nicht mehr getragen - gebrauchte Kleidung. Am 25. August ist Tag der gebrauchten Kleidung.
Vielen Menschen fällt es schwer, sich von ungetragener Kleidung zu trennen. Das ist das Ergebnis einer YouGov-Umfrage im Auftrag von eBay Kleinanzeigen. Ein Blick in die deutschen Kleiderschränke offenbart, dass dort im Schnitt acht Jeanshosen und 18 T-Shirts lagern. Doch getragen werden davon einmal im Monat nur etwa vier Hosen und elf T-Shirts. Das bedeutet für etwa die Hälfte der Anziehsachen ein weitgehend gefaltetes Leben hinter der Schranktür. Die meisten Menschen begründen das emotional: So gaben 38 Prozent an, bestimmte Kleidungsstücke nur zu besonderen Anlässen tragen zu wollen. Und 37 Prozent nehmen sich vor, selten getragene Klamotten wieder öfter anzuziehen. 29 Prozent können sich nicht von den Stoffen trennen und jeder fünfte Befragte (18 Prozent) habe eine emotionale Bindung zu seiner Garderobe.
Doch der 25. August, der Tag der gebrauchten Kleidung, könnte ein guter Anlass sein, um den Kleiderschrank auszudünnen, auch im Hinblick auf das Klima. Wie Dr. Henning Wilts, Leiter der Abteilung Kreislaufwirtschaft am Wuppertaler Institut sagte, benötigt die Herstellung einer Jeans etwa 3800 Liter Wasser, rund 25 gefüllten Badewannen. Auch die Schadstoffbelastung komme mit hinzu. Pro Kopf werden für den Konsum neuer Textilien im Jahr etwa 650 Kilogramm CO2-Emissionen verursacht. Das Bedürfnisfeld Bekleidung sei damit der viertschädlichste Sektor für das Klima, direkt nach Ernährung, Mobilität und Wohnen.
Deutlich wird es im Blick auf die Menge der produzierten Kleidung. Weltweit werden laut Angaben von Wilts jährlich 120 Milliarden Kleidungsstücke hergestellt, rund 53 Millionen Tonnen Textilien. Doch besonders ärgerlich sei der Aspekt der Nutzung. Viele Stücke würden gar nicht erst verwendet, da sie als Retouren vernichtet werden. Auch die Lebensdauer nehme immer weiter ab. So lande die Hälfte der Bekleidung innerhalb des ersten Jahres im Müll.
Mithilfe der Kreislaufwirtschaft könne dagegen vorgegangen werden. Abfall und Umweltverschmutzung werden vermieden, Produkte und Materialien bleiben im Gebrauch und natürliche Systeme werden regeneriert. Das ist gut für den Geldbeutel und für die Umwelt.
So sei der Handel mit Gebrauchtwaren eine Möglichkeit die Kreislaufwirtschaft zu betreiben. Paul Heimann, Geschäftsführer bei eBay Kleinanzeigen sagte, anders als im klassischen Onlinevertrieb müsse die angebotene Ware dort nicht erst produziert werden, sie existiere bereits. Sie liegen nur verschlossen in den Kleiderschränken des Landes.
Auch der Blick auf den Online-Kleinanzeigenmarkt zeigt das Potential. Am 17. August fanden sich insgesamt 287 388 Angebote für Jeanshosen. Würde jede Jeans einen neuen Besitzer finden und stattdessen keine neue produziert werden, könnten fast 1,1 Milliarden Wasser gespart werden. Auch rund 2900 Tonnen CO2-Emissionen würden vermieden werden. Der Weiterverkauf von gebrauchter Kleidung leistet somit einen großen Beitrag für den Klimaschutz.
Auch Dr. Henning Wilts ist der Meinung, dass der Kauf und Verkauf nicht mehr benötigter, aber noch gebrauchsfähiger Produkte jedem Einzelnen die Chance bietet, ganz unmittelbar zur Abfallvermeidung und zum Klimaschutz beizutragen.