Mo., 17.11.2025 , 11:13 Uhr

Neue Prüfungen zeigen massive Schäden – Brücke muss ersetzt werden

Agra-Brücke: Schäden machen Neubau nötig

Neue Untersuchungen an der Agra-Brücke Markkleeberg bestätigen schwerste Schäden im Spannstahl. Ab 20. November greifen weitere Einschränkungen, ein Ersatzneubau ist unumgänglich.

Leipzig - Die Agra-Brücke in Markkleeberg weist schwerste Schäden im Spannstahl auf und muss so schnell wie möglich ersetzt werden. Das haben Sonderprüfungen ergeben, deren erste Ergebnisse am 17. November 2025 vorgestellt wurden. Staatsministerin Regina Kraushaar und Gutachter Prof. Dr. Thomas Bösche informierten über den Zustand des Bauwerks und die notwendigen Konsequenzen.

Bereits bei den in der vergangenen Woche entnommenen Spannstahlproben von der Oberseite der Brücke zeigte sich ein kritisches Schadensbild. Die nun laufenden Laboruntersuchungen sollen die genaue Ausprägung der Schäden bis Ende November bestätigen. Vergleichbare Proben aus dem Dezember 2024 hatten zwar Vorschädigungen gezeigt, jedoch keinen vergleichbaren Handlungsdruck ausgelöst.

Laut Gutachter Bösche sind in zwei von fünf geöffneten Spanngliedern bereits mehrere Drahtbrüche sowie zahlreiche weitere Anrisse sichtbar. Damit handle es sich nicht mehr nur um das Risiko einer Spannungsrisskorrosion, sondern um tatsächliche strukturelle Defekte. Eine rechnerische Standsicherheitsbewertung sei auf dieser Basis nicht mehr möglich.

Um die Sicherheit der Verkehrsteilnehmer zu gewährleisten, gelten ab dem 20. November 2025 neue Verkehrseinschränkungen. Fahrzeuge über 3,5 Tonnen dürfen die Brücke nicht mehr befahren und werden über den Autobahnring aus A 38 und A 14 umgeleitet. Die entsprechende weiträumige Beschilderung wird ab der ersten Dezemberwoche eingerichtet. Zusätzlich bleibt auf der Brücke weiterhin nur ein Fahrstreifen pro Richtung geöffnet, verbunden mit einer Geschwindigkeitsreduzierung.

Staatsministerin Kraushaar machte deutlich, dass ein Tunnel als langfristige Lösung angesichts der akuten Lage nicht infrage kommt. Dessen komplexe Planung und Bauzeit würden bis zu zwei Jahrzehnte dauern – Zeit, die die Brücke nicht mehr hat. Deshalb beauftragte das Ministerium das Landesamt für Straßenbau und Verkehr, unmittelbar mit der Planung eines Ersatzneubaus zu beginnen.

Die Ministerin betonte die Bedeutung der Brücke als zentrale Nord-Süd-Verbindung im Leipziger Raum und die Verantwortung gegenüber der Region. Ziel sei eine schnelle, sichere und rechtlich umsetzbare Lösung, die für die Verkehrsteilnehmer zumutbar bleibt.

Die Agra-Brücke wurde zwischen 1970 und 1976 errichtet, ist 357 Meter lang und führt die B 2/B 95 über den Agra-Park. Rund 30.000 Fahrzeuge nutzen das Bauwerk täglich. Sie gehört zu insgesamt 19 Brücken in Sachsen, die Hennigsdorfer Spannstahl enthalten – ein Material, das seit dem Teileinsturz der Carolabrücke in Dresden besonders kritisch überwacht wird.

Bei neuen Erkenntnissen soll zeitnah erneut informiert werden.