Leipzig - Bei archäologischen Untersuchungen in Leipzig-Möckern ist das bislang älteste bekannte Grab im Leipziger Stadtgebiet entdeckt worden. Die rund 7.000 Jahre alte Bestattung stammt aus der Jungsteinzeit. Darüber hinaus fanden die Archäologen Spuren einer Siedlung mit mehreren Häusern aus derselben Epoche.
Grund für die Untersuchungen ist der geplante Bau eines neuen Grundschulkomplexes. Seit Juli untersucht das Landesamt für Archäologie Sachsen eine Fläche von mehr als 5.000 Quadratmetern. Die Arbeiten sollen noch bis Mitte Oktober dauern.
Die Ausgrabungen wurden notwendig, weil sich das Baugebiet in unmittelbarer Nähe einer bekannten bronzezeitlichen Fundstelle befindet. Zudem liegt das Areal in der hochwasserfreien Nähe zur Weißen Elster und damit in einem Gebiet, in dem bereits mit vorgeschichtlichen Funden gerechnet wurde.
Obwohl das Gelände zuvor mit einem inzwischen abgerissenen Gebäudekomplex aus den 1960er Jahren bebaut war, stießen die Archäologen auf zahlreiche gut erhaltene Befunde. Dazu gehören unter anderem Gruben und Pfostenlöcher ehemaliger Gebäude.
Die entdeckten Siedlungsreste werden der sogenannten linienbandkeramischen Kultur zwischen etwa 5.500 und 4.500 vor Christus zugeordnet. In dieser Epoche wurden Menschen sesshaft, lebten in Dörfern und betrieben Ackerbau und Viehzucht.
In Möckern fanden die Archäologen unter anderem Rand- und Wandscherben von Keramikgefäßen mit den für diese Kultur charakteristischen Verzierungen. Auch Spuren mehrerer Langhäuser konnten nachgewiesen werden.
Besonders gut erhalten ist der Grundriss eines rund 30 Meter langen Hauses. Mindestens zwei weitere Häuser wurden teilweise erfasst. Erkennbar sind sie heute vor allem anhand der Verfärbungen ehemaliger Pfostengruben im Boden.
Für eine besondere Überraschung sorgte eine Bestattung innerhalb der Siedlung. Das Skelett lag auf der linken Seite mit angezogenen Beinen in einer Grube. Solche Bestattungen werden als Hockergräber bezeichnet.
Grabbeigaben wurden nicht gefunden. Nach Angaben des Landesamtes ermöglichen jedoch die Lage des Körpers sowie der unmittelbare Zusammenhang mit der Siedlung und einem der Häuser eine Zuordnung zur linienbandkeramischen Kultur.
Damit ist die rund 7.000 Jahre alte Bestattung nach Angaben des Landesamtes für Archäologie Sachsen das bislang älteste bekannte Grab im Leipziger Stadtgebiet.
Landesarchäologin Regina Smolnik sieht die Funde als Beispiel dafür, dass auch in lange bebauten Stadtgebieten noch Zeugnisse früherer Besiedlung erhalten sein können. Die Untersuchungen zeigten, wie wichtig archäologische Begleitung auch bei Bauprojekten innerhalb des heutigen Stadtgebietes sei.
Bereits untersuchte Teile der Fläche werden schrittweise für den geplanten Neubau der Grundschule freigegeben. Nach Abschluss der Arbeiten vor Ort sollen die Grabungsergebnisse im Landesamt für Archäologie Sachsen wissenschaftlich ausgewertet werden.