Hohenstein-Ernstthal. Der Allgemeine Deutsche Automobil-Club (ADAC) verbindet mit dem vom Bundestag beschlossenen Sportfördergesetz die Hoffnung auf eine stärkere Berücksichtigung nicht-olympischer Sportarten. Nach Ansicht des Verbandes sollte auch der Motorsport bei der staatlichen Sportförderung künftig stärker in den Blick genommen werden.
Thomas Voss, Leiter Motorsport, Klassik und Veranstaltungen beim ADAC, erklärte am Rande des Motorrad-Grand-Prix auf dem Sachsenring, dass sich der Sport insgesamt neu ausrichten müsse. In der Vergangenheit habe die Förderung vor allem olympischen Disziplinen gegolten. Nicht-olympische Sportarten dürften jedoch nicht aus dem Fokus geraten. Der Motorsport gehöre zu den Bereichen, die gesellschaftlich und wirtschaftlich erfolgreich seien und weiterhin hohe Wachstumsraten verzeichneten.
Als Beispiele nannte Voss den Motorrad-Grand-Prix auf dem Sachsenring, zu dem an diesem Wochenende rund 250.000 Besucher erwartet werden, sowie das 24-Stunden-Rennen auf dem Nürburgring mit zuletzt rund 350.000 Zuschauern. Solche Veranstaltungen seien weit mehr als reine Sportereignisse. Sie hätten eine große Bedeutung für Tourismus, Hotellerie, Gastronomie und regionale Wirtschaft.
Nach Einschätzung des ADAC zählen die größten Einzelsportveranstaltungen Deutschlands zum Motorsport. Diese Bedeutung sollte sich aus Sicht des Verbandes auch in der öffentlichen Wahrnehmung und bei Förderentscheidungen widerspiegeln.
Der Bundestag hatte dem Entwurf des Sportfördergesetzes in dieser Woche zugestimmt. Kernstück der Reform ist die Gründung einer unabhängigen Spitzensportagentur mit Sitz in Leipzig. Die Einrichtung soll ab 2027 die Förderung von Verbänden und Athletinnen und Athleten koordinieren, Bundesstützpunkte weiterentwickeln und staatliche Fördermittel eigenständig vergeben. Ziel der Reform ist es, bürokratische Prozesse zu vereinfachen und die Leistungsfähigkeit des deutschen Spitzensports zu stärken.
Ob und in welchem Umfang nicht-olympische Sportarten künftig von den neuen Strukturen profitieren werden, bleibt abzuwarten. Der ADAC sieht in der Reform jedoch eine Chance, die Bedeutung des Motorsports stärker ins öffentliche Bewusstsein zu rücken.