Chemnitz - Menschen mit Rollstuhl, Rollator oder Kinderwagen finden im öffentlichen Nahverkehr von Chemnitz insgesamt gute Bedingungen vor. Zu diesem Ergebnis kommt eine bundesweite Untersuchung des ADAC. Der Automobilclub sieht in der Stadt jedoch auch noch Verbesserungsbedarf – insbesondere beim Ein- und Ausstieg sowie bei der Orientierung für blinde und sehbehinderte Menschen.
Für den Test untersuchte der ADAC insgesamt 149 Bus- und Straßenbahnhaltestellen in zehn deutschen Städten. In Chemnitz wurden vier Haltestellen auf Verbindungen zu wichtigen Zielen überprüft. Dazu gehörten Strecken zum Rathaus, zu einem Krankenhaus, zu einem Einkaufszentrum und zu einem Schwimmbad.
Die Tester bewerteten drei zentrale Bereiche: den Weg zur jeweiligen Haltestelle, die Ausstattung vor Ort sowie die Bedingungen beim Ein- und Ausstieg in Busse und Straßenbahnen.
Im Gesamtergebnis schnitt Chemnitz nach Angaben des ADAC überwiegend gut ab. Besonders positiv bewerteten die Tester die Auffindbarkeit der untersuchten Haltestellen. Auch das Platzangebot auf den Bahnsteigen wurde als Stärke hervorgehoben.
Damit bieten die geprüften Haltestellen grundsätzlich gute Voraussetzungen für Fahrgäste, die mit einem Rollstuhl, einem Rollator oder einem Kinderwagen unterwegs sind. Einschränkungen zeigten sich allerdings beim Übergang zwischen Bahnsteig und Fahrzeug.
Kritik äußerte der ADAC am schwellenfreien Einstieg in Busse und Straßenbahnen. Die empfohlenen geringen Abstände zwischen den Fahrzeugen und dem Bordstein seien bei den Überprüfungen häufig nicht erreicht worden.
Wie groß der Abstand tatsächlich ausfällt, hängt nach Einschätzung des Automobilclubs auch vom Fahrkönnen und von der Aufmerksamkeit des Fahrpersonals ab. Größere Lücken können insbesondere für Menschen im Rollstuhl oder mit Rollator ein Hindernis darstellen.
Weiteren Verbesserungsbedarf stellte der ADAC bei der Orientierung für blinde und sehbehinderte Fahrgäste fest. Bemängelt wurden unter anderem die Zuwegung zu den Haltestellen und die Gestaltung von Straßenquerungen in deren Umfeld.
Sitzgelegenheiten waren laut Untersuchung an fast allen geprüften Haltestellen vorhanden. An allen vier Standorten fehlten jedoch Bänke mit Armlehnen. Diese können Menschen mit eingeschränkter Mobilität das Hinsetzen und Aufstehen erleichtern.
Kritisch bewerteten die Tester zudem die Verkehrsführung an der Chemnitzer Zentralhaltestelle. Nach Einschätzung des ADAC kann die dortige Führung des Radverkehrs zu gefährlichen Situationen für sehbehinderte Menschen führen.
Der Automobilclub fordert deshalb, den barrierefreien Umbau von Haltestellen schneller voranzutreiben. Dafür müssten nach Auffassung des ADAC auch ausreichende finanzielle Mittel bereitgestellt werden.